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Schonende Operationen mit weniger Komplikationen

Weniger Komplikationen wie Inkontinenz und Impotenz, ein kurzer Aufenthalt in der Klinik und selten Bluttransfusionen: Das ist die Bilanz der Operationsserie mit der computerunterstützten Operationstechnik mit dem "DaVinci"-Roboter in der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg. Eine klinische Studie soll nun ein neues Operations-Verfahren zum optimierten Erhalt der Kontinenz untersuchen.

Die "DaVinci"-Technik steht für höchste Präzision und schonende, nebenwirkungsarme Operationen. Die Urologische Universitätsklinik Heidelberg hat das Verfahren bereits 2004 erfolgreich etabliert und ist eines der europäischen Kompetenzzentren. 500 Patienten wurden hier seitdem mit Hilfe des Roboters erfolgreich behandelt. Primäres Einsatzgebiet sind Prostataentfernungen, die Urologen benutzen "DaVinci" aber auch für Eingriffe an Blase, Nieren und Samenleitern.

Europäisches Kompetenzzentrum für Ausbildung

Bisher wurden in Heidelberg 400 totale Prostataentfernungen mit dem "DaVinci" durchgeführt. Die Heidelberger Urologen können damit in Deutschland die längste Erfahrung mit dieser Methode vorweisen. "Die "DaVinci"-Operationstechnik ist hier ein integraler Bestandteil der klinischen Ausbildung für unsere Ärzte", so Professor Dr. Markus Hohenfellner, Ärztlicher Direktor der Urologischen Universitätsklinik. "Die Klinik ist außerdem eines der europäischen Kompetenzzentren, in dem Operateure aus anderen nationalen und internationalen Kliniken ausgebildet werden." Sieben Operateure der eigenen Klinik sowie 15 Operateure von extern sind im Umgang mit der neuen Technik geschult worden.

Entscheidend für die Bewahrung von Kontinenz und Potenz ist vor allem der Erhalt der Nerven. Von den robotischen Prostatakrebsoperationen wurden in Heidelberg 75 Prozent nervenerhaltend durchgeführt. Die Operationsdauer betrug 120 bis 150 Minuten und die Patienten waren durchschnittlich 5 Tage im Krankenhaus (zwischen 3 und 8 Tagen). Durch die Operationstechnik wird eine Kontinenzrate von 95 Prozent erreicht. Blutersatzprodukte mussten nur bei 2 Prozent der Patienten verabreicht werden. Der Wechsel zur konventionellen Schnittoperation war bei weniger als 1 Prozent der Operationen nötig.

Wie funktioniert der "DaVinci"-Roboter?

Der Heidelberger Operationsroboter DaVinci in Aktion. Unten rechts: Präzise und schonende Operationstechnik durch feine Geräte. © Universitätsklinikum Heidelberg

"DaVinci" ist kein selbstständiger Roboter, sondern nur der Übermittler, der die Bewegungen des Chirurgen an der Bedienkonsole in präzise Aktionen der Operationsinstrumente im Bauch des Patienten umsetzt. Dabei rechnet der Computer relativ große Handbewegungen in minimale Positionsänderungen der Instrumente um und ermöglicht so ein exaktes Vorgehen. "DaVinci" hat drei Arme: einer hält die Kamera, zwei halten die Operationsinstrumente, die - wie bei der normalen Bauchspiegelung - durch kleine Schnitte in der Bauchdecke eingeführt werden. Der Operateur kann mit der Kamera das Operationsgebiet vergrößern und sogar ein wenig um die Ecke sehen.

Welche Vorteile hat das Verfahren?

Der Roboter ermöglicht es dem Chirurgen trotz "Schlüssellochchirurgie" fast so zu arbeiten, als hätte er die Bauchhöhle mit einem großen Schnitt eröffnet. Er erhält ein dreidimensionales Bild und kann die Instrumente wie seine eigenen Hände bewegen. Das Verfahren kombiniert die Vorteile der offenen Operation mit denen des minimalinvasiven Vorgehens: minimaler Blutverlust, schnelle Erholung des Patienten, weniger Schmerzen und ein gutes kosmetisches Ergebnis. Außerdem können kleine Blutgefäße und Nerven, wie z.B. die Erektionsnerven bei potenzerhaltenden Operationen, exakt geschont werden. Einziger Nachteil sind die enorm hohen Anschaffungskosten: Das Gerät kostet etwa 1,6 Millionen Euro.

Studie zur blasenhalserhaltenden Technik bei totaler Prostataentfernung

Leidet der Patient an einem Prostatatumor, muss die Prostata meist entfernt werden. Direkt nach der Operation kommt es bei vielen Patienten zu unfreiwilligem Harnabgang, sie sind vorübergehend inkontinent. Bei Risikopatienten kann diese Harninkontinenz sogar bestehen bleiben. Die Heidelberger Urologen haben eine sogenannte "blasenhalserhaltende" Operationstechnik entwickelt, bei der nicht nur der äußere, sondern auch der innere Schließmuskel der Blase erhalten bleibt.

"Wir erwarten, dass die Patienten den Urin früher wieder halten können, und es weniger bleibende Harninkontinenzen geben wird", erklärt Dr. Joanne Nyarangi-Dix, Studienleiterin und Ärztin an der Urologischen Universitätsklinik. "Die Studie soll nun klären, ob die "DaVinci"-Technik dazu beitragen kann, die Blasenkontrolle nach radikaler Prostataentfernung weiter zu verbessern."

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/schonende-operationen-mit-weniger-komplikationen