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Wissenschaft und Forschung alltagstauglich gemacht

Drei Gewinner des Wettbewerbs „Alltagstauglich?“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zum Wissenschaftsjahr 2009 kommen aus Baden-Württemberg. Wie prägen wissenschaftliche Erkenntnisse unser Leben? Dieser Frage sind Hochschulgruppen aus Freiburg und Hohenheim nachgegangen und haben originelle Projektideen für eine öffentlichkeitswirksame Vermittlung von wissenschaftlichen Themen besonders für Schüler und Schülerinnen entwickelt.

Dr. Annette Schavan eröffnet das Wissenschaftsjahr 2009. © Wissenschaftsjahr 2009 - Forschungsexpedition Deutschland

Vor dem Hintergrund 60 Jahre Gründung der Bundesrepublik Deutschland und 20 Jahre Mauerfall hat das BMBF zusammen mit weiteren Partnern das „Wissenschaftsjahr 2009 – Forschungsexpedition Deutschland“ initiiert. Eine Vielzahl an Veranstaltungen, Aktivitäten und Wettbewerben in 2009 sollen den Austausch und das Gespräch zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit anregen. Ein Baustein des Wissenschaftsjahres ist der Wettbewerb „Alltagstauglich?“. Hochschulen waren aufgerufen, Ideen zu entwickeln, wie die Bedeutung und der Einfluss von Wissenschaft und Forschung auf den Alltag vor allem Schülern und Schülerinnen nahe gebracht werden können.

Schatzsuche im Botanischen Garten

Einer der 15 Preisträger des Wettbewerbs ist die Arbeitsgruppe um Dr. Friederike Gallenmüller, akademische Rätin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Das geplante Projekt für den Botanischen Garten der Universität Freiburg soll Kindern und Jugendlichen Themen der Botanik und der Bionik durch forschendes und spielerisches Lernen nahe bringen. Mit einer neuen Spielesammlung sollen sie nachvollziehen, was Wissenschaft ausmacht: Forschen und Entdecken. „Botanische Gärten bieten hierfür ideale Bedingungen“, erklärt Dr. Gallenmüller. Den wichtigsten Bestandteil der Spielesammlung sollen Schatzsuchen bilden, bei denen der Lösungsweg nur durch eigenes Untersuchen der Pflanzen gefunden werden kann. „Sie fördern spielerisches Lernen durch direktes Erleben der Pflanzen und fordern dabei Aktivität und Forschergeist der Schatzsuchenden“, so Dr. Gallenmüller. „Zudem können sie jeder Altersstufe angepasst werden und können den Gegebenheiten in anderen Gärten entsprechend variiert werden.“ Zielgruppe des Projekts sind Schülerinnen und Schüler aller Altersstufen.

Aktionsspiel „Angriff der Viren“

Und noch ein weiterer Preisträger kommt aus Freiburg. Das Immunspiel-Konzept „Angriff der Viren - Aktionsspiel zum besseren Verständnis des Immunsystems“ soll nicht nur Informationen rund um das menschliche Immunsystem vermitteln, sondern gleichzeitig die konkrete Thematisierung an Schulen und in der breiten Öffentlichkeit ermöglichen. Die unterschiedlichen Zelltypen des Immunsystems werden dabei von Mitspielern, die bunte T-Shirts je nach „Rolle“ tragen, dargestellt. Die Spieler müssen sich dann entweder als Viren, als Wächterzellen, als T- oder als B-Zellen verhalten und somit die Funktionsweise dieser Zellen in einer Immunabwehrsituation verdeutlichen. Dadurch erhält der Zuschauer einen „realen“ Einblick in die komplexen Vorgänge in unserem Immunsystem.
„Die Vernetzung des Themas Immunsystem mit Wissenschaft und Forschung wird durch die aktive Einbindung der Öffentlichkeit in die Spieldurchführung, beispielsweise an Schulen oder in einer Fußgängerzone, erreicht“, erklärt Professor Dr. Hans-Hartmut Peter, Sprecher des Sonderforschungsbereichs (SFB) 620 des Universitätsklinikums Freiburg. Das Immunspiel-Konzept, das von einem Mitglied des SFB 620, Professor Dr. Michael Reth, entworfen wurde, ist ohne großen Aufwand durchführbar und damit ideal für Schulen oder Ausbildungseinrichtungen geeignet. Begleitet von klar strukturiertem Informationsmaterial ist das Immunspiel Aufhänger und Motivation zur Annäherung an das Thema Immunsystem.

Die Spannung im Kuhfladen

Mit Hilfe des Preisgeldes kann auch die Universität Hohenheim ihre Idee zu einem Aktionstag Biomasse, der am 23. Juli auf der Versuchsstation Unterer Lindenhof stattfinden wird, umsetzen. Der Aktionstag richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufen I + II. Die Schüler können selbst Biodiesel, Lampenöl oder Cremes aus Öl herstellen, erhalten Einblicke in Deutschlands erste Forschungsanlage Biogas und berechnen, wie viel Anbaufläche oder wie viele Tiere im Stall für wie viel Bioenergie benötigt werden. Lehrer erhalten spezielle Unterrichtsmappen zur Vorbereitung. Für die Öffentlichkeit wird die Forschungsanlage am Nachmittag geöffnet.

„Die Spannung im Kuhfladen“ haben Prof. Dr. Wilhelm Claupein und Leopold Peitz als Motto über den Tag gestellt. Entsprechend konkret soll es am Aktionstag zugehen – etwa wenn Schüler Ställe besichtigen, bei der Saat von Energiepflanzen teilnehmen, Weidenkörbe flechten oder ausrechnen, wie viele Fußballfelder mit Raps oder Sonnenblumen benötigt werden, um die Oma in Hamburg zu besuchen.
Neben dem aktuellen Forschungsstand soll der Aktionstag vor allem Einblick in Möglichkeiten, Nutzen aber auch Gefahren von naturwissenschaftlich-technischen Entwicklungen geben. „Den Schülern soll auch die Verantwortung über künftige umwelt- und klimafreundliche Energie- und Rohstoffversorgung bewusst werden“, sagt Prof. Dr. Claupein. Dazu gehöre auch das Spannungsfeld von Energie- und Ernährungssicherung als zwei eng vernetzte Forschungsschwerpunkte der Universität Hohenheim.

Ideale Rahmenbedingungen findet das Projekt auf der Versuchsstation „Unterer Lindenhof“ der Universität Hohenheim. „Seit Juli 2008 treibt hier die erste Forschungsanlage Biogas die Generatoren an und liefert Wärme, Gas und Strom“, erklärt Peitz als Leiter der Versuchsstation. Gleichzeitig dient die Anlage als Herz der Bioenergieforschungsplattform Baden-Württemberg. Dazu kooperiert die Universität Hohenheim im Verbund zwischen verschiedenen Hochschulen und Forschungseinrichtungen.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/wissenschaft-und-forschung-alltagstauglich-gemacht