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Neue Medikamente sollen Boehringer Ingelheim wieder auf Erfolgsweg führen

Nach deutlichen Umsatzeinbußen 2014 will Deutschlands zweitgrößter Pharmakonzern wieder auf den Wachstumspfad mit neuen Medikamenten. Dies machte das Unternehmen bei Vorlage seiner Bilanz für das vergangene Jahr am Stammsitz im rheinhessischen Ingelheim deutlich.

Vieles lief 2014 nicht im Sinne des familiengeführten Unternehmens: 470 Mio. Euro zahlte der Konzern, um in den USA einen Rechtsstreit um das Schlaganfallmittel Pradaxa beizulegen. Obendrein gab es einen „Warning Letter" der FDA für den Standort Ingelheim, wo viele Medikamente für den internationalen Markt hergestellt werden. Auch die marode US-Tochter in Bedford, deren vergebliche Modernisierung das Unternehmen mehrere Hundert Millionen Euro kostete, wurde geschlossen. Schließlich verabschiedete sich das forschende Unternehmen im Juni 2014 aus der Entwicklung von Präparaten gegen Hepatitis C, obwohl es zwei späte Studien in der Pipeline hatte. Der Grund dafür war, dass starke Konkurrenzprodukte mit weniger Nebenwirkungen die eigenen Kandidaten überholt hatten. Überdies musste man auf dem wichtigsten Markt in den USA Preisnachlässe hinnehmen. 

Umsatz sinkt um fünf Prozent

Prof. Andreas Barner gibt sich für 2015 leicht zuversichtlich. © Boehringer Ingelheim

Zu den Zahlen: 2014 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von rund 13,3 Milliarden Euro, auf Euro-Basis ein Rückgang von rund fünf Prozent. Daraus ergibt sich bei einem stabil gebliebenen Betriebsergebnis von rund 2,1 Milliarden Euro eine Umsatzrendite von 16,1 Prozent. Der Jahresüberschuss schmolz im Vorjahresvergleich um 21 Prozent auf 1,04 Mrd. Euro, die Umsatzrendite sank im Vorjahresvergleich von 9,4 Prozent auf 7,9 Prozent. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet das Unternehmen eine moderate Umsatzsteigerung im Vergleich zum Vorjahr. Boehringer Ingelheim beschäftigte 2014 weltweit mehr als 47.700 Mitarbeiter, rund ein Prozent mehr als 2013.

Verschreibungspflichtige Medikamente machen 76 Prozent des gesamten Umsatzes aus. Hier fiel der Umsatz 2014 gleich um 7,3 Prozent auf 10,1 Mrd. Euro. Nach wie vor ist Spiriva, ein Mittel gegen chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) mit 3,2 Mrd. Euro Umsatzrenner, hier sank der Umsatz um fast 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dem in nächster Zeit auslaufenden Patent des Umsatzkrösus Spiriva sieht Unternehmenschef Barner gelassen entgegen. Auf entsprechende Nachfragen antwortete er, das komplexe Molekül sei durch zahlreiche Patente keine einfache Aufgabe für Generika-Hersteller.

Ein Gegenmittel aus eigener Entwicklung soll Pradaxa helfen

Die Erneuerung des Portfolios ist im vollen Gange. Rund 2,6 Milliarden Euro steckte der Konzern 2014 in FuE. © Boehringer Ingelheim

Fast 1,2 Mrd. Euro erlöste der Gerinnungshemmer Pradaxa, dem ein Gegenmittel (Idarucizumab) aus dem eigenen Haus folgen soll. Das Antidot ist ein vollständig humanisiertes Antikörper-Fragment, das den Gerinnungshemmer spezifisch bindet und damit inhibiert. Boehringer hat für Europa, USA und Kanada im März 2015 eine Zulassung im beschleunigten Prüfverfahren beantragt. Entsprechend zuversichtlich gab sich das Unternehmen, die stagnierenden Umsätze für den Gerinnungshemmer wieder zu steigern. Das Bluthochdruckpräparat Micardis erlöste immer noch – trotz abgelaufenem Patent – 1,1 Mrd. Euro, rund 21 Prozent weniger als im Vorjahr.

Unternehmenschef Barner verwies auf die notwendige kontinuierliche Erneuerung des Produktportfolios  durch abgelaufene Patente und auf acht verschreibungspflichtige Medikamente, darunter auch Zusatzindikationen für bisherige Präparate, die 2014 auf den Markt gebracht wurden. Wachsende Bedeutung wird dem Diabetes-Geschäft beigemessen. Schon 2014 erzielte die Produktfamilie Trajenta/Jentadueto gegen Typ-2-Diabetes ein währungsbereinigtes Umsatzplus von rund 37 Prozent auf 636 Millionen Euro (auf Euro-Basis: + 34,2 Prozent). In Deutschland allerdings wurde den Präparaten kein Zusatznutzen zuerkannt, was Finanzvorstand Hubertus von Baumbach ärgert: „Forschende Pharmaunternehmen haben es immer schwerer, weiterhin in Deutschland ein erfolgreiches Geschäft zu betreiben."

Biosimilars gewinnen an Bedeutung

Das Diabetes-Biosimilar zu Insulin glargin (Handelsname: Lantus) soll nach seiner Zulassung im Herbst 2014 noch 2015 auf den europäischen Markt gebracht werden. Weitere Biosimilars zu den Megasellern Humira, Avastin und MabThera/Rituxan (Indikationen: Rheumatoide Arthritis, Krebs und Arthritis) befinden sich in später Entwicklung. Im Gegensatz zu 2013 zog das biopharmazeutische Auftragsgeschäft 2014 wieder deutlich an (501 Mio. Euro, entsprechend vier Prozent am Gesamtumsatz).

Mit einem Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro (minus 2,5 Prozent im Vorjahresvergleich) trug das Geschäft mit freiverkäuflichen Arzneimitteln elf Prozent zum Gesamtumsatz bei. Im Bereich Tiermedizin hat Boehringer Ingelheim im Jahr 2014 erneut mehr als eine Milliarde Euro Umsatz erzielt, was acht Prozent des Konzernumsatzes entspricht.

USA, Japan und Deutschland - die drei wichtigsten Absatzmärkte

Die drei wichtigsten Märkte USA, Japan und Deutschland standen 2014 für rund 55 Prozent des Gesamtumsatzes von Boehringer Ingelheim. So erwirtschaftete das Unternehmen in Deutschland rund 912 Millionen Euro Umsatz. In Japan lag der Umsatz 2014 bei rund 1,7 Milliarden Euro und in den USA bei rund 4,6 Milliarden Euro.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/neue-medikamente-sollen-boehringer-ingelheim-wieder-auf-erfolgsweg-fuehren