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Training für eine präzise Pränataldiagnostik

Bilder einer Ultraschall-Untersuchung richtig einordnen und interpretieren zu können, erfordert viel Übung. In der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg trainieren Ärzte nun an einem speziellen Ultraschallsimulator, Schwangere zu untersuchen und den Gesundheitszustand des ungeborenen Kindes präzise zu beurteilen. Die Finanzierung dieses innovativen Gerätes, der damit verbundenen Schulungen und wissenschaftlichen Begleitung hat die Dietmar Hopp Stiftung mit 300.000 Euro unterstützt. Ein besonderer Vorteil des Systems: Die Gynäkologen lernen durch die authentische Simulation auch seltene Krankheitsbilder sicher zu erkennen.

Wie sicher der Frauenarzt bei der Pränataldiagnostik aus den zweidimensionalen Schnittbildern, die das Ultraschallgerät liefert, Fehlbildungen und Erkrankungen eines ungeborenen Kindes erkennt, ist eine Frage der Erfahrung und des regelmäßigen Trainings. "Der Trainingsaufwand, um auch seltene Erkrankungen sicher diagnostizieren zu können, ist sehr hoch", erklärt Professor Dr. Christof Sohn, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg. "Doch häufig mangelt es gerade an den praktischen Übungsmöglichkeiten für Ärzte in der Aus- und Weiterbildung."

Ultraschall-Simulator schult Blick für seltene Erkrankungen ungeborener Kinder

Ultraschall-Simulator der Firma Sonofit GmbH © Universitätsklinikum Heidelberg

Abhilfe schafft der Ultraschall-Simulator, den die Firma Sonofit GmbH auf Initiative von Professor Dr. Christof Sohn und seinem Team entwickelte: Das Gerät besteht aus einer lebensgroßen Puppe und einem Computer mit Zugriff auf eine umfangreiche Datenbank mit Bildern und Befunden aus Gynäkologie, Pränatalmedizin sowie anderen medizinischen Fachbereichen.

Die Datenbank für Gynäkologie und Pränatalmedizin stellten Professor Sohn und Professor Dr. Alexander Scharf, Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, zusammen. Der Simulator ist in ein Schulungskonzept mit erfahrenen Tutoren und Übungseinheiten ähnlich einem Lehrbuch eingebunden. Wie im Praxisalltag weiß der Arzt bei der simulierten Untersuchung vorher nicht, welche medizinische Problematik ihn erwartet, und muss sich das richtige Vorgehen selbst erarbeiten. Dabei unterstützt ihn die Software des Systems und führt ihn schrittweise an die richtige Diagnose heran. Gleichzeitig trainiert er die Handhabung des Schallkopfes, die räumliche Umsetzung und medizinische Auswertung der Bilder.

Simulation ist Training mit realen Patienten gleichwertig

"Dieses Vorgehen erzielt einen besseren Lerneffekt als der klassische Frontalunterricht mit Dias oder Videos", erklärt Professor Sohn. "Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Simulation einem Training mit realen Patienten praktisch gleichwertig ist und das Wiedererkennen bestimmter Krankheitsbilder, anders als bei den konventionellen Ausbildungsmethoden, signifikant steigt."

Nach einer sehr erfolgreichen Pilot-Studie in Mecklenburg-Vorpommern hat sich die Frauenärztliche Bundesakademie in Deutschland bereits 2003 entschieden, bundesweit Intensivkurse mit diesem System unter Anleitung durch Tutoren anzubieten. "Die Resonanz auf die Kurse war bisher durchweg positiv", so Professor Sohn. 70 Prozent der Teilnehmer gaben in Fragebögen an, bereits im Grundkurs viel gelernt zu haben.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/training-fuer-eine-praezise-praenataldiagnostik