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NMI TT GmbH - Wertschöpfung aus der Forschung

Die NMI TT GmbH ist ein Tochterunternehmen des NMI Reutlingen und mit diesem eng vernetzt. Entwicklungen aus dem renommierten Forschungsinstitut werden im Rahmen der NMI TT GmbH vermarktet und die Gewinne fließen zurück in die Forschung des NMI – es entsteht ein wertschöpfender Kreislauf, der sowohl der Forschung und Entwicklung als auch der Wirtschaft zugute kommt.

2002 gründete das NMI Reutlingen eine GmbH, um Verfahren und Produkte aus der Forschungs- und Entwicklungs-Schmiede des NMI nach allen Regeln der Wirtschaftskunst auf den Markt zu bringen. Der generierte Gewinn soll wiederum dem NMI für Forschung und Entwicklung zugute kommen. Prof. Dr. Hugo Hämmerle ist Institutsdirektor des NMI Reutlingen und zugleich Geschäftsführer der NMI TT GmbH – eine Konstellation, die „von Anfang an zwar vorgesehen, jedoch nicht in Stein gemeißelt ist“, wie Hämmerle sagt. Er erklärt die Notwendigkeit, aus der heraus damals die NMI TT GmbH gegründet wurde: „Das NMI Reutlingen ist eine gemeinnützige Stiftung mit der Aufgabe, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung aufzugreifen und in wirtschaftlich verwertbare Verfahren und Produkte umzusetzen.“ Die Vermarktung selbst gehört also nicht zum Stiftungszweck. „Außerdem hat sich gezeigt, dass manche Produkte vom Markt noch nicht nachgefragt wurden, trotzdem waren wir von ihrem Potenzial überzeugt. Statt diese aufzugeben, wollten wir sie selbst vermarkten. Und das geht nur in einem Unternehmen, mit dem Gewinn erwirtschaftet werden darf und die sonstigen Randbedingungen wie Produkthaftung geregelt sind.“

Prof. Dr. Hugo Hämmerle leitet das NMI Reutlingen und das Tochterunternehmen des Instituts, die NMI TT GmbH. © NMI

Alleiniger Gesellschafter der NMI TT GmbH war damals und ist heute noch die Stiftung des NMI. Sie hat alleine das entsprechende Startkapital aufgebracht – eine Investition, die sich inzwischen auszahlt. Trotzdem verlief die Unternehmensentwicklung nicht ganz geradlinig. Die Peptidsynthese wurde im August 2009 an die Intavis AG verkauft und die mit hohen Erwartungen gestarteten Beratungsdienstleistungen wurden aufgegeben. „Es gibt bereits genügend Unternehmen am Markt, die Dienstleistungen im Bereich Technologieberatungen anbieten. Da dies nicht unser zentrales Geschäftsfeld ist, haben wir es zugunsten anderer Aufgaben zurückgefahren“, so Hämmerle.

Fokussieren auf zentrale Kompetenzfelder

Die NMI TT GmbH umfasst zurzeit drei Geschäftsfelder: neben der Sicherheitspharmakologie, dem Ionenkanalservice und dem Proteinprofiling, die im Geschäftsfeld Pharmaservice zusammengefasst sind, das Geschäftsfeld Mikrosysteme und das Geschäftsfeld Prüflabor.

Die NMI TT GmbH bietet ihren Kunden aus der Pharmaindustrie verschiedene präklinische Testmodelle und entwickelt auf Kundenwunsch auch maßgeschneiderte neue Modelle. Für elektrophysiologische Pharmaservices gibt es grundsätzlich auch andere Anbieter am Markt. „Hier müssen wir noch einen Weg finden, um im internationalen Wettbewerb einen Platz zu finden. Insgesamt wollen wir uns in Zukunft in verschiedenen Bereichen noch besser positionieren“, fasst Hämmerle das mittelfristige Ziel der weiteren Unternehmensentwicklung zusammen.

