zum Inhalt springen
Powered by

Wo Viren wachsen dürfen

An der Hochschule Furtwangen (HFU) wird künftig auch mit und an Viren geforscht. Zum Wintersemester 2020/21 erhielt Prof. Dr. Markus Egert, der an der Fakultät Medical and Life Sciences am HFU-Standort Schwenningen lehrt und forscht, die Berufung für eine Forschungsprofessur "Angewandte Virologie und Hygieneforschung". Egert ist Mikrobiologe und wird in den nächsten drei Jahren verstärkt mit Viren arbeiten - zum Beispiel, um für die Industrie bestimmen zu können, welche Oberflächen, Wirkstoffe und Methoden wirksam gegen diese Krankheitserreger sind.

Herr Prof. Egert, hat Corona Sie dazu inspiriert, sich künftig der Virenforschung zu widmen?

Tatsächlich war das ein Auslöser. An der Hochschule Furtwangen erforschen wir schon seit langem das Verhalten von Bakterien und Pilzen. Viren sind komplizierter, weil sie anspruchsvoller zu handhaben sind. Durch die Corona-Pandemie ist auch in der Industrie das Bedürfnis nach antiviralen Strategien gestiegen. Da wir an der HFU technisch dafür gut ausgerüstet sind, möchten wir uns dieser hochaktuellen Thematik annehmen.

Wie unterscheidet sich die Forschung an Viren von Ihren bisherigen Projekten?

Virenerbgut nachzuweisen ist heute nicht mehr sehr schwierig, ganz anders verhält es sich aber mit dem Züchten von Viren. Viren brauchen immer eine Wirtszelle, um sich zu vermehren. Das ist schon die erste Herausforderung. Sie brauchen sehr spezifische Bedingungen, und in der weiteren Laborarbeit muss man diese fragilen Geschöpfe zum Beispiel reinigen und konzentrieren. Bakterien und Pilze sind da viel robuster.

Wenn wir an das hochansteckende Covid-19 Virus denken: ist das nicht gefährlich?

Man arbeitet in der Forschung nicht unbedingt gleich mit echten Krankheitserregern, sondern mit Modellviren, die diesen sehr stark ähneln. Selbstverständlich werden wir so vorgehen, dass weder für die Labormitarbeiter noch irgendwen sonst Gefahr entsteht. Übrigens sind Viren längst nicht nur für ansteckende und gefährliche Krankheiten verantwortlich. Man hat im menschlichen Körper auch eine große Anzahl von Viren nachgewiesen, die, ähnlich wie wir es von Bakterien bereits wissen, vermutlich förderlich für die Gesundheit sind.

Welche Viren möchten Sie an der HFU zuerst untersuchen?

Da einer meiner Schwerpunkte die Haushaltshygiene ist, interessieren mich vor allem solche Viren, mit denen wir auch im Alltag viel zu tun haben, wie zum Beispiel Noroviren, Grippe- oder Erkältungsviren. Wir möchten mit Modellen arbeiten, die gleich ganze Virengruppen repräsentieren, also zum Beispiel behüllte oder unbehüllte Viren. Molekularbiologisch sind wir schon weiter - wir konnten bereits Viren, die in Küchenspülschwämmen Bakterien befallen oder Viren auf Brillen, die Bindehautentzündung auslösen, nachweisen.

Werden in den neuen Forschungsbereich auch Studierende mit eingebunden?

Dieses hochspannende Themenfeld eignet sich hervorragend, um es auf allen Ebenen in die Lehre zu integrieren. Es erfordert allerdings ein bisschen Geschick und Erfahrung. Ich sehe da viele Möglichkeiten, vom einfachen Praktikumsversuch bis hin zu Abschluss- oder Doktorarbeiten.

Was möchten Sie in den drei Jahren Ihres besonderen Forschungsauftrags erreichen?

Ich möchte zeigen, wie hochqualifiziert und aktuell wissenschaftliche Ausbildung und Forschung an der Hochschule Furtwangen betrieben werden. Nach dieser Zeit werden wir in der Lage sein, Virusgemeinschaften umfassend zu analysieren sowie antivirale Wirksamkeitstests durchzuführen, wie wir das jetzt bereits für Bakterien und Pilze anbieten. Dabei lege ich auch Wert darauf, alle Arbeiten gut zu kommunizieren - denn derzeit merken wir alle überdeutlich, wie wichtig es ist, dass sich Wissenschaft gut und verständlich erklären kann.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/wo-viren-wachsen-duerfen