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Vaskuläre Biologie und Medizin in Mannheim

Mit Schwerpunkten in der Erforschung der molekularen Grundlagen der Angiogenese, der Signaltransduktion in den Endothelzellen und der Atherosklerose hält die Universitätsmedizin Mannheim eine Spitzenposition in der Gefäßforschung in Deutschland. Neue Ergebnisse auf diesen Gebieten wurden jetzt auf einem internationalen Symposium über „Vascular Differentiation and Remodeling“ vorgestellt.

Die besten Köpfe der Gefäßforschung aus Deutschland, dem europäischen Ausland und den USA waren bei einem internationalen Symposium versammelt, das am 29. und 30. September 2011 im Mannheimer Schloss stattfand, erklärte Professor Dr. Hellmut G. Augustin, als Sprecher des Sonderforschungsbereich/Transregio SFB-TR23 über „Vascular Differentiation and Remodeling“ zu dem Symposium eingeladen hatte. Professor Augustin ist Leiter des Forschungsbereichs Vaskuläre Biologie an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg und zugleich auch Leiter der Forschungsgruppe Vaskuläre Onkologie und Metastasierung sowie Sprecher der Forschungsschwerpunktes Zell- und Tumorbiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Prof. Dr. Hellmut Augustin © SPP 1190

Die Gefäßforschung in Deutschland konzentriert sich in der Rhein-Main-Neckar-Region. Neben dem SFB-TR23 („Vascular Differentiation and Remodeling") sind hier zwei weitere, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Forschungsverbünde angesiedelt, die gemeinsam mit dem SFB-TR23 zu dem Symposium eingeladen hatten: das internationale Graduiertenkolleg GRK880/3 („Vascular Medicine"; Sprecher: Prof. Dr. Hans-Peter Hammes, Mannheim) und der Sonderforschungsbereich SFB834 („Endothelial Signalling and Vascular Repair"; Sprecherin: Prof. Dr. Ingrid Fleming, Frankfurt).

Neubildung von Blutgefäßen

Eines der wichtigsten Themen der internationalen Gefäßforschung, das auch im Zentrum des Mannheimer Symposiums stand, ist die so genannte Angiogenese, die Neubildung der Blutgefäße. Sie spielt auch bei Krebserkrankungen eine entscheidende Rolle bei Krebserkrankungen. Blutgefäße sind sowohl für die Entwicklung als auch für die Ausbreitung eines Tumors essentiell: Sie dienen einerseits als Pipeline für Nährstoffe und Sauerstoff, andererseits können Tumore auf diesem Weg metastasieren, indem sich einzelne Krebszellen vom Tumorherd über das Gefäßsystem auf den Weg zu weiteren Organen machen, wo sie sich ansiedeln. Die Angiogenese ist außerdem ein wichtiger physiologischer Prozess, da sie während der Embryonalentwicklung für die Ausbildung des Blutgefäßsystems verantwortlich ist.

Bei der Tumorangiogenese stehen folgende Fragen im Mittelpunkt: Wie bewerkstelligt es der Tumor, dass Blutgefäße auf ihn zuwachsen, um ihn mit Nährstoffen zu versorgen? Wie schafft es eine einzelne Krebszelle, aus dem Blutstrom heraus sich an einer bestimmten Stelle der Gefäßinnenwand festzusetzen, das Gefäß zu durchdringen und sich im Gewebe anzusiedeln – wie findet sie ihre Nische?

Bekannt ist inzwischen, dass die Neubildung von Gefäßen durch wachstumsfördernde Substanzen stimuliert wird. Diese regen die Vermehrung von Endothelzellen, den Zellen der Gefäßwandung, an und sorgen auch dafür, dass sich die Zellen gerichtet fortbewegen. Tumore sind aktiv um ihr Wohl bemüht, indem sie selbst solche Substanzen bilden und somit dafür sorgen, dass sie an das Blutgefäßsystem angebunden werden. Die Mechanismen der Blutgefäßbildung sind im Embryo und im Tumor weitgehend identisch, nur dass die Vorgänge im Tumor unkontrolliert ablaufen und es dabei zu einer überschießenden Gefäßbildung kommt. Die Wissenschaftler können die frühe Entwicklung des Blutgefäßsystems in der Maus sowohl unter physiologischen als auch pathologischen Bedingungen untersuchen. Die aus dem Tiermodell gewonnenen Ergebnisse lassen sich auf die pathologischen Prozesse im Menschen übertragen.

Ein wichtiges Thema der Grundlagenforschung, das besonders im SFB 834 bearbeitet wird, ist die Signalweiterleitung in der Zelle, die einerseits dazu führt, Endothelzellen zur Zellteilung zu stimulieren, damit genügend Bausteine für die Gefäßbildung zur Verfügung stehen. Die Signalweiterleitung spielt aber auch eine wichtige Rolle, um die Endothelzellen zu einer gerichteten Wanderung anzuregen, die dazu führt, dass das Blutgefäß exakt in Richtung des Tumors wächst. Einen weiteren Schwerpunkt der internationalen Gefäßforschung und ein Hauptthema des GRK 880/3 über Vaskuläre Medizin stellt die Atherosklerose dar, die Gefäßverkalkung. Sie steht in engem Zusammenhang mit den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die zu den häufigsten Todesursachen zählen. Hier arbeiten die Wissenschaftler an der Entschlüsselung der molekularen Mechanismen der Krankheitsentstehung, um so die Grundlage für die Entwicklung neuer Therapien zur Behandlung von Ablagerungen in den Gefäßwänden zu entwickeln.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/vaskulaere-biologie-und-medizin-in-mannheim