zum Inhalt springen
Powered by

Medizintechnik-Branche steht weltweit vor gewaltigen Veränderungen

Laut der vom Verband der Elektrotechnik (VDE) durchgeführten Studie "MedTech 2020" befindet sich Europa in den Bereichen Telemedizin und eHealth auf dem Weg zur Innovationsführerschaft. In vielen Bereichen hole Asien aber gegenüber Europa und Nordamerika dramatisch auf. Dies sind die Ergebnisse einer Umfrage unter 3.000 internationalen Experten, die auf dem Weltkongress der Medizintechnik vom 07. bis 12. September in München die Trends der Zukunft bewerteten. Einer der wichtigsten Innovationstreiber in der Medizintechnik ist neben den Computerwissenschaften die Biotechnologie.

Die Medizintechnik zählt heute zu den innovationsstärksten Bereichen der deutschen Wirtschaft. Nachdem der Umsatz 2008 um 2,5 Prozent auf 17,8 Milliarden Euro gestiegen war, erwarten Experten auch für das laufende Jahr ein leichtes Plus. Damit ist die deutsche Medizin­technik eines der wenigen Gebiete, die trotz der Finanzkrise auf Wachstumskurs bleibt. Laut einer Umfrage des VDE unter seinen 1.300 Mitgliedsunternehmen wird Deutschland seine Spitzenposition in diesem Bereich bis 2020 halten. Allerdings holt Asien sprunghaft auf. Nach der aktuellen VDE-Trendstudie „MedTech 2020“, die der VDE anlässlich des Weltkongresses der Medizintechnik in München der Öffentlichkeit vorstellte, sind Computerwissen­schaften die weitaus wichtigsten Schlüsseltechnologien für die Branche. 32 Prozent der Befragten aus Wissenschaft, Universitätskliniken und Wirtschaft sind sich darin einig. An zweiter Stelle rangieren die Zell- und Biotechnologien. Rang 3 nimmt die Informations- und Kommunikations­technik ein.

Asien holt auf

Bemerkenswert ist die Innovationskraft der Branche in Deutschland, die rund 9 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert und hier fast 15 Prozent der rund 100.000 Mitarbeiter beschäftigt. Laut der VDE-Studie MedTech 2020 werden in zehn Jahren die regenerative Medizin, Telemedizin und eHealth sowie Prothesen und Implantate zu den dynamischsten Innovationsfeldern zählen. Hier erwarten die Experten den größten Bedeutungs­gewinn. Europa kann in allen Innovationsfeldern seinen Status als mitführende Region halten. Asien gewinnt stark, vor allem zu Lasten der USA. Gefragt nach den Zukunftstrends wird die Bedeutung diagnostischer Verfahren („Diagnostic Imaging“) als derzeit umsatzstärkster Bereich weiter zunehmen. Heute ist Nordamerika die führende Region auf diesem Feld. Das sagt jeder zweite der Befragten. Drei von zehn Befragten nennen Europa, einer von zehn Asien. Im Jahr 2020 wird sich allerdings das Bild stark gewandelt haben. Auf Platz 1 sehen dann 48 Prozent der Befragten Asien, 26 Prozent Nordamerika und nur noch 16 Prozent Europa.

Im Bereich Prothesen und Implantate wird nach Meinung von 60 Prozent der Befragten Nordamerika die größte Innovationskraft attestiert. 2014 glauben jedoch nur noch 41 Prozent und 2020 lediglich 32 Prozent hieran. Asien macht in diesem Bereich den größten Sprung. Sehen derzeit nur 6 Prozent der Befragten Asien vorn, glauben 35 Prozent der Befragten, dass im Jahr 2020 Asien die Technologie­führerschaft im Bereich Prothesen und Implantate übernehmen wird. Europa rutscht für rund jeden Dritten der Befragten von Platz 1 auf den dritten Platz in zehn Jahren.

