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Was treibt die Evolution an - Egoismus oder Kooperation?

Wird der Mensch in seinen Handlungen von Aggression oder von Empathie getrieben? Gibt es das „egoistische Gen“ oder sind die Gene nicht doch eher „kooperativ“? Warum besitzen wir Menschen noch Hunderte von Genen, die schon bei Einzellern vor Jahrmillionen existierten? Und wie kam es vor diesem Hintergrund des „eisernen Bestandes an konservierten Genen“ doch zur Entstehung neuer Arten?

Neuestes Buch von Prof. Joachim Bauer
All diese Fragen wurden von Professor Joachim Bauer, Arzt für Psychosomatische Medizin des Uniklinikums Freiburg in einem Rundfunkbeitrag der Reihe SWR2 Aula beantwortet. Basierend auf seinem neuesten Buch „Das kooperative Gen“, soeben erschienen bei Hoffmann & Campe, stellte Joachim Bauer gegensätzliche Thesen zur klassischen Sicht Charles Darwins auf, dem zu Folge allein das Zufallsprinzip Motor der Evolution ist. Und er widerspricht auch klar den Thesen von Richard Dawkins, wonach die Gene egoistisch und die Lebewesen von Genen gebaute egoistische Maschinen seien.
Dawkins habe mit seinem Weltbestseller „Das egoistische Gen“ ein bestimmtes Menschenbild propagiert unter dem Anschein von Wissenschaftlichkeit.

Bereits Charles Darwin begann vor knapp 150 Jahren damit ein anthropologisches Modell zu entwerfen und damit neben der Theologie und der Philosophie eine dritte Instanz, die Naturwissenschaften als Antwortgeber auf die Frage zu etablieren, warum der Mensch das ist, was er ist.

Egoistische Gene passend zur neoliberalen Weltwirtschaftsordnung

Dem stellt Bauer gegenüber: „Was Biologen über die Natur des Menschen sagen, das bleibt nicht ohne Auswirkungen. Menschenbilder sind weit mehr als Ansichtssache: Menschenbilder – unsere anthropologischen Überzeugungen also – bestimmen in hohem Maße, wie wir uns gegenüber anderen Menschen verhalten, vor allem aber, wie wir unser gesellschaftliches Zusammenleben organisieren.“ Und so passte eben auch die Sicht von den „egoistischen Maschinen“ sehr gut zur neoliberalen Weltwirtschaftsordnung, die so Bauer, „jahrelang als das zur Natur des Menschen angeblich ideal passende System gepriesen wurde.“

Standbein-Spielbein-Strategie der Evolution

Im weiteren Verlauf stellt Bauer eine andere Sicht der Evolution vor. Entscheidende neue Erkenntnis sei es, dass nicht nur die Gene für die Evolution wichtig sind, sondern auch die so genannten „Transposable Elements“. Durch Verdopplung von Genen, die zuvor besonders stark genutzt wurden und die gleichzeitige „eiserne Konservierung“ eines Großteils des Genoms konnten immer wieder neue Arten mit neuen Funktionen entstehen. Bauer nennt dies die „Standbein-Spielbein-Strategie“ der Evolution. Diese führte auch dazu, dass gerade bei den großen klimatischen Katastrophen der Erdgeschichte dem Massensterben an Arten ein genomischer Umbauschub folgte, der zur Entstehung neuer Arten führte.

Quelle: SWR2 Aula, Südwestrundfunk - November 2008
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/was-treibt-die-evolution-an-egoismus-oder-kooperation