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Georges-Köhler-Preis geht an Adelheid Cerwenka aus dem DKFZ

Privatdozentin Dr. Adelheid Cerwenka hat den Georges-Köhler-Preis 2009 bekommen. Sie erhält den Preis für ihre herausragenden Arbeiten zu Natürlichen Killerzellen und deren Bedeutung für die Tumorabwehr. Der Georges-Köhler-Preis, der von der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Stuttgart, unterstützt wird, wird von der Deutschen Gesellschaft für Immunologie verliehen und ist mit 3.000 Euro dotiert. Er ehrt Wissenschaftler unter vierzig Jahren, die sich bei der Erforschung des Immunsystems besonders verdient gemacht haben.

Adelheid Cerwenka leitet am Deutschen Krebsforschungszentrum die Nachwuchsgruppe "Angeborene Immunität". Sie und ihre Mitarbeiter erforschen das angeborene Immunsystem, einen Bestandteil der körpereigenen Abwehr. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Krankheitserregern. Außerdem geht es gegen Krebszellen vor und beseitigt sie - meist lange, bevor diese Zellen Schaden anrichten und sich zu einem Tumor entwickeln können.

Seit vielen Jahren interessiert sich Adelheid Cerwenka für Natürliche Killerzellen. Diese Blutzellen gehören zum angeborenen Immunsystem und können Krebszellen schnell erkennen und direkt abtöten. Darüber hinaus aktivieren sie das erworbene Immunsystem des Körpers, damit dieses sich ebenfalls gegen den Krebs richtet. Cerwenka und ihre Mitarbeiter untersuchen die molekularen Vorgänge, die dabei eine Rolle spielen. Die Forscher entdeckten ein bestimmtes Protein (RAE-1) auf der Oberfläche von entarteten Zellen. Dieses Protein dient dem aktivierenden Rezeptor NKG2D, der auf Natürlichen Killerzellen zu finden ist, als Erkennungsmerkmal. Haben die Natürlichen Killerzellen eine geschädigte Zelle erst einmal identifiziert, binden sie an diese und töten sie schließlich ab. Cerwenka wies zusätzlich bestimmte Signalwege in Tumoren nach, die dazu führten, dass sich vermehrt RAE-1-Proteine auf der Oberfläche von geschädigten Zellen bildeten. Zudem stießen die Forscher bei ihrer Arbeit auf bestimmte Botenstoffe, die es Natürlichen Killerzellen ermöglichen, besser in das Tumorgewebe einzudringen und den Tumor noch stärker anzugreifen. Diese Erkenntnisse wollen sie nun nutzen, um entartete Zellen empfindlicher gegenüber der Immunabwehr zu machen. "Wir hoffen, Krebspatienten helfen zu können, indem wir ihre körpereigene Abwehr gezielt auf den Tumor lenken", sagt Cerwenka.

Zur Person:

Adelheid Cerwenka studierte an der Universität Wien Pharmazie und promovierte in Immunologie. Nach Forschungsaufenthalten in den USA arbeitete sie zwei Jahre lang am Novartis Forschungsinstitut in Wien, bevor sie im April 2004 ans Deutsche Krebsforschungszentrum wechselte. Für ihre Forschungen hat sie bereits zahlreiche Preise und Stipendien erhalten.

Glossar

  • Immunologie ist eine Wissenschaft, die sich u. a. mit den Abwehrreaktionen von Mensch und Tier gegen Organismen wie Bakterien, Pilze und Viren, aber auch mit Abwehrreaktionen gegen fremde Zellen und Gewebe bzw. gegen eigene Zellen und Gewebe (Autoimmunreaktionen) beschäftigt.
  • Proteine (oder auch Eiweiße) sind hochmolekulare Verbindung aus Aminosäuren. Sie übernehmen vielfältige Funktionen in der Zelle und stellen mehr als 50 % der organischen Masse.
  • Rezeptoren sind Moleküle, die u. a. auf Zelloberflächen anzutreffen sind und die in der Lage sind, ein genau definiertes Molekül – ihren Liganden – zu binden. Das Zusammentreffen von Ligand und Rezeptor kann eine Abfolge von Reaktionen innerhalb der Zelle auslösen.
  • Ein Tumor ist eine Gewebsschwellung durch abnormales Zellwachstum, die gutartig oder bösartig sein kann. Gutartige (benigne) Tumore sind örtlich begrenzt, während Zellen bösartiger (maligner) Tumore abgesiedelt werden können und in andere Gewebe eindringen können, wo sie Tochtergeschwulste (Metastasen) verursachen.
  • Das Immunsystem ist das körpereigene Abwehrsystem von Lebewesen, das Gefahren durch Krankheitserreger abwenden soll. Es schützt vor körperfremden Substanzen und vernichtet anormale (entartete) Körperzellen. Dies wird durch ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Organe, Zelltypen und chemischer Moleküle vermittelt.
  • T-Killerzellen werden auch zytotoxische T-Zellen genannt und sind spezialisierte Immunzellen (weiße Blutkörperchen). Sie zählen zu den T-Lymphozyten und sind damit ein wesentlicher Bestandteil des spezifischen Immunsystems. T-Killerzellen vermitteln die zelluläre Immunantwort, d.h. sie zerstören körperfremde Zellen bzw. von Krankheitserregern befallene körpereigne Zellen. Sie greifen auch körpereigene Zellen mit veränderter Oberflächenstruktur (z.B. Krebszellen) an.
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/georges-koehler-preis-geht-an-adelheid-cerwenka-aus-dem-dkfz/