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Tablette statt Spritze: Freiburger Forscher will mit EU-Forschungsstipendium Impfung erleichtern

Damit ihre Forschungsergebnisse so schnell wie möglich den Weg auf den Markt finden, haben 33 EU-Stipendiaten zusätzliches Geld erhalten. Das gab der Europäische Forschungsrat (ERC) am 5. September 2012 bekannt. Mit den so genannten "Proof of Concept"-Stipendien in Höhe von bis zu 150 000 Euro will der ERC den Wissenschaftlern beispielsweise helfen, ihre Urheberrechte zu sichern, den Markt für ihre Forschungsergebnisse zu untersuchen oder Geschäftsmodelle auszuloten.

Einer der fünf deutschen Stipendiaten ist der Freiburger Biologe Prof. Dr. Wilfried Weber, der die Höchstsumme von 150 000 Euro erhält. Sein Forschungsprojekt soll den Patienten die Angst vor Impfungen nehmen und die Zahl der Arztbesuche reduzieren. Mit seinem ersten Stipendium in Höhe von 1,5 Millionen Euro, dem europäischen "Starting Grant", entwickelt der Forscher von der Universität Freiburg bereits seit 2010 eine neue Generation von Biomaterialien, die auf Signale aus der Umwelt reagieren und ihren Status auf der Grundlage von Computer-Signalen ändern können.

Das Team um Prof. Dr. Weber will nun einen Schritt weiter gehen: Durch die Injektion eines Impfstoff-Depots bei ersten Impfung wollen sie wiederholte Impfstoff-Injektionen ersetzen, die die Menschen normalerweise durchlaufen müssen, um ihre Immunität zu gewährleisten. Patienten würden einfach eine Tablette schlucken, die eine Substanz enthält, die den Impfstoff aus dem Depot freisetzt und dafür sorgt, dass sie weiter geschützt sind. Mit der Förderung will Prof. Weber in weiteren Versuchen testen, ob die Depots bei Impfungen gegen Hepatitis B oder gegen humane Papillomviren eingesetzt werden können, die beispielsweise Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Außerdem wollen die Forscher herausfinden, ob die Tabletten weniger Nebenwirkungen hervorrufen als Impfstoffe und den Erfolg der Erst-Impfungen erhöhen.

Außer Prof. Dr. Werner erhalten vier weitere Forscher aus Deutschland "Proof of Concept"-Stipendien: Prof. Dr. Martin Lohse von der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg, Dr. E. G. Werner Müller von der Johannes-Gutenberg Universität in Mainz, Prof. Dr. Sabine Schmidtke von der Freien Universität Berlin und Prof. Dr. Vasilis Ntziachristos von der Technischen Universität München. "Um in Europa wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir unsere besten Ideen auf den Markt bringen. Das "Proof of Concept" Stipendium will ERC-Stipendiaten helfen, das Potential ihrer Entdeckungen zu maximieren. Es ist gut für sie, für ihr Team und es ist gut für die europäische Wirtschaft", sagte die EU-Forschungskommissarin Máire Geoghegan-Quinn.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/tablette-statt-spritze-freiburger-forscher-will-mit-eu-forschungsstipendium-impfung-erleichtern