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Methadon gegen Hirntumoren – Endlich eine Therapie?

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 5.500 Menschen neu an einem bösartigen Hirntumor. Die Heilungschancen für Patienten mit dieser Diagnose haben sich in den letzten Jahrzehnten kaum verbessert. Ein neuer Therapieansatz verspricht nun Hoffnung: Wissenschaftler vom Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Ulm konnten zeigen, dass Methadon Hirntumoren bekämpft.

Dieses Medikament – ein so genanntes Opioid – wird normalerweise im Heroinentzug verabreicht. Die Ulmer Forschergruppe von Claudia Friesen untersucht nun den genauen Wirkmechanismus von Methadon. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit 300.000 Euro.

Bisherige Therapien wirken kaum

Dr. Claudia Friesen erforscht molekulare Wirkmechanismen des Methadons. © UK Ulm

„Patienten mit bösartigen Hirntumoren haben trotz der stetig intensivierten Therapien weiterhin eine schlechte Prognose", sagt die Leiterin des Forschungsprojekts Claudia Friesen. Sie arbeitet im Team von Erich Miltner, Ärztlicher Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Ulm.

Hirntumoren werden derzeit in erster Linie operativ entfernt und bestrahlt. Ärzte setzen aber auch Chemotherapien gegen diese Krebsform ein. Zu Beginn der Behandlung sprechen die Patienten meist gut auf die Medikamente an. Allerdings treten nach einiger Zeit oft Resistenzen gegenüber dem Wirkstoff auf: Der Tumor wächst weiter und kann nicht mehr bekämpft werden. Zusätzlich leiden diese Patienten sehr stark unter den Nebenwirkungen der hochdosierten Chemotherapeutika.

Erste Hinweise auf einen neuen Therapieansatz gegen Hirntumoren erhielt das Friesens Team aus der Leukämieforschung: Dort schädigte Methadon bösartig veränderte Blutzellen. „Entscheidend ist, dass gesunde Blutzellen durch Opioide nicht zerstört werden", erläutert Friesen die Vorteile der Therapie. Als Opioide bezeichnet man eine Gruppe unterschiedlichster Wirkstoffe, die an verschiedenen Stellen im Körper die Schmerzwahrnehmung unterdrücken. Deshalb werden sie normalerweise in der Schmerztherapie und der Anästhesie eingesetzt.

Erfolgreicher Zangenangriff

„Opioide wie Methadon sind in der Lage, auch Hirntumoren zu zerstören“, berichtet Friesen. Erste Ergebnisse zeigen, dass insbesondere eine gleichzeitige Gabe von Methadon und einem Chemotherapeutikum sehr erfolgversprechend sein könnte. Einerseits wird so der programmierte Selbstmord der Tumorzellen ausgelöst, ohne gesunde Zellen anzugreifen. Andererseits macht Methadon Tumorzellen, die gegen Chemotherapie und Bestrahlung resistent geworden sind, wieder für die Behandlung empfindlich.

Das Ulmer Forschungsprojekt will bessere und wirkungsvollere Therapien gegen Hirntumoren entwickeln. Neben Methadon testen die Forscher weitere Opioide auf ihre Wirksamkeit. Darüber hinaus sollen ihre Arbeiten mehr Aufschluss darüber geben, wie Opioide Resistenzen gegen eine Chemotherapie überwinden können. Friesen und ihre Mitarbeiter wollen anschließend in einer klinischen Studie untersuchen, welche Opioide sich besonders gut für die Krebstherapie eignen und welche biologischen Mechanismen für die Wirkung verantwortlich sind. Geplant ist zudem eine Studie mit Hirntumor-Patienten, in der insbesondere die genaue Dosierung und die Verträglichkeit überprüft werden soll.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/methadon-gegen-hirntumoren-endlich-eine-therapie