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Preisgekrönte Infektionsforscher aus Baden-Württemberg

Der mit 10.000 Euro dotierte Wolfgang-Stille-Preis der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG) wurde in diesem Jahr zu gleichen Teilen an zwei Arbeitsgruppen aus Heidelberg und Freiburg verliehen.

Auszeichnung für Freiburger Infektiologie

Dr. Siegbert Rieg aus der Abteilung für Infektiologie der Medizinischen Universitätsklinik Freiburg erhielt den Preis stellvertretend für eine Arbeitsgruppe um Professor Dr. Winfried Kern, den Leitenden Arzt der Infektiologie. Im Fokus der Arbeit steht die Staphylococcus aureus-Bakteriämie, eine bei Krankenhauspatienten häufige und schwere Infektion der Blutstrombahn.

Die Krankenhaussterblichkeit beträgt nach internationalen Studien mehr als 20 Prozent, bei Infektionen mit resistenten Staphylokokken (MRSA) ist sie noch höher.
In der vorgelegten Arbeit wurde untersucht, inwieweit eine intensivierte Diagnostik und Therapie im Rahmen der Mitbetreuung durch Infektiologen einen Einfluss auf die bisher beobachtete hohe Sterberate hat. Hierfür wurde die Krankenhaussterblichkeit bei 521 Patientinnen und Patienten in Abhängigkeit verschiedener Faktoren untersucht. Es zeigte sich, dass ein Befall der Herzklappen, die Aufnahme auf einer Intensivstation, eine Infektion durch resistente Staphylokokken sowie fortgeschrittenes Alter und schwere Grunderkrankungen Faktoren für eine höhere Sterblichkeit waren.

Die Mitbetreuung durch einen Infektiologen erwies sich als unabhängiger Faktor für ein günstigeres Behandlungsergebnis. Dieser Effekt, der auf verbesserte Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle zurückzuführen ist, war nach früheren Untersuchungen aus den USA und der Schweiz vermutet, jedoch bisher nicht sicher nachgewiesen worden. Die Ergebnisse der Studie wurden im Oktober 2009 im Journal of Infection veröffentlicht und inzwischen von einigen anderen Arbeitsgruppen in ähnlicher Weise bestätigt.

Auszeichnung für Heidelberger Virologen

Professor Dr. Oliver Keppler und Dr. Christine Goffinet aus der Abteilung für Virologie (Leiter: Professor Dr. Hans-Georg Kräusslich) des Universitätsklinikums Heidelberg erhielten den Wolfgang-Stille-Preis für ihre Forschung zu Medikamenten gegen AIDS.

Den beiden Forschern und ihren Mitarbeitern ist es gelungen, Wirkmechanismen eines Medikaments gegen die HIV-Infektion beim Menschen in einem von ihnen entwickelten transgenen Rattenmodell zu zeigen. Die Ergebnisse der Studie wurden im August 2009 im Journal of Virology veröffentlicht.

Die Entwicklung und Charakterisierung neuer therapeutischer Strategien gegen HIV stellt eine der wichtigsten Herausforderungen im Bereich der Infektionsforschung dar. Klinische Studien an HIV-Patienten mit den seit 2007 zugelassenen HIV-Integrase-Inhibitoren zeigten, dass diese Medikamente sehr wirksam sind. Wie sie das Virus effektiv bekämpfen, ist jedoch weitgehend unbekannt.

Um dies zu untersuchen, nutzten die Heidelberger Forscher das von ihnen entwickelte transgene Kleintiermodell: Normalerweise ist HIV für Ratten nicht infektiös. Die Wissenschaftler brachten deshalb Gene des Menschen in das Erbgut von Ratten ein, die eine HIV-Infektion dieser Nager ermöglichen. Die Viren befallen Körperzellen, um sich in ihnen zu vermehren. Ein wichtiger Schritt in diesem Vermehrungszyklus ist der Einbau der Virus-DNA in das Erbgut der Wirtszelle.

Die Preisträger konnten zusammen mit Wissenschaftlern von GlaxoSmithKline unter anderem zeigen, dass die orale Behandlung der Ratten mit dem HIV-Integrase-Inhibitor diesen Einbau fast vollständig hemmt. Dieser direkte Nachweis konnte bisher in HIV-infizierten Patienten noch nicht erbracht werden.

In ihrer Studie konnte das Heidelberger Forscherteam außerdem detaillierte pharmakologische und virologische Daten gewinnen. Mit Hilfe dieser Daten können die pharmakologischen Eigenschaften eines Wirkstoffs im lebenden Organismus genauer vorhergesagt werden - ein wichtiger Schritt hin zum besseren Verständnis darüber, wie ein Medikament gegen HIV wirkt.

Über den Preis:

Der von Pfizer Pharma Deutschland gestiftete Preis erinnert an den Infektiologen und früheren Vorsitzenden der PEG, Professor Dr. Wolfgang Stille (1935-2004). Die Preisverleihung fand im Rahmen der 22. Jahrestagung der PEG am 7. Oktober 2010 in Bonn statt. Die PEG würdigt mit dem alle zwei Jahre verliehenen Preis herausragende Forschungsarbeiten auf den Gebieten der klinischen Infektiologie und Medizinischen Mikrobiologie.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/preisgekroente-infektionsforscher-aus-baden-wuerttemberg