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Neue IHK-Studie zur Medizintechnik in der Region Neckar-Alb

Die Medizintechnikbranche zeigt sich resistent gegenüber der Wirtschaftskrise. Die Unternehmen hegen gar ambitionierte Wachstumspläne, monieren aber die mangelnde Kooperationsbereitschaft in der Branche. Dies sind drei Ergebnisse der Medizintechnikstudie Neckar-Alb der Industrie- und Handelskammer Reutlingen, die im Rahmen der Tübinger Innovationstage vorgestellt wurde. Die vorgelegte Studie der IHK Reutlingen zum „Medizintechnikcluster Neckar-Alb“ zeigt erstmals, worauf diese Stärke der Medizintechnikbranche in der Region gründet.

Medizintechnik-Studie Neckar-Alb © IHK Reutlingen

Die Medizintechnik-Branche in der Region Neckar-Alb zeichnet sich durch hohe Wachstumsraten und den Einsatz einer Vielzahl von unterschiedlichen Technologien aus. Sie hat zugleich Tradition: An einigen Standorten in den Kreisen Reutlingen, Tübingen und Zollernalb gab es schon im 19. Jahrhundert Medizintechnikfirmen. Die Studie „Medizintechnikcluster Neckar-Alb“ der IHK Reutlingen, die im Rahmen der Tübinger Innovationstage vorgestellt wird, beleuchtet die aktuelle Situation der Branche in der Region Neckar-Alb. Sie zeigt auf, dass gerade an den Schnittstellen mit anderen Branchen wie Automatisierung, Automotive, Biotechnologie, Elektronik oder Textil innovative Produkte entstehen. An Erfolgsbeispielen beleuchtet die Studie, wie dieses Zusammenwirken funktioniert und welchen Herausforderungen sich Medizintechnik-Unternehmen stellen müssen.

Die Vorstellung der Medizintechnik-Studie; v.r.n.l: Dr. Stefan Engelhard, Christian O. Erbe, Hans Marquart, Dr. Kathrin Ballesteros Katemann und Dr. Ludger Schnieder

Über 70 international vernetzte Medizintechnikunternehmen, das Universitätsklinikum Tübingen (UKT) und zahlreiche weitere Forschungseinrichtungen bilden den Kern des Clusters Medizintechnik in der Region Neckar-Alb, der im Norden an den Wirtschaftsraum Stuttgart und im Süden an die Medizintechnikregion Tuttlingen angrenzt. Mit spezialisierten Zulieferern, Dienstleistern und Teilbereichen breit aufgestellter Unternehmen sind in der Region Neckar-Alb bei 700.000 Einwohnern 10.000 Mitarbeiter in diesem Sektor beschäftigt. International gefragte Erzeugnisse sind beispielsweise Produkte aus dem Bereich Elektromedizin sowie Blutdruckmessgeräte, Stents oder Mobilitätshilfen.

Die Branche bewertet ihre wirtschaftliche Situation als gut und hegt ambitionierte Wachstumspläne. Allerdings monieren die Unternehmen die mangelnde Kooperationsbereitschaft untereinander. Ein Ansatzpunkt zur Verbesserung dieser Situation ist der Ausbau des Angebots an Veranstaltungen zur Medizintechnik. Sie stellen eine wichtige Plattform für Kontakte dar.

Neue Unternehmen sind in der Vergangenheit wie heute aus dem Austausch mit der Wissenschaft hervorgegangen. Zuletzt sorgten Firmen aus der Region Neckar-Alb beispielsweise mit der Entwicklung von subretinalen Netzhautchips oder aus Körperzellen gezüchteten Knorpel-Implantaten für Aufsehen. Wichtige Impulse gehen dabei vom Universitätsklinikum Tübingen beziehungsweise von der Universität Tübingen aus, die ab 2010 den Studiengang Medizintechnik anbietet. Unternehmensnahe Forschung betreiben vor allem das Naturwissenschaftliche und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen (NMI) und das 2007 entstandene Interuniversitäre Zentrum für Medizinische Technologien Stuttgart - Tübingen (IZST).   

NMI stark in der Region, stark mit der Region

In der Tat, die Kompetenzen des in Reutlingen ansässigen NMI spiegeln exakt wider, was die Branche an Know-how benötigt. Seit bald 25 Jahren forscht das NMI an den Schnittstellen von Biomedizintechnik, Mikrosystemtechnik und Materialwissenschaften. Der Erfolg ist weithin sichtbar: Firmen wie die TETEC AG, die Multi Channel Systems MCS GmbH oder die Retina Implant AG konnten bei ihrer Gründung auf Technologien zurückgreifen, die am NMI entwickelt wurden. Das World Technology Institute (WTEC) hat denn auch dem NMI in einer weltweit angelegten neurotechnologischen Studie außerordentlich hohe Transfererfolge bescheinigt - eine Einschätzung, die von Evaluierungskommissionen auf Landes- und Bundesebene einhellig geteilt wird.

Im Rahmen der Studie veröffentlicht das NMI erstmals die Daten seiner Befragung zu Zukunftstechnologien. Während die Unternehmen der minimalinvasiven Chirurgie und computergestützten Behandlungen große Bedeutung beimessen, sehen die befragten Kliniker die regenerative Medizin, zum Beispiel Therapien mit körpereigenen Zellen, als wichtigstes Zukunftsfeld an.

Insgesamt bestätigen die positive Stimmung und die anhaltenden Wachstumsraten die hohen Erwartungen, die in den vergangenen Jahren an die Medizintechnik gestellt wurden. Der Standort Neckar-Alb verfügt über hervorragende Voraussetzungen, um seine Position als zukunftsorientierter Medizintechnikcluster weiter auszubauen.

Die Studie ist im IHK-Shop erhältlich.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/neue-ihk-studie-zur-medizintechnik-in-der-region-neckar-alb