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Zukunftschancen in der Medizintechnik im Nordschwarzwald

Wie sieht die Medizintechnik der Zukunft aus? Was sind die neuesten Trends und Entwicklungen und wie können Unternehmen mit diesen Herausforderungen Schritt halten? Diesen Fragen stellte sich am 23. Oktober 2012 die Veranstaltung „Neue Wege in der/die Medizintechnik – Entwicklungspotenziale in der Medizintechnik“ im Sparkassenturm in Pforzheim.

An der von BIOPRO Baden-Württemberg, der IHK Nordschwarzwald und der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald ausgerichteten Veranstaltung nahmen 33 Unternehmen aus der gesamten Region Nordschwarzwald teil. Diese sind entweder bereits in der Medizintechnik-Branche tätig oder daran interessiert, die Medizintechnik als neuen Markt für sich zu erschließen. Im Panoramasaal der Sparkasse begrüßte der stellvertretende Vorsitzende der Sparkasse Pforzheim Calw, Hans Neuweiler, die Teilnehmer und Referenten aus dem In- und Ausland.

Dr. Ralf Kindervater, Geschäftsführer der BIOPRO Baden-Württemberg, eröffnet die Veranstaltung © Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH

Eröffnet und moderiert wurde die Vortragsreihe durch den Geschäftsführer der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH, Dr. Ralf Kindervater. Dieser erläuterte zunächst die Aktivitäten der Landesgesellschaft BIOPRO Baden-Württemberg sowie die Bedeutung der Medizintechnik für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg. Außerdem stellte er neueste Entwicklungen im Bereich der Medizintechnik vor, beispielsweise innovative Hüftimplantate oder die digitale Visualisierung im OP, die dem Arzt völlig neue Blickwinkel eröffnet. „Um dem Druck aus den Schwellenländern, allen voran China, standhalten zu können, müssen wir die Scheuklappen beiseite legen und offen für Neues sein. Netzwerke und Kooperationen können hier einer der Schlüssel zum Erfolg sein“, so das Resümee von Dr. Kindervater.

Aus eigener Erfahrung: Philipp Wittmann gibt Einblicke in das Gesundheits-Cluster Oberösterreich © Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH

Philipp Wittmann vom Gesundheits-Cluster Oberösterreich referierte über Nutzen und Chancen eines Medizintechnik-Clusters und berichtete über seine Erfahrungen aus den letzten 10 Jahre seit Gründung des Clusters. „Innovationen und Ideen entstehen durch Kooperation. In einem Cluster kann man die richtigen Partner schneller an einen Tisch bekommen und somit Ideen aktiv aufgreifen.“

Professor Dr. Hugo Hämmerle vom Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut (NMI) an der Universität Tübingen belegte die Bedeutung sowie das Wachstumspotenzial der Medizintechnik für die hiesige Wirtschaft anhand von wissenschaftlichen Studien. In der Medizin müsse ein Paradigmenwechsel von der symptomatischen Therapie hin zur Prävention stattfinden. „Um fit und gesund zu altern, was wir ja alle wollen, müssen Risiken früh erkannt werden und eine kurative Behandlung stattfinden“, betonte Hämmerle. Hier könne die Medizintechnik einen wichtigen Beitrag leisten.

Professor Dr. Günter Tovar erläutert aktuelle Entwicklungen im Bereich Medizintechnik eines Fraunhofer Verbundprojekts © Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH

Tiefe Einblicke in die neueste Forschung gewährte Professor Dr. Günter Tovar vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB Stuttgart. In einem höchst interessanten Vortrag präsentierte er eine neue Entwicklung aus einem Fraunhofer Verbundprojekt, mit der es möglich ist, sehr feine elastische Strukturen, z.B. künstliche Blutgefäße, aus biokompatiblen Kunststoffen herzustellen. In der Zukunft könnten solche Blutgefäße beispielsweise bei Bypass-Operationen oder bei der Züchtung künstlicher Organe eingesetzt werden.

Dr. Hanns-Peter Tümmler von Aesculap, einer Sparte der B. Braun Melsungen AG, erweiterte das Themenspektrum um den Bereich IP-Management: „Patente dienen der Absicherung von Entwicklungsergebnissen und Marktanteilen und bieten Schutz vor Nachahmungen, können aber darüber hinaus auch im Rahmen von Marketing-Strategien oder im Finanz- und Controlling-Bereich zielführend eingesetzt werden.“ Abschließend stellte Professor Dr. Andreas Mazura den neuen Studiengang „Medizintechnik“ der Hochschule Pforzheim vor und lud die anwesenden Unternehmen zur aktiven Mitarbeit im weiteren Gestaltungsprozess ein. Denn nur so könne sich der neue Studiengang in der Region etablieren, machte Mazura deutlich.

Auf dem Weg zu neuen Kooperationen: 33 Unternehmen tauschen sich aus © Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH

Während der Kaffeepause und beim Get-together im Anschluss an das Vortragsprogramm nutzten die Teilnehmer die Gelegenheit zum Netzwerken und um neue Kontakte zu knüpfen und setzten die von einigen Vortragenden geforderte Offenheit für neue Kontakte und Kooperation sogleich in die Tat um. Markus Wexel, Geschäftsführer der IHK Nordschwarzwald, hofft, dass mit dieser Veranstaltung ein „langfristiger Dialog angestoßen wird“, damit „die Synergieeffekte sowie das Potenzial der Unternehmen in der Region voll ausgeschöpft werden können.“

Jens Mohrmann, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald GmbH, fasste zusammen: „Mit der Veranstaltung konnten wir den mittelständischen Unternehmen der Region die Marktchancen aufzeigen, die die Medizintechnik-Branche für sie bietet. Es wurde deutlich, dass Innovationen im Mittelstand häufig durch Kooperationen entlang der Wertschöpfungskette entstehen.“

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/zukunftschancen-in-der-medizintechnik-im-nordschwarzwald