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Schölly Fiberoptik in Denzlingen

Zurzeit geht das Wachstum fast ein bisschen zu schnell. Die Schölly Fiberoptic GmbH aus Denzlingen hat seit Jahren rasant steigende Umsätze. Ihre Lösungen im Bereich der Endoskopie bietet sie inzwischen auf dem ganzen Globus an. "2008 ist ein Rekordjahr, momentan kommen wir kaum hinterher", freut sich Geschäftsführer Werner Schölly. Auch für die Zukunft ist er optimistisch, trotz Finanzkrise. Und die Endoskopie sieht er in Zukunft die Grenzen der bloßen Bildgebung überschreiten.

Ein Arzt kann mit Hilfe eines Endoskops tief in den Körper hinein sehen (hier in den Bauchraum) © Schölly Fiberoptic GmbH
Fast in jeden Winkel des Körpers kann ein endoskopisch operierender Chirurg heutzutage hineinschauen, ohne das Gewebe zu schädigen. Dem Urologen bleibt mit einem Endoskop selten ein Stückchen Tumor in den Winkeln der Prostata verborgen, der Ophthalmologe bekommt sogar Einblick in Tränenkanäle des Auges, deren Durchmesser kleiner als ein Millimeter ist. Und in manchen Fällen führt der Arzt eine Operation nicht einmal mehr in der Nähe des Patienten durch, sondern sitzt an einem Bildschirm und hat einen Joystick in der Hand, über den er einen Roboter steuert.

Vor dreißig Jahren hat die Firma in Denzlingen bei Freiburg begonnen, Systeme für die Industrie zu bauen, die es ermöglichen, in die kleinsten Winkel von Bauteilen hineinzublicken. Heute bietet die Schölly Fiberoptic GmbH mannigfaltige Lösungen auch im medizinisch-technischen Bereich an. Und das nicht nur in Deutschland, sondern ebenso in den USA, Asien oder Südamerika. In den letzten fünf Jahren verdoppelte sie ihren Umsatz auf 44 Millionen Euro im Jahr. Weltweit beschäftigt sie heute etwa 500 Mitarbeiter, davon rund 250 am Heimatstandort Denzlingen. „Uns geht es momentan sehr gut“, sagt Geschäftsführer Werner Schölly. „Und wir wachsen momentan immer weiter.“

