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Zwei Projekte zur Erforschung des Multiplen Myeloms erhalten Millionen-Förderung

Das Multiple Myelom ist ein bösartiger Tumor Antikörper-produzierender Zellen im Knochenmark. Für zwei Forschungsprojekte zur verbesserten Prognose und Therapie dieses Krebses erhalten Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg Fördergelder durch das Bundesforschungsministerium und die Europäische Kommission.

Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt, Leiter der Abteilung Multiples Myelom des Universitätsklinikums Heidelberg. © Universitätsklinikum Heidelberg

Die Abteilung Multiples Myelom der Medizinischen Universitätsklinik und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg hat im April gleich mit zwei Forschungsprojekten eine ansehnliche Summe an Fördergeldern eingeworben. In dem Projekt von Professor Dr. Hartmut Goldschmidt, Leiter der Abteilung, geht es unter anderem darum, die Prognose von Patienten mit Multiplem Myelom (einer bösartigen Erkrankung des blutbildenden Systems) genauer bewerten zu können, um dadurch die Therapie zu verbessern. Die Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung beträgt 1,2 Millionen Euro über drei Jahre. Das zweite Projekt wird im Rahmen der Kooperationsforschung der Europäischen Kommission zum Thema "Gesundheit" mit insgesamt knapp drei Millionen Euro gefördert. Rund 500.000 Euro davon fließen dem Teilprojekt in Heidelberg unter der Leitung von Dr. Dirk Hose, Leiter des Labors für Myelomforschung, zu. Die Forscher wollen Resistenzmechanismen der Tumorzellen aufklären und darauf basierend neue Medikamente entwickeln.

Das Multiple Myelom ist eine Tumorerkrankung, die von Antikörper-produzierenden Zellen (einer bestimmten Art weißer Blutkörperchen) im Knochenmark ausgeht. In Deutschland werden jedes Jahr etwa 3.500 Neuerkrankungen festgestellt, etwa 25.000 europaweit. Die Tumorzellen beeinträchtigen die Blutbildung und schwächen die Knochensubstanz. Dadurch kommt es zu Knochenschmerzen, Brüchen, Blutarmut und Infektanfälligkeit. Medikamente können die Symptome bei guter Lebensqualität der Patienten auch langfristig zurückdrängen. Oft kommt es jedoch nach einiger Zeit zu einem Rückfall und zur Therapieresistenz. Bisher ist die Erkrankung meist nicht heilbar. Die mittlere Überlebenszeit ist sehr variabel und beträgt einige Monate bis über 15 Jahre.

HM-Metascore für eine zuverlässigere Prognose

Das Ziel des Projektes "Clinical applicable multimodal prediction of survival in Multiple Myeloma" (CAMPSIMM) ist es, Risikofaktoren und die zu erwartende Überlebenszeit des Patienten verlässlich einschätzen zu können, damit sich der behandelnde Arzt entsprechend dem individuellen Risiko für eine mehr oder weniger aggressive Therapie entscheiden kann. Bislang ist es jedoch schwierig, im klinischen Alltag eine zusammenfassende Prognose abzugeben. Mit dem sogenannten Genexpressions-Report wurde in Heidelberg erstmals eine frei zugängliche Software entwickelt, welche verschiedene Risikofaktoren in einen Befund integriert. Um die Anwendung zu erleichtern, werden die Risikofaktoren im „Heidelberg-Montpellier-Metascore“ (HM-Metascore) zusammengefasst, der es dem Arzt erlaubt, eine einzige prognostische Abschätzung abzugeben. Das Projekt erfolgt in Zusammenarbeit mit Professor Dr. Bernard Klein von der Universität in Montpellier.

„Wir möchten mit unserem HM-Metascore dem behandelnden Arzt sowie unseren Patienten unter Berücksichtigung aller bekannten Prognoseparameter einen einzigen Wert mit einer klaren Aussage an die Hand geben, der das weitere therapeutische Vorgehen bestimmt“, erklärt Goldschmidt. Er hofft, das klinische Prozedere dadurch zu vereinfachen.

Therapieresistenz verstehen und überwinden

In dem Projekt "Overcoming clinical relapse in Multiple Myeloma by understanding and targeting the molecular causes of drug resistance" (OVER-MyR) geht es darum, die genauen Mechanismen aufzuklären, die einen Rückfall und die Resistenz der Tumorzellen verursachen, um neue Behandlungsstrategien ausarbeiten zu können. Der Hauptgrund für die Unheilbarkeit der Erkrankung ist der, dass die Tumorzellen zwar zunächst auf die Therapie ansprechen, im Laufe der Zeit aber spezifische Mechanismen entwickeln, die die Medikamente unwirksam machen. Kennt man die molekularen Abläufe, kann man neue Substanzen entwickeln, die entweder den Resistenzmechanismus umgehen, oder die Tumorzellen wieder empfindlich machen für die zuvor angewendeten Medikamente.

„Das Multiple Myelom zeichnet sich durch eine enorme Heterogenität aus. Die Resistenzmechanismen, die der Tumor entwickelt, gehen dabei nicht nur ihm selbst aus“, erläutert Hose. „Sie werden auch durch das umliegende Gewebe und die angewendeten Medikamente, meist eine Kombination verschiedener Substanzen, beeinflusst. Das sind alles Faktoren, die die Forschung erschweren.“ Das Projekt wird von der Belgierin Professor Dr. Karin Vanderkerken koordiniert und bündelt die Expertise namhafter europäischer Myelomzentren.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/zwei-projekte-zur-erforschung-des-multiplen-myeloms-erhalten-millionen-foerderung