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Rückblick Meet & Match "Informationssysteme zur Automatisierung in Biotech, Pharma und Medtech"

Informieren, diskutieren und zahlreiche neue Kontakte knüpfen: Rund 60 Fachleute aus Wirtschaft und Wissenschaft folgten der gemeinsamen Einladung der BIOPRO Baden-Württemberg und der Fraunhofer-Projektgruppe für Automatisierung in der Medizin und Biotechnologie (PAMB) zur Meet & Match-Veranstaltung am 30. April in Mannheim.

Dr. Barbara Jonischkeit eröffnete das Meet & Match mit einer kurzen Vorstellung der BIOPRO Baden-Württemberg GmbH. © BIOPRO

In biotechnologischen Unternehmen, der Pharmaindustrie und dem klinischen Alltag halten automatisierte Instrumente, Geräte und Systeme zunehmend Einzug in Produktion, Forschung und in die Prozesssteuerung. Daher standen bei diesem Meet & Match Informations- bzw. Softwaresysteme zur Steuerung und Bedienung dieser Anwendungen und Prozesse im Fokus – mit ihren spezifischen Anforderungen und Qualitätsstandards.

Die Fraunhofer-Projektgruppe für Automatisierung in der Medizin und Biotechnologie (PAMB) in Mannheim unter Leitung von Prof. Dr. Jan Stallkamp unterstützte BIOPRO als themenspezifischer Veranstaltungspartner. Dr. Barbara Jonischkeit von der BIOPRO Baden-Württemberg begrüßte die rund 60 Unternehmensvertreter und Wissenschaftler aus Biotech, Pharma und Medtech in der alten Brauerei in Mannheim. Weitere Grußworte folgten von Dr. Elmar Bourdon vom Cluster Medizintechnologie Mannheim als Regionalpartner.

„Daten sind heutzutage die Quelle von Innovationen“

Prof. Dr. Jan Stallkamp, Leiter der Fraunhofer-Projektgruppe PAMB, erlaüterte die Bedeutung von IT-Systemen für die Automatisierung. © BIOPRO

Den fachlichen Einstieg machte Prof. Dr. Jan Stallkamp, Leiter der Fraunhofer-Gruppe PAMB, mit seiner Keynote über die Bedeutung der IT-Systeme für die Automatisierung in Medizin und Biotechnologie. Er stellte für die Patientenversorgung und das Labor im Einsatz befindliche Informationssysteme vor und beleuchtete auch neue Ansatzpunkte für die Automatisierung von komplexen Prozessen in Operationssälen und Interventionsräumen, wie beispielsweise das Konzept der „closed loop diagnosis and therapy". „Automatisierung bedeutet Integration von Funktionen und Abläufen. Integration in der medizinischen Versorgung bedeutet komplexere Kommunikation und Datenaustausch zwischen einer zunehmenden Zahl unterschiedlicher Spezialisten. Die Leistungsfähigkeit der Automatisierung hängt daher von der Leistungsfähigkeit der Informationssysteme ab", so Stallkamp.

Der Geschäftsführer der IBM Deutschland Research & Development GmbH, Dirk Wittkopp, thematisierte in der zweiten Keynote mit dem Titel „Big Data und Cloud Services in den Medizinwissenschaften" die zunehmende digitale Transformation des Gesundheitswesens durch innovative Informationstechnologien wie Cloud-Systeme und mobile, diagnostische Geräte sowie Healthcare-Apps und andere Social-Media-Anwendungen. „Daten sind heutzutage die Quelle von Innovationen". Es würden 1.100 Terrabyte an exogenen Daten pro Lebenszeit generiert, etwa so viel wie der Inhalt von drei Millionen Büchern. Diese Daten werden zusammen mit genomischen und klinischen Daten die zukünftige Gesundheitsversorgung nachhaltig beeinflussen, erläuterte Wittkopp in seinem Vortrag. Außerdem präsentierte er die neue IBM Watson Health Cloud, eine sichere und offene Plattform für den Austausch zwischen Medizinern, Forschern, Versicherern und weiteren Akteuren des Gesundheitswesens, um neue Erkenntnisse über die vielen gesundheitsbeeinflussenden Faktoren zu erhalten. Dieses visionäre Diagnose-Unterstützungssystem kann eine Antwort auf die Frage der Versorgung in abgelegenen Gebieten sein, in die medizinische Experten selten kommen.

Ein elektronisches Laborbuch namens Merlin und multimediale Patientenakten

Im Anschluss stellte Sebastian Schöning, Leiter der Gruppe Informationssysteme für Medizin und Biowissenschaften der Projektgruppe PAMB, verschiedene Projekte und Forschungsinhalte seiner Arbeitsgruppe vor, etwa die Entwicklung neuartiger Benutzerschnittstellen zur berührungslosen, gestenbasierten Steuerung von automatisierten Prozessen oder den Informationsassistenten „Merlin". Dabei handelt es sich um ein elektronisches Laborbuch, das mit einer Multitouch-Oberfläche direkt in die Laborbank integriert werden kann und Versuchsdurchführungen unterstützt sowie diese weitestgehend automatisch dokumentiert. Mit Merlin wird die Arbeitsfläche zur intelligenten Bedienschnittstelle: „Merlin erleichtert die Dokumentation und macht sie deutlich genauer und präziser", so Schöning, „man kann so auch noch nach Jahren nachvollziehen, was genau man in welchem Experiment gemacht hat. Die Programmsprache haben wir dabei bewusst einfach gehalten – so kann Merlin dem Wissenschaftler möglichst viel abnehmen."

