zum Inhalt springen
Powered by

Sehen dank Chips: Erfinder geehrt

Der Direktor des Forschungsinstituts für Augenheilkunde an der Universität Tübingen, Prof. Dr. med. Eberhart Zrenner, erhält am 18. Dezember 2009 in der Münchener Residenz den Karl Heinz Beckurts-Preis 2009. Damit werden die Verdienste Prof. Zrenners sowie seiner Partner und Mitarbeiter um die Erforschung der wissenschaftlichen Grundlagen von Netzhautimplantaten und deren technische Umsetzung gewürdigt. Diese mit Kamera-Chips ausgestatteten Implantate sollen blinden Menschen wieder zum Sehen verhelfen.

Der Preisträger Prof. Eberhart Zrenner © Retina Implant

Im Gedenken an den 1986 einem Terroranschlag zum Opfer gefallenen Siemens-Vorstand vergibt die Karl Heinz Beckurts-Stiftung jährlich bis zu drei Preise. Die mit jeweils 30.000 Euro dotierten Auszeichnungen würdigen herausragende wissenschaftliche und technische Leistungen, die beispielhaft die Brücke von der Grundlagenforschung in die industrielle Anwendung schlagen.

Der Preisträger Prof. Eberhart Zrenner (64) ist seit 1988 Professor für Augenheilkunde an der Tübinger Universitätsklinik und ein weltweit anerkannter Fachmann für die „elektrischen" Vorgänge im Auge, insbesondere im Hinblick auf degenerative Erkrankungen der Netzhaut. Als Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der ProRetina Deutschland berät er diese Selbsthilfeorganisation seit vielen Jahren in Forschungsfragen.

Im Jahr 1995 kam er aufgrund seiner Kenntnisse der Elektrophysiologie des Sehvorgangs zu der entscheidenden Erkenntnis, dass nur ein Kamera-Chip, der subretinal (unter die Netzhaut) eingesetzt wird, praktisch verwertbare Sehergebnisse liefern kann. Dieser grundlegende Gedanke stieß in der Fachwelt zunächst auf Ablehnung. Prof. Zrenner gelang es jedoch, Partner aus anderen Fachgebieten zu einer Zusammenarbeit zu motivieren. Unterstützt von der Kerstan-Stiftung und ProRetina begannen erste Untersuchungen. Ein umfangreiches Verbundprojekt wurde formuliert - und erhielt eine Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Über Jahre hinweg leitete er dieses komplexe Projekt, an dem viele verschiedene Forschungseinrichtungen beteiligt waren.

Da es ihm nicht gelang, die deutsche Industrie für das Vorhaben zu begeistern, entschloss er sich, gemeinsam mit Partnern die Retina Implant AG zu gründen und selbst den Aufsichtsratsvorsitz zu übernehmen. Das neue Unternehmen gewann sofort den mit 30.000 Euro dotierten Businessplan-Wettbewerb GeneStart biotech Award des Landes Baden-Württemberg. Um die benötigten Risikokapitalgeber zu interessieren, waren zahlreiche Präsentationen erforderlich, an denen Prof. Zrenner selbst teilnahm.

Mit Kapital mehrerer Business Angels und der Stadt Reutlingen konnte schließlich die klinische Pilotstudie begonnen werden. Der entscheidende Durchbruch gelang im Herbst 2005: Erste Implantationen gelangen, der Sehchip funktionierte. Dies führte im Jahr 2006 zur Beteiligung der Mediplan GmbH, die es ermöglichte, das Vorhaben auf wesentlich breiterer Basis voranzutreiben. Die ersten Ergebnisse wurden 2007 im Rahmen einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorgestellt; die Informationen fanden ein enormes Echo und gelangten sogar in die abendlichen Hauptnachrichten des Fernsehens.

Professor Zrenner hat die klinische Pilotstudie so weit vorangetrieben, dass einzelne blinde Patienten in der Lage waren, Gegenstände des täglichen Lebens zu erkennen und sogar Buchstaben und Wörter zu lesen. Nach Meinung vieler Fachleute führt das von Prof. Zrenner geleitete Vorhaben damit weltweit das Rennen um den ersten Sehchip für Blinde an. In einer spontanen Reaktion betonte der Preisträger die Qualität des Teams, das diesen Erfolg ermöglicht hat. „Damit wird natürlich nicht nur eine Person ausgezeichnet, sondern die gesamte Mannschaft, die über viele Jahre hinweg an die Idee geglaubt und erfolgreich zusammengearbeitet hat", so Prof. Zrenner. Der Vorstandsvorsitzende der Retina Implant AG, Dr. Walter-G. Wrobel, sagt dazu: „Ich kenne niemanden, der den Preis so sehr verdient wie Prof. Zrenner. Wir alle freuen uns mit ihm, denn wir wissen, was wir an ihm haben."

Neben Prof. Zrenner ist Prof. Dr. Franz Giessibl vom Institut für experimentelle und angewandte Physik der Universität Regensburg weiterer Träger des Karl Heinz Beckurts-Preises 2009.

Die Karl Heinz Beckurts-Stiftung
Die Karl Heinz Beckurts-Stiftung wurde 1987 von der heutigen Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren gegründet, um den Forscher und Manager Karl Heinz Beckurts, der 1986 einem Terroranschlag zum Opfer gefallen ist, zu ehren und das Andenken an ihn wach zu halten. Forschungseinrichtungen und Unternehmen der Wirtschaft brachten gemeinsam die Mittel für eine Stiftung auf, die sich vor allem die Förderung der Partnerschaft zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zum Ziel gesetzt hat.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/sehen-dank-chips-erfinder-geehrt