Die NMI TT GmbH setzt automatisierte elektrophysiologische Verfahren, zum Beispiel mit dem "Roboocyte", ein, um medizinische Wirkstoffe zu testen. © NMI TT GmbH

Die In-vitro-Sicherheitspharmakologie, die von Nycomed Konstanz übernommen wurde, hat als Schwerpunkt elektrophysiologische Untersuchungen, um Nebenwirkungen von Wirkstoffkandidaten auszuschließen. Des Weiteren hat das NMI innovative Verfahren entwickelt und an die GmbH übertragen, mit denen sich zum Beispiel die Auswirkungen von Substanzen auf die Signalvermittlung zwischen Zellen untersuchen lassen – elektrophysiologisch an Ionenkanälen in Zell- und Gewebekulturen und damit tierversuchsfrei. Beim Protein Profiling erweist sich die NMI TT GmbH als Spezialist für miniaturisierte, multiplexe, analytische Methoden – in diesem Fall geht es um die Analyse von Proteinen in kleinsten Probenmengen. Damit können zum Beispiel gleichzeitig mehrere Proteine – so genannte Biomarker - im Biopsie-Material von Patienten nachgewiesen werden.

Das Geschäftsfeld Mikrosysteme produziert mit mikrotechnischer Methode Sensoren und Sonden für die Biotechnologie und für die Medizintechnik. Beispiele sind Mikroelektroden-Arrays und Spitzen für die optische Nahfeld- sowie die Atomic Force Microscopy. „Des Weiteren bieten wir Komponenten für die Medizintechnik. Sie alle brauchen eine qualitätsgesicherte Produktion, die wir in der NMI TT GmbH bieten können“, sagt Hämmerle. Mit den miniaturisierten Elektroden der MEAs kooperiert die NMI TT GmbH eng mit der Reutlinger Multi Channel Systems MCS GmbH, einer Ausgründung des NMI Reutlingen.

Das dritte Geschäftsfeld ist die Qualitätskontrolle von neuartigen medizinalen Produkten. „Seit September letzten Jahres haben wir die Herstellungserlaubnis, um zellbasierte Arzneimittel, so genannte ATMPs, einschließlich Biomaterialien zu prüfen“, sagt Hämmerle mit berechtigtem Stolz, denn es bedarf aufwändiger und komplexer Prozedere, um eine derartige Herstellungserlaubnis zu erhalten. ATMPs sind „Advanced Therapy Medicinal Products“, also Arzneimittel für neuartige Therapien, wie sie etwa im Rahmen der Regenerativen Medizin entwickelt werden. ATMPs können zum Beispiel lebende Zellen sein, die zusammen mit Wachstumsfaktoren in ein biologisches Trägermaterial eingebettet werden. Derartige Transplantate sollen in den Körper eingebracht werden, um schadhaftes Gewebe zu ersetzten und zu regenerieren. „Solche Produkte müssen für die Zulassung sehr viele Prüfungen bestehen, die in einem GMP-Umfeld erstellt werden müssen und genau das können wir jetzt leisten“, so Hämmerle.

Die Prüfleistungen sieht er jedoch nicht nur als Möglichkeit, um einen neuen Markt zu erschließen: „Sie haben auch darin Bedeutung, dass wir über diese Dienstleistungen frühzeitig erfahren, welche regulatorischen und qualitativen Anforderungen von den Entwicklern berücksichtigt werden müssen. Außerdem legen wir Wert darauf, Know-how über die gesamte Wertschöpfungskette im Haus zu haben. Dieses Know-how im Umfeld eines Forschungsinstitutes gibt uns die Chance, Zulassungshürden frühzeitig zu erkennen und sie bei der Entwicklung eines Produktes zu berücksichtigen.“ Das, so das Kalkül des Geschäftsführers, wirkt sich nicht zuletzt positiv auf die Kundenbindung aus. Gerade in den sensiblen Bereichen der Arzneimittel- und Medizinprodukte legen die Hersteller schließlich größten Wert auf Kompetenz, Erfahrung und stabile Geschäftsbeziehungen.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/nmi-tt-gmbh-wertschoepfung-aus-der-forschung