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16-Jährige lehrt an Biberacher Hochschule

Gerade ist sie aus Indien zurück, den 1. und 3. Platz eines internationalen Wissenschaftswettbewerbes für Schülerteams in der Tasche. Naturwissenschaften sind ihre Leidenschaft, besonders die Chemie hat es ihr angetan. Dafür wendet sie viel Freizeit auf, etwa im Schülerforschungszentrum Bad Saulgau und auch an der Hochschule Biberach. Jetzt sorgt Corinna Lämmle erneut für Aufsehen, weil sie einen Lehrauftrag erhalten hat.

Wie die Studierenden des Bachelor-Studienganges Pharmazeutische Biotechnologie hat Carina Lämmle aus Mittelbiberach in den vergangenen Wochen viel Zeit im Labor verbracht. „Die meisten haben sie wohl für eine Studentin gehalten“, sagt Chrystelle Mavoungou, Professorin für Qualitätsmanagement, Arzneimittelzulassung und GMP-Prozessentwicklung.

Corinna Lämmle (links) mit Prof. Chyrystelle Mavoungou am Massenspektrometer © Hochschule Biberach

Dabei ist die junge Naturwissenschaftlerin erst 16 Jahre alt und besucht die 11. Klasse des Pestalozzi-Gymnasiums in Biberach. Pläne für das Studium hat sie noch nicht. Dennoch wird man sie an der Hochschule Biberach in diesem Wintersemester regelmäßig sehen, denn Carina Lämmle wurde als Lehrbeauftragte unter Vertrag genommen. Damit ist sie die jüngste Dozentin, die die Hochschule Biberach in der Lehre beschäftigt hat.

Ihre Aufgabe: Ein Workshop zur Einführung in die massenspektrometrische Methode als wichtiger Bestandteil der instrumentellen Analytik im Labor. In einem Massenspektrometer werden positiv geladene und beschleunigte Teilchen, die sich in der Gasphase befinden, durch ein homogenes Magnetfeld proportional zu ihrer Masse aufgetrennt. Mit kleinsten Substanzmengen kann daher sowohl die relative Molekülmasse als auch die Elementarzusammensetzung einer Verbindung bestimmt werden. „Die Bedienung des Gerätes ist kompliziert", sagt Chrystelle  Mavoungou, „und bedarf durchaus einer gewissen Expertise". Mit dem Massenspektrometer hat sich Carina Lämmle in den vergangenen Wochen und Monaten intensiv beschäftigt. Unterstützt wurde sie dabei unter anderem von Rudolf Binder, Mitarbeiter von Boehringer Ingelheim, der sie auch beim Wettbewerb „Jugend forscht" betreut.

Intensive Kontakte bestehen auch zwischen der Hochschule Biberach und dem Schülerforschungszentrum Bad Saulgau, dem Carina Lämmle angehört. Über diese Zusammenarbeit ermöglichte Jürgen Hannemann, Dekan der Pharmazeutischen Biotechnologie, der Schülerin eine Führung durch die bestens ausgestatteten Labore der Fakultät.

Dabei entdeckte Carina Lämmle das Massenspektrometer und erkannte, dass das Gerät nicht mehr im Einsatz ist. „Ein solches Gerät wird nie abgestellt“, erklärt die Schülerin. Ist es einmal außer Betrieb, sei der Neustart des komplexen Systems aufwendig. Das Ein- und Ausschalten schadet den Turbopumpen und beeinträchtigt die Gen auigkeit des Messinstruments. Zuvor hatte ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Studienganges das Gerät betreut, der sich beruflich verändert hat. Umso mehr freut sich der Studiengang über das Engagement der Schülerin.

Dekan belohnt Begeisterung der Schülerin

Die spontane Begeisterung der Schülerin für das Gerät überzeugte Jürgen Hannemann – und so gab er Carina Lämmle die Chance, sich intensiv mit dem Massenspektrometer vertraut zu machen. Das ist ihr derart gut gelungen, dass der Studiengang ihr Engagement mit einem Lehrauftrag belohnt – und gleichzeitig ihr Wissen für die Ausbildung der Studierenden nutzt. Ab Mitte Dezember wird sie innerhalb des Wahlpflichtfaches „Innovative Packmittel und Medizinprodukte“ Chrystelle Mavoungou im Lehrgebiet „Analytik/Bioanalytik“ unterstützen.

„Ich werde den Studierenden zeigen, wie man das Gerät bedient“, sagt die Schülerin und fügt hinzu: „Das wird so sein, als ob ich Freunden erkläre, wie das funktioniert“. Tatsächlich erlebt man die 16-Jährige als Mitglied des Studienganges. Ob Studentin oder Dozentin – das ist nicht die Frage. Ihre Begeisterung für das Massenspektrometer im Labor für chemische Analytik steckt alle an. Sicherlich auch die Studierenden.

Glossar

  • Biotechnologie ist die Lehre aller Verfahren, die lebende Zellen oder Enzyme zur Stoffumwandlung und Stoffproduktion nutzen.
  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Good Manufacturing Practise. Eine Sammlung an Richtlinien zu Qualitätssicherung der Produktionsabläufe und -umgebung
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/16-jaehrige-lehrt-an-biberacher-hochschule/