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Tragen adulte Stammzellen zu Heilung und Regeneration bei?

Die Baden-Württemberg Stiftung fördert zwei Ulmer Projekte zur Stammzellforschung mit insgesamt 1,3 Mio. Euro. Die Forscher versuchen zu klären, welchen Beitrag adulte Stammzellen zur Organregeneration und Wundheilung leisten können.

Konkret geht es um zwei Fragen: Karl Lenhard Rudolph, Leiter des Instituts für Molekulare Medizin am lebenswissenschaftlichen Zentrum der Universität Ulm, will wissen, warum sich die Leber nach einer Leberentzündung oder im Alter nicht mehr richtig regeneriert. Karin Scharffetter-Kochanek, Ärztliche Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie, will klären, warum die sogenannten „offenen Beine“ nicht heilen.

Durchbrechen mesenchymale Stammzellen die Entzündungsspirale?

Prof. Karin Scharffetter-Kochanek © UK Ulm

Die sogenannten „offenen Beine“, die der Mediziner chronisch-venöses Ulcus nennt, entstehen meist durch geschädigte Venenklappen. Das verbrauchte Blut wird nicht mehr richtig abtransportiert, der Blutdruck steigt in den Venen, die Gefäßwände werden angegriffen - es kommt zu Entzündungsreaktionen und offenen Wunden, die in 15 Prozent der Fälle nicht heilen. „Die Fresszellen (Makrophagen), die eigentlich die Entzündung bekämpfen sollen, sind überaktiviert und produzieren dabei unter anderem Stoffe, die die Bindegewebszellen so schädigen, dass diese sich nicht mehr teilen können – dieses Phänomen tritt auch durch Alterungsprozesse auf. „Ohne Zellteilung kann es aber keine Wundheilung geben“, erläutert Scharffetter-Kochanek die Vorgänge.

„Wir wollen in Zusammenarbeit mit dem Ulmer Institut für Transfusionsmedizin herausfinden, ob mesenchymale Stammzellen - das sind Vorläuferzellen zum Beispiel der Bindegewebszellen - die überaktivierten Immunzellen herunterregulieren und so den überschießenden Entzündungsprozess durchbrechen können“, erläutert Scharffetter- Kochanek den Forschungsansatz. Damit sollen grundlegende Mechanismen von Wundheilung und Alterungsprozessen ergründet werden.

Welche Gene machen Stammzellen träge?

Professor Dr. K. Lenhard Rudolph © Uni Ulm

Die Leber ist ein Organ, das sich normalerweise gut regeneriert. Nach einer Leberentzündung oder auch durch zunehmendes Alter ist diese Regenerationsfähigkeit eingeschränkt. Dies hängt unter anderem mit einer verminderten Aktivität der Stammzellen zusammen. Leibnizpreisträger Rudolph will in seinem Forschungsprojekt die molekularen Mechanismen identifizieren, die die Funktion von Stammzellen in Organen oder auch Muskeln und dem Gehirn hemmen.

„In einem Screening- Ansatz wollen wir herausfinden, welche Gene dafür verantwortlich sein könnten. Wir haben in Vorarbeiten bereits ein Gen identifiziert, das bei einer Schädigung der Erbinformation, beispielsweise in der DNA oder den Chromosomenenden, den sogenannten Telomeren, ein Eiweiß aktiviert, das wiederum die Funktion der Stammzellen stört“, erläutert Karl Lenhard Rudolph. „Diese Prozesse wollen wir noch besser verstehen und uns dann auf die Suche nach einem Wirkstoff machen, der dieses schädigende Eiweiß hemmen und so die Regeneration von Organ- oder Muskelzellen nach Krankheiten oder im Alter ermöglichen könnte“.

Die Forschungsgelder werden im Rahmen des Programms „Adulte Stammzellen 2009“ ausgegeben, in dem die Baden-Württemberg Stiftung an acht Standorten zehn Projekte über fünf Jahre mit über sechs Mio. Euro fördert.

Lückenlose Finanzierung durch Anschlussprogramm

Die Entwicklung von zellbasierten, regenerativen Therapien gehört zu den innovativsten Feldern der biomedizinischen Forschung. Diese Therapien nutzen das Potenzial von Stammzellen, um den Verlust von Organfunktionen zu beheben oder beschädigtes Gewebe zu ersetzen. Die Stammzellforschung ist damit für den in Baden-Württemberg stark vertreten Wirtschaftszweig der regenerativen Medizin sehr bedeutend, schreibt die landeseigene Stiftung.
In dem Vorläuferprogramm "Adulte Stammzellen" der Baden-Württemberg Stiftung seien vielversprechende Ergebnisse erzielt und Nachwuchswissenschaftler in die Hochschullandschaft des Landes integriert worden. Um diese Entwicklung weiter voranzutreiben und eine lückenlose Finanzierung im Land für Stammzellforschung zu gewährleisten, wurde das Programm "Adulte Stammzellen 2009" erneut ausgeschrieben.
Neben der reinen Grundlagenforschung wurde der Inhalt des Programms um die Erforschung sogenannter Tumorstammzellen sowie der Entwicklungsforschung zu zielgerichteten Therapieansätzen gegenüber dem Vorläuferprogramm erweitert. So werden unter Anderem die Stammzellalterung, die Selbsterhaltung von Tumorstammzellen, der Einfluss der hauteigenen Stammzellen auf die Wundheilung, aber auch die Regeneration neuronaler Stammzellen untersucht.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/tragen-adulte-stammzellen-zu-heilung-und-regeneration-bei