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„Wissenschaft-trifft-Wirtschaft 2009" mit Rekordteilnehmerzahl und einem Nobelpreisträger

Bereits zum 5. Mal trafen sich Forscher und Unternehmer aus den Lebenswissenschaften zum Austausch beim "Wissenschaft-trifft-Wirtschaft-Tag" (WtW) an der Universität Konstanz. Die Erwartungen beim diesjährigen Meeting, das unter dem Zeichen "Gesundheitswirtschaft - von der Idee zum Produkt" stand, wurden mehr als übertroffen. Mit weit über 200 Unternehmern sowie ihren Kollegen aus der Forschung waren doppelt so viele Teilnehmer aus Deutschland, Schweiz und Österreich vertreten wie im vergangenen Jahr. Insbesondere die Experten-Diskussion über Perspektiven einer Krebsimpfung mit Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen sowie Forschern, Ärzten und Unternehmern aus Konstanz, Zürich und St. Gallen entfachte großes Interesse.

Weit über 200 Forscher und Unternehmer aus Deutschland, Schweiz und Österreich haben sich beim "WtW"-Tag 2009 an der Uni Konstanz zu innovativen Technologien für eine verbesserte Gesundheit ausgetauscht © Michael Statnik

"Guter Einfall da – aber wie geht’s weiter?" - Diese und andere Fragen rund um die Vernetzung von Gesundheitsforschung und -industrie in der internationalen Region Bodensee standen im Vordergrund des diesjährigen "Wissenschaft-trifft-Wirtschaft"-Tages an der Universität Konstanz, der zum 5. Mal vom seeübergreifenden Netzwerk für Lebenwissenschaften (Life Sciences) und Biotechnologie, BioLAGO e.V., ausgerichtet wurde. Insgesamt 15 Vorträge sowie genügend Raum und Zeit für anregende Gespräche boten Unternehmern sowie Forschern die Gelegenheit, ihre innovativen Projekte und Produkte zur Verbesserung unserer Gesundheit und Umwelt vorzustellen und mit potenziellen Kooperationspartner direkt in Kontakt zu treten.

Ein Gerät, um mehrere Personen im Schnellverfahren auf einen Krankenhauserreger zu testen oder hochmoderne Apparate zur Krankheitsvorsorge durch Erbgut-Entschlüsselung - die breitgefächerten Präsentationen der Life-Science-Akteure am Bodensee bewiesen erneut den ausgeprägten Forschergeist und die erfolgreiche Arbeit in der Region in zukunftsträchtigen Märkten.
Auf dem Programm stand aber auch die Vorstellung aktueller Kooperationen in der Region. Biochemiker Michael Przybylski informierte die Zuhörer über das angelaufene Projekt der Konstanzer Universität mit der dort ansässigen Firma Genzyme zur Entwicklung eines einfachen Bluttests für die vorbeugende Früherkennung lebensbedrohlicher Erbkrankheiten bei Neugeborenen. Tobias Ostler vom Institut für biopharmazeutische Forschung im schweizerischen Matzingen sprach über neueste Methoden der klinischen Analyse von u.a. Entzündungskrankheiten und berichtete über seine Erfahrungen als Angestellter in wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen.

Erfahrungen weitergeben, Unternehmergeist wecken

Highlight des diesjährigen "WtW"-Tages war die Teilnahme des Medizin-Nobelpreisträgers Harald zur Hausen, der über die neueste Erkenntnisse der Krebsforschung informierte und mit regionalen Forschern und Ärzten über die Perspektiven einer Krebsimpfung debattierte © Michael Statnik

Eines der Schwerpunktthemen waren Erfahrungsberichte und Praxistipps zum Thema Firmengründung. So gab Bioinformatiker Michael Berthold, der als Professor an der Uni Konstanz ein Unternehmen in Zürich aus der Hochschule ausgegründet hat, den Zuhörern mit auf den Weg, dass Expertenhilfe sowie Flexibilität bei den ersten Schritten als Unternehmer wertvoll seien. Sabine Lautenschläger, die kürzlich in Eriskirch bei Lindau ein Diagnostik-Labor eröffnete, betonte, wie nützlich Familie, Freunde aber auch Netzwerke für die Unternehmensgründung seien: "Über den Kontakt zu BioLAGO haben wir einen Teil unserer Laborausstattung wie z.B. Pipetten und Schüttler vom Konstanzer Großunternehmen Nycomed geschenkt bekommen", freute sich die Geschäftsführerin. Der Konstanzer Oberbürgermeister Horst Frank richtete sein Wort an die zahlreich anwesenden Studierenden sowie Nachwuchswissenschaftler und sprach ihnen Mut zu, "ein eigenes Unternehmen auf die Beine zu stellen". Gleichzeitig blickte er auf den Konstanzer-Kreuzlinger Unternehmertag im kommenden Jahr voraus, der zum Schwerpunkt "Innovatives Gesundheitsmanagement" stattfinden wird.

