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Patienten in Europa sollen von neuer Bestrahlungstherapie profitieren

Patienten in ganz Europa soll in den nächsten Jahrzehnten eine neue innovative Bestrahlungsform auf gesicherter wissenschaftlicher Grundlage zur Verfügung stehen. Am 26. und 27. September 2009 fand in der Abteilung RadioOnkologie und Strahlentherapie des Universitätsklinikums Heidelberg das offizielle Kick-Off Meeting des von der Europäischen Union geförderten Gemeinschaftsprojektes ULICE (Union of LIght Ions Centres in Europe) statt, das mit knapp 10 Millionen Euro finanziert wird.

In diesem Konsortium haben sich die insgesamt 21 europäischen Forschungs- und Behandlungs-Einrichtungen auf dem Gebiet der Ionentherapie zu einem interdisziplinären Forschungsverbund zusammengeschlossen, um die Grundlagenforschung auf den Gebieten der Physik, Biologie und Medizin voranzutreiben und die bestehenden Anlagen für die Ionentherapie in Europa effektiv und gemeinsam für die Weiterentwicklung dieser Technik zu nutzen.

Länderübergreifende klinische Studien

Das Gesamtprojekt ist in drei Säulen gegliedert:

  • Patienten werden im Rahmen von gemeinsamen länderübergreifenden klinischen Therapiestudien an den Anlagen für Ionentherapie behandelt. Dieses Projekt wird von Heidelberg aus koordiniert und gesteuert. Dabei werden Patientenzuweisung und Indikationen strukturiert und etabliert, sowie länder- und institutsübergreifende Datenbanken für klinische und präklinische Parameter eingerichtet.
  • In der zweiten Säule steht die Forschung und Weiterentwicklung der Ionentherapie in den unterschiedlichen klinischen und präklinischen Teilbereichen im Vordergrund; diese gemeinsamen Forschungsaktivitäten (Joint Research Activities) werden zentral von Wien europaweit koordiniert.
  • In der dritten Säule steht die Kommunikation und Interaktion sowie die interdisziplinäre Diskussion und Konsensfindung im Fokus, die zentral vom CERN in GENF aus gesteuert wird.

Getragen wird das Projekt durch die vier Hauptantragsteller: Prof. Dr. Roberto Orrechia, Ärztlicher Leiter der RadioOnkologie und des Nationalen Zentrums für Hadrontherapie (Centro Nazionale di Adroterapia Oncologica, CNAO) in Mailand, Prof. Dr. Richard Pötter, Ärztlicher Direktor der Abteilung RadioOnkologie und Strahlentherapie am AKH in Wien, Prof. Dr. Manjit Djosanjh vom CERN in Genf, sowie Prof. Dr. Dr. Jürgen Debus, Ärztlicher Direktor der Abteilung RadioOnkologie und Strahlentherapie am Universitätsklinikum Heidelberg.

Insgesamt 22 Schwerpunktzentren in Europa beteiligt

Neben den vier Schwerpunktzentren (Heidelberg, Mailand, Genf und Wien) sind insgesamt 18 weitere europäische Zentren in das Verbundprojekt integriert. Wesentliche Vorarbeiten wurden zudem insbesondere in Berkeley, Californien, sowie an der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI ) in Darmstadt geleistet. Weltweit sind bisher über 70.000 Patienten mit Ionenstrahlen behandelt worden, dabei der größte Teil mit Protonen und mit Schwerionen. Schwerionen (Kohlenstoffionen) zeichnen sich gegenüber der konventionellen Photonenstrahlentherapie sowie gegenüber der Protonentherapie durch eine erhöhte relative biologische Wirksamkeit (RBW) aus, die insbesondere für langsamwachsende und strahlenresistente Tumoren entscheidende Therapievorteile gezeigt hat.

Von den Heidelberger Radioonkologen wurden seit 1997 weit über 400 Patienten mit Kohlenstoffionen in Kooperation mit der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt, der Abteilung Mezidinphysik am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg sowie dem Forschungszentrum Rossendorf bei Dresden behandelt. Insbesondere für Tumoren der Schädelbasis konnten damit die Therapieergebnisse signifikant verbessert werden.

Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum wird eröffnet

Basierend auf diesen Vorarbeiten wurde am Universitätsklinikum Heidelberg das Heidelberger Ionenstrahl-Therapiezentrum (HIT) errichtet, das in Kürze den klinischen Betrieb aufnehmen wird. Dort wird es möglich sein, über 1.300 Patienten im Jahr mit Ionenstrahlen zu behandeln. Dabei werden insbesondere Tumore der Schädelbasis wie Chordome, Chondrosarkome und Meningeome, sowie Tumore der Speicheldrüsen und Prostatakarzinome behandelt werden. Auch hirneigene Tumore wir Glioblastome und niedriggradige Astrozytome werden im Rahmen von klinischen Studien am HIT behandelt werden.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/patienten-in-europa-sollen-von-neuer-bestrahlungstherapie-profitieren