Zwischen Küche, Esszimmer und Büro

Dabei fing alles sehr klein an, als Werner und Regula Schölly 1977 aus der Schweiz nach Deutschland kamen. Die Ehepartner hatten eine in Hessen angesiedelte Schweizer Firma zum Aufbau übernommen, aber die Region um Freiburg gefiel ihnen besser, also mieteten sie sich in einer Wohnung in Denzlingen ein. Zwischen Küche, Esszimmer und Büro klebten sie gemeinsam mit einer einzigen Mitarbeiterin die ersten Lichtleiterkabel zusammen. Mit Materialien von regionalen Herstellern produzierten sie bald mikrooptische Geräte, mit denen industrielle Fertiger in schmale Öffnungen und in versteckte Winkel ihrer Bauteile prüfend hineinsehen konnten. Bereits 1980 zog die Schölly Fiberoptic GmbH - damals noch unter einem anderen Firmennamen - in ihre erste Werkhalle. 1985 ging dann die erste Serie von medizinischen Endoskopen in die Produktion, unter Beteiligung von inzwischen rund 20 Mitarbeitern. Heute verfügt das Stammwerk in Südbaden über drei Werkhallen, eine vierte wird demnächst für die zukünftigen Bedürfnisse umgebaut. Weltweit gehören rund 13 Joint Ventures zu dem Unternehmen, etwa in den USA, in Asien, Osteuropa und seit Neuestem auch in Brasilien. Eine enge Zusammenarbeit mit der Aesculap AG in Neurochirurgie und minimalinvasiver Chirurgie führte 1998 zu einer Beteiligung des Tuttlinger Unternehmens an der Schölly Fiberoptic GmbH. „Der medizinisch-technische Markt macht heute rund 85 Prozent des Umsatzes aus“, sagt Schölly.
Blaue Weltkarte mit den Standorten der Firma Schölly Fiberoptic
© Schölly Fiberoptic GmbH
Eine große Familie: die Schölly Fiberoptic GmbH ist weltweit vertreten. (Grün = Produktionsstandort, Gelb = Schölly Vertriebszentrum, Rot = Schölly-Service-Center) (Abbildung: Schölly Fiberoptic GmbH)
Der Aufbau eines medizinischen Endoskops ist ganz und gar nicht trivial. Es besteht aus einem Schaft, in dem zur Beleuchtung des Operationsfeldes faseroptische Elemente eingebracht sind. Im Inneren des Schafts befindet sich auch ein optisches System, bestehend aus Objektiv, Relais-Linsen und Okular, das das Objektabbild erzeugt. An das Okular, durch das früher der Arzt mit dem Auge in den Körper hineinblickte, werden heute hoch auflösende Kamerasysteme angeschlossen, die das Bild auf einem Monitor darstellen. Aus rund 200 genau aufeinander abgestimmten mechanischen und optischen Einzelteilen besteht ein Endoskop, die Linsen müssen sehr präzise gefertigt und mechanisch genau positioniert werden. So misst das dünnste Gerät der Schölly Fiberoptic GmbH gerade mal 0,35 mm im Durchmesser. Inzwischen gibt es auch Geräte mit zwei Linsensystemen, die die Erzeugung eines echten 3-D-Bildes ermöglichen. „Außerdem werden Endoskope immer wieder bei neuen Patienten benutzt“, sagt Dr. Volkmar Freystein, der für Entwicklung und Konstruktion zuständige Geschäftsleiter. „Unsere Außengehäuse bestehen deshalb aus biokompatiblem Edelstahl und halten mindestens 500 Sterilisationsdurchläufe unter extremem Dampfdruck aus.“ Diese Qualität stellt die Schölly Fiberoptic GmbH in genau reglementierten und validierten Testverfahren sicher.

Die Zukunft der Endoskopie

Die Schölly Fiberoptic GmbH bietet ihren Kunden auch Gesamtlösungen aus Endoskop, Kameras, Lichtquelle und Monitor an. © Schölly Fiberoptic GmbH
Ihren Kunden - zumeist Firmen, die selbst Produkte im medizinisch-technischen Bereich herstellen - bieten die Spezialisten aus Denzlingen maßgeschneiderte Gesamtlösungen an. Dazu gehören modular kombinierbare Einzelteile für Endoskope, Lampen, Kameras und Bildschirme. Auch die Reparatur und Beratung übernehmen die Techniker der Schölly Fiberoptic GmbH, und das weltweit. Hierzu stehen 18 selbstständige Service-Einrichtungen auf dem ganzen Globus bereit, die regelmäßig von Denzlinger Experten geschult und kontrolliert werden. Das alles verschafft dem Unternehmen momentan ein brummendes Geschäft. „Ich wünsche mir momentan wieder ein bisschen mehr Zeit, neue Ideen zu verfolgen“, sagt Werner Schölly. Vor allem im Bereich des „Drug Delivery“ sieht er einen zukünftigen Markt. Bald kann ein Onkologe vielleicht mit Hilfe eines extra mit einer Kanüle bestückten Endoskops in der Prostata oder im Gehirn einen Tumor aufspüren und lokal begrenzt ein konzentriertes Medikament applizieren. Das würde die heutige Chemotherapie revolutionieren. Sowohl was den sparsamen Einsatz knapper Wirkstoffe als auch die Verträglichkeit für die Patienten anbelangt.

mn – 17.11.08
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH

Weitere Informationen zum Beitrag:
Werner Schölly, Geschäftsführer
SCHÖLLY FIBEROPTIC GMBH
Robert Bosch Straße 1 - 3
79211 Denzlingen
Tel.: ++49 (0)7666/908-126
E-Mail:

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/schoelly-fiberoptik-in-denzlingen