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Biomarker sind bei rheumatologischen Erkrankungen wertvoll

Auf einem Symposium von Roche zum Thema „Biomarker bei rheumatologischen Erkrankungen - hilfreich in Therapie und Prävention?" referierten namenhafte Referenten über neue Erkenntnisse zum Nutzen von Biomarkern in der Rheumatologie. Die Veranstaltung, zu der etwa 100 Teilnehmer erwartet wurden, fand anlässlich des diesjährigen Internistenkongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) vom 30. April bis zum 3. Mai 2011 in Wiesbaden statt.

Der Schwerpunkt des Symposiums lag auf dem Einsatz von Biomarkern bei Rheumatoider Arthritis. Jürgen Redmann, Geschäftsführer der Roche Diagnostics Deutschland GmbH, unterstrich: „Medikamente und Diagnostika, die die Gesundheit, Lebensqualität und Überlebenschancen von Patienten entscheidend verbessern, sind das strategische Ziel der Personalisierten Medizin von Roche. Zur besseren Prävention, Diagnose und Therapie von rheumatischen Erkrankungen können wir die bestehenden Synergien von Roche Diagnostics und Roche Pharma nutzen."

Knochenveränderungen bei Rheumatoider Arthritis

Prof. Dr. med. Georg Schett, Direktor der Medizinischen Klinik 3 - Immunologie
und Rheumatologie, Universitätsklinikum Erlangen, präsentierte unter dem Titel „Marker für Knochenveränderungen bei Rheumatoider Arthritis" eine Bandbreite an Knochenmarkern, die entweder beim Auf- bzw. Abbau von Knochenmasse eine Rolle spielen oder auf einen Kalziummangel hinweisen. Neben Knochenaufbaumarkern wie P1NP (Prokollagen Typ 1 N-terminales Propeptid) bzw. Abbaumarkern wie etwa sCTx (ßCrossLaps) wies Schett auf verschiedene Studien hin, die die Beobachtung des Vitamin D-Wertes in den Mittelpunkt rücken. Es konnte ein Zusammenhang zwischen der Krankheitsaktivität und dem Vitamin D-Spiegel festgestellt werden (Orbach H et al. Ann N Y Acad Sci. 2007; Turhanoglu A et al, Rheumatol Int 2010). Dies wurde auch im Mausmodell bestätigt (Zervita et al, ARD Online first 2011).

Die Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass Vitamin D eine wichtige Rolle spielt. Vitamin D fördert den Einbau von Kalzium in die Knochen. Ein Vitamin D-Defizit im Zuge von Rheumatoider Arthritis begünstigt die Entwicklung einer Osteoporose und führt zu einer verringerten neuromuskulären Koordination. Die Folge kann ein erhöhtes Risiko für Stürze und Frakturen sein. Im Gegenzug scheint ein ausreichender Vitamin D-Spiegel diese zu mindern und auf den Verlauf der Rheumatoiden Arthritis positiv einzuwirken.  Eine jährliche Bestimmung des Vitamin-D-Wertes im Blut und eine entsprechende Substitution bei diagnostiziertem Mangel könnten, so Schett, hier angezeigt sein.

Kardiovaskuläre Ereignisse bei Rheumapatienten

Im Mittelpunkt des Vortrags von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Kay Brune, Direktor des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie, Universitätsklinikum Erlangen, stand der Einsatz des Proteins NT-proBNP zur Prognose von Herzkreislauf-Risiken bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis. Bei dieser Autoimmunkrankheit greift das menschliche Immunsystem die Gelenke an und ruft Entzündungsreaktionen hervor. Damit verbunden erhöhen sich bei Rheumapatienten auch die Risiken von Herzkreislauf-Erkrankungen, was durch die Einnahme von Schmerzmitteln noch verstärkt wird.

Im Rahmen einer Biomarker-Substudie des MEDAL-Programms (Multinational Etoricoxib and Diclofenac Arthritis Long-Term Study) konnte mit dem Biomarker NT-proBNP an 6.273 Patienten mit Rheumatoider Arthritis und Osteoarthritis zuverlässig nachgewiesen werden, dass unter Einnahme von COX-Hemmern oder Diclofenac ein hohes kardiovaskuläres Risiko besteht. Patienten, die einen NT-proBNP-Wert über 100pg/ml aufwiesen, hatten ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Patienten, deren Wert unter 100pg/ml lag. „Damit eignet sich NT-proBNP gut für die Vorhersage kardiovaskulärer Risiken bei Patienten mit Rheumatoider Arthritis, die mit Coxiben (Entzündungshemmern) behandelt werden", konstatierte Brune.

