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Ulm zeichnet Adipositas-Forscher aus

Der Kinderarzt und Hormonforscher Martin Wabitsch hat den Wissenschaftspreis der Stadt Ulm erhalten. Der 45 Jahre alte Leiter der Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie im Universitätsklinikum Ulm erhielt den mit 5000 Euro dotierten Preis für seine Forschungsarbeit zu "Folgestörungen einer vermehrten Fettmasse im Kindesalter".

Der Adipositas-Forscher studierte in Berlin, Baltimore und Ulm und promovierte beim renommierten Mediziner und Ulmer Ex-Rektor Ernst Friedrich Pfeiffer. Wabitschs Forschungsgebiet ist das Fettgewebe mit seinen Hormon- und Stoffwechselaufgaben. Es zählt im Gefolge moderner Zivilisationskrankheiten wie Diabtes Typ2 zu den „großen Themen der Wissenschaft“.

Fettzellen sind klassische Drüsen

Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner (li) überreicht den Preis an Martin Wabitsch. (Foto: Uni Ulm)
Wabitsch untersuchte als einer der ersten Forscher die Regulation des Sättigungshormons Leptin, das Anfang der 90er Jahre entdeckt worden war. Seither seien mehr als 100 Hormone aufgespürt worden, die vom Fettgewebe produziert werden. Das hat nach Wabitschs Worten einen Wandel im wissenschaftlichen Verständnis der Fettzelle bewirkt, die nicht länger nur als Energiespeicher, sondern als „klassische Drüse“ verstanden wird, als hormonbildendes Organ, das zahlreiche hoch aktive Botenstoffe in die Blutbahn freigebe und mit vielen Organen kommuniziere.

Übergewicht in erster Linie biologisch reguliert

Die Erkenntnisse der Wissenschaft haben das Verständnis von Übergewicht völlig verändert. Das Körpergewicht sei primär biologisch reguliert, längst nicht so stark vom Willen abhängig wie bislang angenommen. Der kürzlich vorgestellte nationale Aktionsplan gegen das „Problem Übergewicht“ in Deutschland werde deshalb nicht ausreichen, befürchtet der Ulmer Mediziner. „Dazu sind die biologischen Grundlagen der Körpergewichtsregulation zu wenig berücksichtigt.“

Wabitschs Arbeitsgruppe versucht herauszufinden, was die Freisetzung von Stoffen aus den Fettzellen beeinflusst. Für die Regulation sind nach Wabitschs Erkenntnis offensichtlich mehrere Faktoren verantwortlich. „Bekannt ist bisher nur, dass die Zellen ihre Sekretion verändern, wenn sie gegen Insulin resistent werden“, berichtet er und ergänzt: „Bei Typ 2-Diabetes, der sich stets auf Grundlage einer Insulinresistenz entwickelt, ändern sich auch die Eigenschaften der Fettzellen.“ 

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