Während der Mittags- und der Kaffeepause fand zwischen den Teilnehmern ein reger Austausch statt. © BIOPRO

Die Vorträge am Vormittag animierten die Zuhörer zu einer regen Diskussion mit den Referenten über das Thema Datensicherheit und Datenschutz bei Verwendung offener Cloud-Systeme. Auch die Möglichkeit, sich und ihr Forschungsinteresse bzw. ihre Kooperationswünsche in einer zweiminütigen Präsentation während der „Short presentation session" vorzustellen, nutzten viele Teilnehmer vor der Mittagspause. Dadurch wurde das anschließende Netzwerken zwischen den Teilnehmern intensiviert und vereinfacht.

Software-Lösungen und auch Geräte für Produktionsabläufe in Forschungs- und Industrielaboren sowie einen innovativen Bioinformatik-Service für die differentielle Genexpressionsanalyse stellte Dr. Steffen Hüttner, CEO der HB Technologies AG, nach der Mittagspause vor.

Wie das dänische Pharma-Unternehmen Novo Nordisk beispielsweise die Automatisierung der Zellkultivierung für die Antikörperproduktion handhabt und die generierten Daten managt, erläuterte im Anschluss daran Ivan Svendsen in seinem 15-minütigen Vortrag.

Dem Thema der multimedialen Bildkommunikation in der Medizin widmete sich Dr. Uwe Engelmann, einer der drei Gründer und Mitgesellschafter der CHILI GmbH in Dossenheim. Er erläuterte das CHILI® PACS Konzept: Mit diesem können - als Drehscheibe für alle Informationen während der Patientenbehandlung - die Langzeitarchivierung medizinischer Bilder, die webbasierte Bildverteilung für die Befundung im Krankenhaus oder an anderen Arbeitsplätzen oder auch eine Telemedizinakte realisiert werden.

Usability, Systemintegration im Labor und Validierung automatisierter Prozesse rundeten das Programm ab

Esther Kleinert von der User Interface Design GmbH erklärte, warum das Thema Usability von Medizinprodukten schon während der Entwicklung berücksichtigt werden sollte: Ziele sind, Fehler früh zu identifizieren, Kosten zu senken und sich von anderen Wettbewerbern zu differenzieren. Falls noch kein Prototyp verfügbar sei, könne man auch mit zum Beispiel Papierprototypen in sehr frühen Phasen der Entwicklung Nutzer-Befragungen durchführen.

Der hybride Interventionsraum der Fraunhofer Projektgruppe PAMB im CUBEX41 © Fraunhofer-Projektgruppe PAMB

Stefan Angele, Vorstandsmitglied der infoteam Software AG, stellte eine flexible und maßgeschneiderte Software-Plattform vor, die es ermöglicht, verschiedenste Systeme und Geräte sowie deren generierte Daten mit Hilfe des SiLA-Standards vollständig in automatisierte Prozessketten im Labor zu integrieren, um beispielsweise die Genauigkeit und den Durchsatz zu steigern.

Den Abschluss machte Alexander Fink von der Metecon GmbH in Mannheim, der einen kurzen Abriss der regulatorischen Anforderungen an die Validierung automatisierter Prozesse in Biotech und Medtech gab und damit das Vortragsprogramm, das viele wesentliche Aspekte entlang der Wertschöpfungskette von IT und Automatisierungslösungen abdeckte, abrundete.

Im Anschluss an das gemeinsame Get-together nutzte ein Teil der Gäste die Möglichkeit, an einer Führung durch die neuen Räumlichkeit des Fraunhofer PAMB im CUBEX41 auf dem Gelände des Universitätsklinikums Mannheim teilzunehmen und unter anderem den sehr gut ausgestatteten hybriden Interventionsraum zu besichtigen.


Das Fraunhofer PAMB an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg wurde vom Land Baden-Württemberg und der Fraunhofer-Gesellschaft eingerichtet, um Automatisierungspotenziale in der Medizin und Biotechnologie zu erschließen. Die Projektgruppe befindet sich im CUBEX41 inmitten des Universitätsklinikums Mannheim. Eine eigene Gruppe innerhalb von PAMB befasst sich ausschließlich mit der Entwicklung von Informationssystemen für die Automatisierung im klinischen Umfeld oder der Produktion.

Hinweis der BIOPRO Baden-Württemberg
Informationen zu künftigen Meet & Match-Veranstaltungen und weiteren Events erhalten Sie über unsere Veranstaltungsankündigungen oder über unseren Newsletter (siehe Links oben rechts). Für Themenvorschläge sind wir jederzeit offen: Sollten Sie ein spannendes Thema für ein Meet & Match-Event im Bereich der Life Sciences haben, freuen wir uns über Ihre Vorschläge unter fiala(at)bio-pro.de.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/aktuell/rueckblick-meet-match-informationssysteme-zur-automatisierung-in-biotech-pharma-und-medtech