Mehr Kommunikation am Standort Bodensee erwünscht

Die Redner sprachen auch über Vorteile des Standorts Bodensee. "Wir haben bereits ein gutes Netzwerk hier vor Ort, pflegen den Kontakt zu Hochschulen, sind in Flughafennähe und können gut ausgebildete Kräfte akquirieren", sagte Klaus Haberstroh, Chef der Stockacher Medizintechnikfirma ESE GmbH. Unter vier Augen und in den informellen Gesprächen schlugen beim WtW-Tag anwesende Unternehmen aber auch andere Töne an und äußerten Verbesserungsbedarf. Man redet immer noch zu wenig miteinander, sagen Mitarbeiter kleinerer Unternehmen - innerhalb einer Kommune, im selben Bundesland bzw. Kanton. Manchen Orts wünscht man sich darüber hinaus einen Ruck durch Techtransfereinrichtungen. Sie sind dem einen oder anderen Jungunternehmer zu langsam und zu bürokratisch. Aus Sicht von Arzneimittel- und Diagnostikentwicklern ist die mangelnde Zusammenarbeit und die Abgrenzung zwischen Spitälern und Labors in Deutschland, Schweiz und Österreich noch eine Schwäche der Region. Ein grenzüberschreitendes, regionales Kliniknetzwerk am Bodensee wäre von Vorteil für die medizinischen Versorger, die Sponsoren klinischer Studien wie die Patienten, die sicherere, wirksamere und kostengünstigere Arzneimittel brauchen, hieß es.

Gipfeltreffen: Regionale Forscher debattieren mit Nobelpreisträger Harald zur Hausen

Die Panel-Diskutanten um Nobelpreisträger Harald zur Hausen (mitte) © Michael Statnik

Höhepunkt des diesjährigen trinationalen Meetings war das Mitwirken des letztjährigen Medizin-Nobelpreisträgers Harald zur Hausen vom Deutschen Krebsforschungszentrum, der in seinem Vortrag über die Rolle von Viren bei der Entstehung von Krebs informierte. Der 73-Jährige klärte darin über die Verbreitung verschiedener Krebsformen unter anderem in Entwicklungsländern auf und formulierte gleich zukünftige Ziele und Herausforderungen für Forschung, Industrie und Politik. "Für die Bekämpfung des global weit verbreiteten Gebärmutterhalskrebses brauchen wir sowohl eine Produktion finanzierbarer Impfstoffe wie auch die Entwicklung von weniger riskanten Darreichungsformen", so zur Hausen.

In einer anschließenden Gesprächsrunde mit Vertretern aus Wissenschaft, Medizin und Wirtschaft - darunter den Konstanzer Forschern Marcus Groettrup, Alexander Bürkle, Peter Öhlschläger sowie Alexander Knuth vom Züricher Universitätsspital, Thomas Cerny vom Kantonsspital St. Gallen, Thomas Kündig von der Dermatologische Klinik Zürich und Martin Bachmann vom Schweizer Biotech-Unternehmen Cytos - diskutierte Harald zur Hausen im prall gefüllten Hörsaal über verschiedene Ansätze zur Entwicklung eines vorbeugenden als auch therapeutischen Krebs-Impfstoffes, aber auch über dessen möglich Risiken und Nebenwirkungen. Einig waren sich die Akteure darüber, dass strenge behördliche Auflagen bestimmte versprechende Verfahren entweder verhindern oder die Entwicklungskosten in die Höhe treiben würden.

"Der Austausch mit den Kollegen hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich ihren Optimismus hinsichtlich einer möglichen therapeutischen Impfung nicht ganz teile", resümierte Harald zur Hausen, der 2008 für die Bestätigung seiner These, dass humane Papillomviren (DNA-Viren) eine Rolle bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs spielen, mit dem begehrten Nobelpreis ausgezeichnet wurde. In Bezug auf die Verzahnung von Forschung und Industrie sagte zur Hausen: "Bei gemeinsamen Projekten ist wichtig, dass sich die Wirtschaft über die Arbeit eines Wissenschaftlers gut informiert und ihm auch die nötige Zeit lässt, um seinen Untersuchungen in Ruhe nachgehen zu können".

Als zentraler Treffpunkt und Kooperationsbörse gilt der WtW-Tag als größtes Begegnungsforum für Wirtschaftsunternehmen und wissenschaftliche Institutionen am internationalen Bodensee, die auf den Gebieten Medizin(technik), Pharmazie, Diagnostik, Nahrungsmittel- und Umwelttechnologie tätig sind. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Initiative "grenzenlos denken" im "Jahr der Wissenschaft 2009" der Städte Konstanz und Kreuzlingen statt.

Der „WtW“-Tag 2009 wurde unterstützt durch: BIOPRO Baden-Württemberg, die Initiative "grenzenlos denken“ der Stadt Konstanz und Partnern im „Jahr der Wissenschaft 2009“, Landkreis Konstanz, Nycomed, Universität Konstanz, vhs Konstanz-Singen e.V., Technologie-Lizenzbüro Baden-Württemberg (TLB), Konstanz Research School Chemical Biology, Bodensee Standort Marketing GmbH, High-Tech Gründerfonds Management GmbH sowie Candor Bioscience GmbH.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/wissenschaft-trifft-wirtschaft-2009-mit-rekordteilnehmerzahl-und-einem-nobelpreistraeger