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Warum werden Infektionen mit Hepatitis-Viren chronisch?

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat die Förderung einer neuen Forschergruppe an den Universitäten Freiburg und Heidelberg beschlossen. Ihr Ziel ist die Erforschung der Mechanismen der chronischen Virusinfektion: Wie schaffen es Hepatitis-Viren, sich der Immunabwehr zu entziehen, im Organismus zu überdauern und ihn zu schädigen?

Das Forschungsprojekt "Persistenzmechanismen hepatotroper Viren“, bei dem neuartige Zellkultursystemen zum Einsatz kommen, wird von der DFG mit über 400.000 Euro gefördert. Sprecher ist Professor Dr. Ralf Bartenschlager von der Uni Heidelberg. Sein Stellvertreter Professor Dr. Robert Thimme kommt aus Freiburg.

Mehr als 500 Millionen Menschen weltweit sind dauerhaft mit Hepatitis-B- oder -C-Viren infiziert. In Deutschland gibt es rund 500.000 chronisch infizierte Patienten. Sie haben ein hohes Risiko, an einem Leberzelltumor oder einem Umbau des Lebergewebes (Leberzirrhose) zu erkranken. Viele Patienten sterben an Leberversagen. Gegen Hepatitis B kann geimpft werden, gegen Hepatitis C dagegen nicht. Eine antivirale Therapie ist nur in Grenzen möglich und zudem sehr teuer.

Viren werden in einzigartigen Zellkultursystemen untersucht

Da es keine geeigneten Tiermodelle gibt, an denen man persistierende Infektionen untersuchen kann, sind die Wissenschaftler auf Zellkulturen angewiesen. Im Zusammenschluss mit den Freiburger Wissenschaftlern wurden bereits höchst effiziente Systeme entwickelt, in denen die Viren gezüchtet werden können. „Ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren ermöglicht den Viren die Persistenz. So viel ist bereits klar,“ erklärt Professor Robert Thimme, der kürzlich den Ruf auf die erste Heisenberg-Professur der Medizinischen Fakultät Freiburg annahm. „Es werden jedoch unterschiedliche Konzepte zu den molekularen Abläufen diskutiert. Diesen Theorien wollen wir in unseren sechs Teilprojekten nachgehen.“

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass ihre Forschungsergebnisse auch für andere persistierende Virusinfektionen Gültigkeit haben werden und langfristig zur Entwicklung neuer immuntherapeutischer Ansätze, wie z.B. einer HCV-Vakzine von Bedeutung sein könnten.

Grundlage für ein Kompetenzzentrum

In den Forschergruppen der DFG arbeiten Wissenschaftler interdisziplinär an einer speziellen wissenschaftlichen Fragestellung zusammen. Die Förderung von Forschergruppen ist meist auf sechs Jahre angelegt und stellt die notwendige personelle und materielle Ausstattung bereit. Sie trägt dazu bei, neue Arbeitsrichtungen zu etablieren.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/warum-werden-infektionen-mit-hepatitis-viren-chronisch