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Stockert GmbH - Elektrische Skalpelle made in Freiburg

Ein Gehirntumor oder fehlerhafte Erregungsbahnen im Herzen – wie erreicht ein Arzt diese mit seinem Messer? Die Freiburger Firma Stockert GmbH bietet Lösungen im Hochfrequenzbereich. In den Kliniken der ganzen Welt finden sich ihre Geräte, die mit Hilfe von Kathetertechnik und Sonden Problemgewebe lokalisieren und elektrisch unschädlich machen können. Und auch bei den Verfahren zur lokalen Anästhesie setzen immer mehr Ärzte auf die Produkte des ständig wachsenden Freiburger Unternehmens.

Als der gelernte Elektroniker Rüdiger Stockert 1985 das Unternehmen „Stockert Elektronik Entwicklung“ gründete, war Freiburg das deutsche Mekka der Neurochirurgie. Zusammen mit den besten Ärzten Deutschlands entwickelte er das Neurochirurgiegerät Neuro N50. Gekoppelt an eine Sonde erlaubt dieses Gerät es, Gehirngewebe auf elektrische Anomalien hin zu untersuchen und diese genaustens zu lokalisieren. Aber der operierende Chirurg kann mit seiner Hilfe noch mehr: mikroskopisch kleine Gehirntumoren oder falsch verschaltete Nervenbahnen kann er durch Hochfrequenzströme zerschmelzen. Auf diese Weise unterbricht er zum Beispiel Verbindungen, die Epilepsie auslösen, und zwar sehr örtlich begrenzt, ohne das umliegende Gewebe zu schädigen. Eine solche Technologie erlaubt eine zukunftsweisende, minimalinvasive Chirurgie.

Ein großes Sortiment

Das Kardiologiegerät EP Shuttle mit Zubehör (Abbildung: Stockert GmbH)
1989 wurde aus dem Freiburger Unternehmen die Stockert GmbH. Sie beschäftigt heute etwa 50 Mitarbeiter mit steigender Tendenz und bietet eine breite Produktpalette im medizinisch-technischen Bereich an. „Operationen am Gehirn oder am Herzen und lokale Betäubungen werden in Deutschland heutzutage in 70 bis 80 Prozent der Fälle mit einem Gerät unserer Firma gemacht“, schätzt der Geschäftsführer Stockert. Das Sortiment ist inzwischen ausgeweitet auf Produkte für den Bereich Kardiologie und lokale Anästhesie. Mit dem Stockert EP Shuttle zum Beispiel kann ein Herzchirurg in Kombination mit einem Herzkatheter im Herz genau bestimmen, wo ein Kurzschluss in der elektrischen Aktivität des Organs liegt. Unter gleichzeitiger Verwendung moderner bildgebender Verfahren, die sich mit der Technologie kombinieren lassen, kann der Arzt den Grund für Herzrhythmusstörungen optisch sichtbar machen und mit Hilfe der Hochfrequenztechnik des EP Shuttle unschädlich machen. „Der Patient muss für diesen Eingriff keiner großen Operation unterzogen werden“, erklärt Stockert. „Theoretisch könnte er zwei Stunden später sogar nach Hause gehen.“
Ein Arzt benutzt das Gerät HNS12 für eine Lokalanästhesie (Abbildung: Stockert GmbH)
Auch im Bereich der Regionalanästhesie bietet die Firma Stockert GmbH innovative Lösungen. Bei diesem Narkoseverfahren versucht ein Arzt vor einer Operation, nur bestimmte Körperregionen schmerzunempfindlich zu machen. Mit dem Nervstimulator Stimuplex HNS12 aus dem Hause Stockert kann er mit Hilfe feinster Nadeln mit mikroskopisch kleinen punktförmigen Spitzen einzelne Nervenfasern (etwa im Arm oder im Bein) gezielt aufspüren. Das Gerät gibt einen schwachen Stromimpuls über die Nadel ins Gewebe ab. Nähert sich die Nadel dem Nerv, kontrahiert der Patient unkontrolliert einen Muskel. Hat der Chirurg den Nerv lokalisiert, kann er über eine an die Nadel angeschlossene Kanüle einen Tropfen Anästhetikum in die Nähe des Nervs spritzen und der zu operierende Bereich ist für eine kurze Zeit betäubt. Der Arzt kann die Menge des Anästhetikums sehr genau dosieren und schädigt das Gewebe dadurch nicht unnötig. Die Regionalanästhesie ist vor allem für ältere und vorgeschädigte Patienten von Vorteil, denn eine Vollnarkose stellt immer ein hohes Risiko dar.

Lieferungen in die ganze Welt

„Heute bieten wir acht verschiedene Großgeräte an, die den Bereich Kardiologie, Neurochirurgie und Lokalanästhesie abdecken“, sagt Dominika Schuler, die kaufmännische Leiterin und Prokuristin der Stockert GmbH. „Aber da kommt noch sehr viel Zubehör hinzu, etwa Schnittstellen zu Computern, Kabel oder Fernbedienungen.“ Etwa 5.000 Geräte wie das EP Shuttle, der Neuro N50 oder der HNS12 und 100.000 Zubehörteile verlassen jährlich den Firmensitz im Freiburger Industriegebiet Haid, sie gehen an Großhändler, die sie in die ganze Welt vertreiben. Die Freiburger Firma verfügt über Zulassungen für Europa, die USA, Brasilien, Kanada, Japan und China und liefert auch in alle anderen Länder in Afrika, Asien oder Südamerika, die keine eigenen Zulassungsbeschränkungen haben. Firmen wie B. Braun gehören zu den Großkunden, genauso der amerikanische Konzern Johnson & Johnson.

Ihre Technologie entwickeln die Mitarbeiter der Stockert GmbH ständig weiter, und das geschieht immer im Dialog mit den Kliniken und Universitäten. „Die Ärzte stoßen immer wieder auf Probleme bei Operationen“, sagt der Geschäftsführer Stockert. „Wir bieten dann die technischen Lösungen dazu.“ Außerdem offeriert das Unternehmen seinen Kunden Serviceleistungen wie Wartung oder Einführung in den Gebrauch der Geräte. Die Entwicklungen der Freiburger Techniker sind preisgekrönt. Für den Neuro N50 zum Beispiel gab es den Dr.-Rudolf-Eberle-Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg im Jahr 1988 und für das Kardiologiegerät EP Shuttle den Innovationspreis der Stadt Freiburg im Jahr 1998. „Im Dialog mit den Kliniken entwickeln wir auch weiterhin neue Produkte“, sagt Stockert. „Dabei wollen wir auf den Standort Deutschland nicht verzichten, schließlich geht es hier um Medizintechnik, und das erfordert höchste Qualität und Spitzentechnologie.“

mn – 05.08.08
© BIOPRO Baden-Württemberg GmbH

Weitere Informationen zum Beitrag:
Dominika Schuler
Business Manager
STOCKERT GmbH
Bötzinger Str. 72
79111 Freiburg
Tel.: +49-761-20716 12
Fax: +49-761-20716 20
E-Mail: DSchuler@stockert.de

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/stockert-gmbh-elektrische-skalpelle-made-in-freiburg