Im Gebiet Chirurgie, minimalinvasive Medizin, Endoskopie und bildgeleitete Therapie wird eine vergleichbare Entwicklung erwartet. Hier fällt Nordamerika von heute 60 Prozentpunkten auf 38 Prozentpunkte im Jahr 2020 ab. Die heutige Position Europas verbessert sich von aktuell 27 Prozentpunkten auf 29 Prozent im Jahr 2020. Den größten Sprung in der Innovationskraft wird aber auch hier von Asien erwartet, das heute noch bei 11 Prozent liegt, aber bis 2020 mit Europa gleichzieht (30 Prozent).

Etwas robuster auf Platz zwei des Innovationskraft-Rankings sehen die Experten Europa bei der In-vitro-Diagnostik. Während Nordamerika im Gebiet In-vitro-Diagnostik von heute 58 auf 37 Prozent im Jahr 2020 zurückfällt, kann sich Europa im gleichen Zeitraum bei rund 37 Prozentpunkten halten. Aber auch hier wird Asien, das von heute 5 Prozent auf 25 Prozent zulegen kann, als großer Gewinner angesehen. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Regenerativen Medizin. Auch hier kann Nordamerika seine Spitzenposition mit Verlusten vor Europa verteidigen. Asien holt auf und wird 2020 schon von 28 Prozent als innovationsstärkste Region gesehen. Damit liegt es per saldo nur noch knapp hinter Europa auf Platz drei.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen zeichnet sich im Gebiet Telemedizin und eHealth ab. Hier liegt Europa (39 Prozent) derzeit noch hinter Nordamerika (50 Prozent) auf Platz zwei. In fünf Jahren wird Europa allerdings mit 41 Prozentpunkten an den USA (38 Prozent) vorbeiziehen und bis 2020 seinen Vorsprung zu den USA mit fünf Prozentpunkten ausbauen. Auch hier wird eine erfolgreiche Aufholjagd Asiens erwartet, das 2020 bereits für 29 Prozent der Experten über die größte Innovationsstärke verfügen wird.

Osteuropa am bürokratischsten

Mangelnde Fördergelder bezeichnen international 29 Prozent der Befragten als größtes Innovationshemmnis und weitere 17 Prozent als zweitgrößtes. In Deutschland ist diese Ansicht etwas weniger ausgeprägt als im übrigen Westeuropa. Darin spiegeln sich laut VDE auch die in den letzten Jahren durch die Politik verbesserten Förderbedingungen wider. Zu viel Bürokratie machen in Deutschland und weltweit 20 Prozent der Experten als wichtigste und weitere 17 beziehungsweise 15 Prozent als zweitwichtigste Bremse aus. Am bürokratischsten scheint es in Osteuropa zuzugehen. Dort beklagen 30 Prozent die Bürokratie als höchste Innovationshürde. Die Zulassungsverfahren für innovative Medizintechnologien werden in Deutschland als größeres Hemmnis wahrgenommen als bei den Nachbarn, obwohl die Prozedur in Deutschland und weiten Teilen Europas über die „Medical Device Directive“ der Europäischen Union einheitlich geregelt ist.

Über die VDE-Studie "MedTech 2020"

Für die VDE-Studie MedTech 2020 wurden die Autoren befragt, die Beiträge zum "World Congress on Medical Physics and Biomedical Engineering" eingereicht haben. Insgesamt haben sich 631 Experten aus der ganzen Welt an der Umfrage beteiligt. Im Spektrum der Befragten spiegelt sich die große Multidisziplinarität des Themas wider. Die Hälfte der Befragten gehört zum Hochschulbereich, 26 Prozent sind in Universitätskliniken tätig und 5 Prozent kommen aus Unternehmen. 74 Prozent arbeiten in der angewandten Forschung, 20 Prozent in der Grundlagenforschung und 7 Prozent in der strategischen Forschung. Gut ein Viertel der Befragten arbeitet in leitender Funktion.

Pressekontakt:

Melanie Mora
Tel.: 069 6308461
E-Mail: melanie.mora(at)vde.com

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/medizintechnik-branche-steht-weltweit-vor-gewaltigen-veraenderungen