zum Inhalt springen
Powered by

Ulmer Spatz-Gesundheitsstudie will chronische Erkrankungen besser verstehen

An der Universität Ulm hat am 16. April 2012 eine bundesweit einmalige epidemiologische Studie begonnen, mit der verschiedene Einflussfaktoren während der Schwangerschaft und in der frühen Kindheit auf die gesundheitliche Entwicklung der Kinder erforscht werden sollen.

Die beteiligten Wissenschaftler, Dietrich Rothenbacher und Jon Genuneit vom Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie sowie Frank Reister, Leiter der Sektion Geburtshilfe der Universitätsfrauenklinik, werben bereits intensiv für eine Teilnahme an der so genannten Ulmer Spatz-Gesundheitsstudie und zwar bei Eltern, deren Kinder von diesem Tag an in der Universitätsfrauenklinik das Licht der Welt erblicken. „Wir wollen mit dieser Langzeitstudie die Ursachen von chronischen Erkrankungen bei Kindern besser verstehen, Allergien und Übergewicht zum Beispiel, aber auch von Asthma“, sagt Genuneit, Leiter des Forschungsvorhabens. Dessen Ziel sei es, über die Ermittlung der Ursachen frühzeitig Möglichkeiten der Krankheitsvorbeugung zu entwickeln.

Immer mehr chronische Erkrankungen

Projektleiter Dr. Jon Genuneit (2.v.r.) mit seinem Team (v.l.) Tatjana Nikitin, Larissa Thiel, Felix Grabherr, Rebecca Bornemann, Clarissa Ntomchukwu), das in der Frauenklinik erste Daten erheben soll. © Uniklinik Ulm

Genuneit erklärt, warum er diesen Ansatz für richtig hält: „Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Umweltfaktoren und andere Einflüsse in den von uns untersuchten Phasen Auswirkungen auf das sich entwickelnde Kind haben können, das Stillen etwa, die Zusammensetzung der Muttermilch, bestimmte Lebensgewohnheiten wie die Ernährung oder elterlicher Stress." Und diese Faktoren könnten schon frühzeitig die Weichen für die spätere Gesundheit im Kindes- und Erwachsenenalter stellen, das Risiko für chronische Erkrankungen wie Asthma, Allergien oder Übergewicht eingeschlossen. „Eben diese Erkrankungen erfahren derzeit immer noch eine besorgniserregende Zunahme", so Genuneit, der in Ulm und London studiert und bereits an mehreren großen internationalen Studien mitgewirkt hat.

Die neue Untersuchung knüpft an eine im Jahr 2000 begonnene und nach wie vor laufende Langzeitstudie an, mit der ebenfalls Mechanismen chronischer Erkrankungen erforscht werden, allerdings mit anderen Schwerpunkten. Einer der Initiatoren der Säuglingsstudie war seinerzeit Dietrich Rothenbacher. Die Vergleichbarkeit beider Studien ermöglicht nach Genuneits Einschätzung einige zusätzliche hoch interessante Fragestellungen: „Was ist in den zehn Jahren passiert? Was hat sich in der Zwischenzeit verändert?“, zum Beispiel. Unabhängig davon verleihe eine gemeinsame Betrachtung der Ergebnisse beiden Studien eine größere Aussagekraft.

Ziel: 1200 Neugeborene und deren Eltern in einem Jahr

Rund 1200 Neugeborene und ihre Eltern wollen die Wissenschaftler innerhalb eines Jahres in die neue Studie einbeziehen. Zunächst soll die Entwicklung der Kinder in den ersten fünf Lebensjahren beobachtet werden auf folgenden Gründen: „Während Neurodermitis beispielsweise bereits im Säuglingsalter auftritt, kann Asthma oft erst im Vorschulalter verlässlich diagnostiziert werden und Heuschnupfen entwickelt sich häufig erst im Kindesalter, obwohl die Ursachen bis in die vorgeburtliche Zeit zurückreichen können“, erklärt Jon Genuneit.

In die Studie einbezogen werden unter anderem ein erster Fragebogen mit Angaben zur Person, zu Vorerkrankungen und Lebensgewohnheiten, zudem so genannte Biomaterialien wie Blut, Muttermilch, Urin oder Haarproben und später auch Ergebnisse pädiatrischer Vorsorgeuntersuchungen. Natürlich ist die Teilnahme absolut freiwillig. „Die Proben werden ausschließlich zu wissenschaftlichen Zwecken verwendet und die Ergebnisse werden nur in vollkommen anonymisierter Form veröffentlicht“, versichert der Studienleiter und betont: „Alle Teilnehmenden helfen kommenden Generationen gesund zu leben.“

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/ulmer-spatz-gesundheitsstudie-will-chronische-erkrankungen-besser-verstehen