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Wunderzellen aus der Nabelschnur

Er ist erst wenige Stunden alt: Der kleine Ilias, geboren im Ravensburger Klinikum, 3680 Gramm schwer, 52 Zentimeter groß – und schon jetzt ist er ein kleiner Lebensretter. Seine Mutter Bianca Grigoriadis spendete das Blut aus der Nabelschnur an die DKMS-Nabelschnurblutbank in Dresden, eine von fünf gemeinnützigen Nabelschnurblutbanken in Deutschland. Und diese Spende könnte vielleicht schon bald einem Leukämiekranken helfen, den Krebs zu besiegen. „Wenn ich so etwas Gutes tun kann, dann freue ich mich sehr“, sagt die frischgebackene Mutter.

„Funiculis umbilicalis“ ist der lateinische Begriff für die Nabelschnur, und in ihr schlummern ungeheure Möglichkeiten. Denn die im Blut enthaltenen Stammzellen sind in der Lage, wichtige Bestandteile des Blutes zu bilden. So können schwere Krebs- oder andere Erkrankungen des blutbildenden Systems heute mit Stammzellen aus Nabelschnurblut geheilt werden.

„Normalerweise wird die Nabelschnur einfach weggeworfen, nun können wir vielleicht Leben retten.“ - Bianca Grigoriadis, Mutter © Kerstin Mommsen

Mütter wie Bianca Grigoriadis sind während der Schwangerschaft häufig mit der Frage konfrontiert, ob sie das Nabelschnurblut an eine öffentliche Blutbank spenden wollen oder es fürs eigene Kind einlagern wollen. Zahlreiche private Anbieter bieten werdenden Eltern an, die Stammzellen als eine Art „biologische Lebensversicherung“ für das Kind einzulagern. Kostenpunkt: etwa 2000 Euro. Zusätzlich fallen noch jährliche Einlagerungskosten in Höhe rund 40 Euro an. In der Wissenschaft ist es heftig umstritten, ob diese private Einlagerung sinnvoll ist. So kommt etwa die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Knochenmark- und Blutstammzelltransplantation zu dem Schluss, dass „eine flächendeckende Konservierung des Nabelschnurbluts von Neugeborenen für den Eigengebrauch nicht zu empfehlen“ sei. Tatsächlich wurden etwa beim privaten Anbieter Vita-34 bisher erst 14 Mal Stammzellen aus dem eigenen Nabelschnurblut transplantiert, 80 000 Präparate sind eingelagert. Was viele Eltern nicht wissen: Die Eigenspende kann das Kind meist nicht heilen, wenn es an Leukämie erkrankt, da die Nabelschnurblutzellen die Krankheit häufig schon in sich tragen. Die Stammzellforschung steckt noch in den Kinderschuhen, arbeitet aber mit Hochdruck an neuen Therapieformen.

„Das Nabelschnurblut sollte auf jeden Fall gespendet werden. So kann man vielen Menschen helfen.“ - Sonja Benz, Klinik Sigmaringen © Kreiskrankenhaus Sigmaringen

Die Nabelschnurblutspende an eine öffentliche Blutbank ist dagegen kostenfrei. Zahlreiche Kliniken, darunter das Kreiskrankenhaus Sigmaringen, die Kliniken in Saulgau und Pfullendorf sowie die Oberschwabenklinik Ravensburg haben Kooperationen mit der DKMS-Nabelschnurblutbank geschlossen. Sonja Benz, Oberärztin an den Kliniken Landkreis Sigmaringen, hat eine eindeutige Meinung; „Das Nabelschnurblut sollte auf jeden Fall gespendet werden. Nur so ist es möglich, vielen Menschen zu helfen.“ Der Vorteil der Transplantation von Stammzellen aus dem Nabelschnurblut liegt im Wesentlichen darin, dass sie für den Empfänger besser verträglich sind als jene aus dem Knochenmark, weiß Alexander Schmidt, Geschäftsführer der Nabelschnurblutbank DKMS: „Normalerweise müssen die Gewebemerkmale von Stammzellspender und -empfänger identisch sein. Nabelschnurstammzellen hingegen tolerieren Abweichungen, die Gefahr einer Abstoßungsreaktion des Empfängers ist also geringer.“ Zudem sind die begehrten Zellen innerhalb von wenigen Tagen verfügbar. Damit könnte auch jenen Krebspatienten geholfen werden, die jahrelang erfolglos nach einem passenden Knochenmarkspender gesucht haben.

Für Bianca Grigoriadis war schnell klar, dass sie sich für eine Spende entscheiden würde. „Meine zweijährige Nichte ist erkrankt und sucht nach einem Spender. Da war es für mich logisch, auch das Nabelschnurblut zu spenden“, sagt sie lächelnd und hält dabei stolz den kleinen Ilias im Arm.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/wunderzellen-aus-der-nabelschnur