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„Schlaues Pflaster“ beim Wettbewerb „Land der Ideen“ ausgezeichnet

Ein in Mannheim entwickeltes Verfahren, das mit Hilfe von Lichtsignalen die Organfunktion misst, ist jetzt in Stuttgart beim Wettbewerb „Land der Ideen“ in der Kategorie „Wissenschaft“ ausgezeichnet worden. Vorstellen lässt sich dieses Verfahren als ein auf die Haut aufgeklebtes Pflaster, das die Konzentration eines zuvor injizierten Diagnostikums ermittelt. Ministerpräsident Winfried Kretschmann empfing die 48 baden-württembergischen Preisträger des Wettbewerbs am 15. Juli 2011 im Neuen Schloss in Stuttgart.

Wissen, was im Körper passiert, aber kein Blut dafür abnehmen zu müssen: Dies soll zukünftig eine Pflaster-ähnliche Apparatur ermöglichen, deren Lichtsignal im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht. © UMM, Rinderspacher

An dem Projekt „Schlaues Pflaster“ sind Ärzte und Naturwissenschaftler mehrerer Forschungseinrichtungen gemeinsam mit Experten der Unternehmensgruppe Freudenberg und der Mektec Europe beteiligt. Federführend ist das Institut für Medizintechnologie (IMT), eine Einrichtung der Universität Heidelberg und der Hochschule Mannheim. Geleitet werden die Arbeiten von Professor Dr. Norbert Gretz, dem Leiter des Zentrums für Medizinische Forschung an der Universitätsmedizin Mannheim (UMM). Eine besondere Bedeutung bekommt das „schlaue Pflaster“ durch die Perspektiven, die es der Medizin und der Wissenschaft eröffnet: Es handelt sich um das, was Forscher als Plattformtechnologie bezeichnen. Also um eine Technologie, die sich unkompliziert auf weitere Anwendungsbereiche übertragen lässt.

Im Rahmen des EU-geförderten Projekts PLACE-it hatten sich die Forscher zunächst mit der Funktion der Niere beschäftigt – ein Thema von großer Bedeutung in Anbetracht der ständig steigenden Zahl an Diabetikern. Die Funktion eines ausscheidenden Organs zu überprüfen, folgt in der Medizin einem simpel erscheinenden Prinzip: Eine Substanz wird in den Blutkreislauf gegeben, anschließende Blutentnahmen liefern Informationen darüber, wie viel dieser Substanz noch nicht erfolgreich ausgeschieden wurde. Der Nachteil: Besonders aussagekräftige Ergebnisse erfordern dicht aufeinander folgende Messergebnisse – und damit Blutentnahmen. Hier setzt die Neuentwicklung an. Auch sie basiert darauf, dass ein Organ eine Substanz aus dem Körper entfernt; gelingt das in einem erwarteten Zeitraum, spricht dies für ein voll funktionsfähiges Organ. Um die Ausscheidung zu messen, wird zunächst ein gesundheitlich völlig unbedenklicher Marker einmalig injiziert, der sich daraufhin im ganzen Körper verteilt: Fruchtzuckerketten, die mit einem Fluoreszenz-Farbstoff optisch erkennbar werden.

Das auf die Haut aufgebrachte „intelligente“ Pflaster sendet nun über eine Leuchtdiode in regelmäßigen, kurzen Abständen ein Lichtsignal. Die ebenfalls optische Rückmeldung aus dem Körpergewebe wird von einer Photodiode empfangen und mit einem Sender, der in die Elektronik des Pflasters eingebaut ist, an einen PC übertragen – je stärker diese Rückmeldung, desto mehr Kontrollsubstanz ist noch nicht eliminiert. Ergebnis ist eine detaillierte Verlaufsgrafik der Organfunktion, basierend auf der „lichttechnischen“ Kommunikation zwischen der Leiterplatte im Pflaster und dem Marker im Körpergewebe.

Kretschmann empfängt Baden-Württembergs Innovationspreisträger 2011

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (1. Reihe, Mitte) mit den baden-württembergischen Preisträgern im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ © Staatsministerium

Das „Schlaue Pflaster“ zählt zu den 48 Preisträgern aus Baden-Württemberg im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“, die Ministerpräsident Winfried Kretschmann am 15. Juli 2011 im Neuen Schloss in Stuttgart empfing. „Die Preisträger im Wettbewerb ‚365 Orte im Land der Ideen‘ haben sich allesamt durch besonders innovative und zukunftsweisende Projekte hervorgetan. Sie stehen mit ihren Ideen und Projekten exemplarisch für die Innovationskraft und das Engagement im Land“, sagte der Ministerpräsident und unterstrich: „Die Preisträger machen deutlich, dass die Politik gut beraten ist, wenn sie mehr auf die Impulse aus der Zivilgesellschaft hört, auf neue Ideen aus Vereinen und Kultureinrichtungen, aus Schulen und Kommunen, aus Wissenschaft und Wirtschaft. Denn die guten Ideen von heute haben das Potenzial, die Wirklichkeit von morgen zu formen“.

v.l.n.r.: Rainer Grähling (Deutsche Bank), Ariane Derks (Deutschland – Land der Ideen) und Ministerpräsident Winfried Kretschmann © Staatsministerium

Zu den ausgezeichneten Ideen zählen außerdem der Elektromotorsegler „Windreich Arcus E“ in der Kategorie Umwelt oder die aktive Kühlkleidung „E.Cooline“ in der Kategorie Wirtschaft. Das Klaus-Tschira-Kompetenzzentrum für digitale Geomedien als außerschulischer Lernort für Schüler, Lehrer und Familien ist einer der Preisträger in der Kategorie Bildung. „Preisträger im Wettbewerb ‚365 Orte im Land der Ideen‘ zu sein, ist ein Qualitätsmerkmal in allen Bereichen. Mit großem Engagement und Leidenschaft machen die ‚Ausgewählten Orte‘ aus Baden-Württemberg Innovationen sichtbar und geben wichtige Impulse für unsere Zukunft. Wir freuen uns, die vielfältigen Preisträger in diesem Jahr auszuzeichnen“, gratulierte Rainer Grähling von der Deutschen Bank. Ariane Derks, Geschäftsführerin von „Deutschland – Land der Ideen“ betonte: „Die 48 prämierten Ideen und Projekte sind der lebendige Beweis für den Ideenreichtum in Baden-Württemberg.“

Die ausgezeichneten Projekte aus Baden-Württemberg in den verschiedenen Kategorien Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft, Umwelt, Kultur und Gesellschaft finden Sie über den Link oben rechts.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/schlaues-pflaster-beim-wettbewerb-land-der-ideen-ausgezeichnet