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Nachlese: Über 100 Vernetzungswillige erklimmen den Gießberg

Die beste Idee zur Entwicklung eines neuen Medikaments nutzt nichts, wenn sie nicht in ein marktfähiges Produkt umgemünzt wird. Um diesen Prozess in Gang zu setzen, kamen bei ‘Wissenschaft-trifft-Wirtschaft“ Vertreter aus Forschung und Industrie aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen und stellten vielversprechende Projekte und Technologien zur Verbesserung von Gesundheit und Umwelt vor. Die größte Austauschplattform für die Lebenswissenschaften am Bodensee wurde vom Netzwerk BioLAGO gemeinsam mit der Universität Konstanz und der Landesgesellschaft BIOPRO Baden-Württemberg ausgerichtet. Im Zentrum standen neue Erkenntnisse zum Impfstoff gegen Malaria sowie zur effizienten Vorbeugung von Krankheiten wie Krebs durch gezielte Messung von Veränderungen im Erbgut.

Zwischen den Vorträgen beim WtW-Tag 2010 hatten die Forscher und Unternehmer Gelegenheit für Gespräche und konnten an mehreren Infoständen über innovative Produkte aus den Lebenswissenschaften erfahren © BioLAGO

Weit über 100 Wissenschaftler und Unternehmer aus dem internationalen Bodenseeraum sowie darüber hinaus präsentierten und diskutierten einen Tag lang an der Universität Konstanz zukunftsweisende Verfahren, die schon bald unseren Alltag erreichen und erleichtern könnten – von der umweltfreundlichen Energieerzeugung aus landwirtschaftlichen Abfällen oder Speiseresten bis hin zur minutenschnellen Diagnose von Erbkrankheiten. So stellte Caroline Amberg von der EMPA Testmaterials AG aus St. Gallen ein Verfahren vor, mit dessen Hilfe unangenehme Gerüche aus der Waschmaschine durch effizienteren Einsatz von Reinigungs- und Desinfektionsprozessen vermieden werden können, während Jörg Bergemann von der Hochschule Albstadt-Sigmaringen seinen Konstanzer Forscherkollegen neue Wege zum Aufspüren von Nahrungsmittelallergien aufzeigte.

Auch Gemeinschaftsprojekte von Firmen im BioLAGO-Verbund wurden aufgegriffen. Helmut Trautmann von abiotec aus Eggenwil verriet Details zu einem neuen Vorhaben mit der Stockacher QIAGEN Lake Constance, bei dem Prozesse in Zellen durch das Einfangen von Licht in Echtzeit erfasst werden können. Die Unternehmen nutzen bei ihren Vorträgen zudem die Gelegenheit, anwesende Studierende auf offene Praktika-Stellen aufmerksam zu machen und standen vor den Hörsälen an mehreren Infoständen Rede und Antwort.

Doppel-keynote zur Malaria-Ausrottung und Krebsbekämpfung

Einer der Höhepunkte von „Wissenschaft-trifft-Wirtschaft 2010“ an der Universität Konstanz: Hermann Bujard, Leiter der Europäischen Organisation für Molekularbiologie (EMBO), stellte seine Arbeit zur Entwicklung eines Impfstoffs gegen Malaria vor © BioLAGO

Einer der Höhepunkte der 6. Auflage der Veranstaltung war der Vortrag von Hermann Bujard, Leiter der Europäischen Organisation für Molekularbiologie (EMBO). Der an der Universität Heidelberg tätige Wissenschaftler forscht seit Jahren nach einem Impfstoff gegen Malaria, an der jährlich über 250 Mio. Menschen erkranken, davon rund eine Million mit Todesfolge. Vielleicht können diese Zahlen schon in naher Zukunft reduziert werden. Bujard berichtete bei seinem Besuch in Konstanz über den Nachbau eines Proteins des Malaria-Parasiten in jenem Stadium, in dem er die roten Blutkörperchen befällt. Eine Impfung mit dem Protein in abgeschwächter Form soll verhindern, dass sich die Erreger vermehren und Zellen zerstören. „Die ersten Ergebnisse im Labor waren vielversprechend und wir haben den Start der ersten klinischen Studien am Menschen im Visier“, so Bujard.

Anderen, weltweit häufigen Todesursachen wie dem Krebs sowie dessen Bekämpfung widmete sich der zweite Gastvortrag, gehalten von Hans Lehrach. Der Direktor am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin erfasst sämtliche Gen-Aktivitäten von gesunden und kranken Menschen und vergleicht diese miteinander, um Krankheiten wie Krebs besser zu verstehen und vorzubeugen.

Im Zentrum der Vorträge stand der Transfer zukunftsweisender Hochschulforschung in die Industrie. Wie das funktioniert, konnten die Gastredner sehr gut vermitteln: Hans Lehrach hat bereits fünf Firmen in Deutschland und den USA gegründet, während Hermann Bujard mehrere Jahre als biologischer Forschungsleiter des Pharmakonzerns Hoffmann-La Roche tätig war.

Als zentraler Treffpunkt und Kooperationsbörse richtet sich „Wissenschaft-trifft-Wirtschaft“ (WtW) an wissenschaftliche Institutionen und Unternehmen rund um den Bodensee, die auf den Gebieten Medizin(technik), Pharmazie, Diagnostik, Nahrungsmittel- und Umwelttechnologie tätig sind.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/nachlese-ber-100-vernetzungswillige-erklimmen-den-giessberg