Biomarker und personalisierte Medizin in der Rheumatologie

Zum Abschluss des Symposiums ging Dr. med. Eugen Feist, Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Charité Universitätsmedizin Berlin, auf den Stellenwert von Antikörpern gegen citrullinierte Peptidantigene (aCCP) und Rheumafaktoren als Biomarker zu einer Therapie mit Rituximab ein. Studienergebnisse belegen, dass bei Patienten, bei denen diese Biomarker im Serum erhöht sind, besser auf eine Behandlung mit dem monoklonalen Antikörper ansprechen. Rituximab bindet gezielt an CD20. Das Protein ist auf der Oberfläche von B-Zellen des Immunsystems vorzufinden, die bei der Autoimmunerkrankung Rheumatoide Arthritis eine bedeutende Rolle spielen. Die Bindung von Rituximab schaltet die B-Zellen aus und stoppt damit den Entzündungsprozess im Körper. „Die Korrelation von aCCP und/oder Rheumafaktoren und Therapieansprechen kann dafür genutzt werden, um Ärzte in ihrer Therapieentscheidung effektiv zu unterstützen", resümierte Feist.

Glossar

  • Antikörper sind körpereigene Proteine (Immunglobuline), die im Verlauf einer Immunantwort von den B-Lymphozyten gebildet werden. Sie erkennen in den Körper eingedrungene Fremdstoffe (z. B. Bakterien) und helfen im Rahmen einer umfassenden Immunantwort, diese zu bekämpfen.
  • Immunologie ist eine Wissenschaft, die sich u. a. mit den Abwehrreaktionen von Mensch und Tier gegen Organismen wie Bakterien, Pilze und Viren, aber auch mit Abwehrreaktionen gegen fremde Zellen und Gewebe bzw. gegen eigene Zellen und Gewebe (Autoimmunreaktionen) beschäftigt.
  • Monoklonale Antikörper sind strukturell identische Antikörper, die daher auch über die exakt gleiche Bindungsstelle für ein Antigen verfügen.
  • Proteine (oder auch Eiweiße) sind hochmolekulare Verbindung aus Aminosäuren. Sie übernehmen vielfältige Funktionen in der Zelle und stellen mehr als 50 % der organischen Masse.
  • Ein Peptid ist eine organisch-chemische Verbindung, die aus mehreren Aminosäuren (AS) besteht, die miteinander zu einer Kette verbunden wurden. Die Aminosäuren sind über Peptidbindungen miteinander verknüpft. Als Peptide bezeichnet man relativ kurze Aminosäurenketten (20 - 100 Aminosäuren), dagegen bezeichnet man längere Aminosäurenketten (>100) als Proteine.
  • Terminal ist ein Synonym für endständig, abschließend, beendend, begrenzend. Eine terminale Aminosäure befindet sich am Ende einer Peptidkette. In der Medizin wird der Begriff terminale Erkrankung verwendet, wenn die Krankheit tödlich verläuft.
  • Biomarker sind messbare Produkte von Organismen (z.B. Proteine, Stoffwechselprodukte oder Hormone), die als Indikatoren beispielsweise für Umweltbelastungen oder Krankheiten herangezogen werden.
  • Das Immunsystem ist das körpereigene Abwehrsystem von Lebewesen, das Gefahren durch Krankheitserreger abwenden soll. Es schützt vor körperfremden Substanzen und vernichtet anormale (entartete) Körperzellen. Dies wird durch ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Organe, Zelltypen und chemischer Moleküle vermittelt.
  • Die Computertomographie (CT) ist ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung von Strukturen im Körperinneren. Dabei werden Röntgenaufnahmen aus verschiedenen Richtungen gemacht und anschließend rechnerbasiert ausgewertet, um ein dreidimensionales Bild zu erhalten.
  • Die Pharmakologie ist eine Wissenschaft, die sich mit der Wechselwirkung zwischen Arzneimitteln und Organismen befasst. Dabei gibt es zwei Verfahren zur Beurteilung: Die Pharmakokinetik beschreibt die Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechselung und Ausscheidung des Wirkstoffs, die Pharmakodynamik beschreibt die Wirkung des Arzneimittels im Organismus.
  • Als Autoimmunerkrankungen werden Krankheiten bezeichnet, bei denen das eigene Immunsystem gegen körpereigenen Zellen vorgeht. Diese Erkrankungen beruhen auf einer gestörten Fremd- bzw. Selbst-Erkennung des Immunsystems.
  • Vitamine sind lebenswichtige organische Verbindungen, die mit der Nahrung aufgenommen werden müssen, da sie der Körper nicht selbst synthetisieren kann. Sie sind für die Regulation des Stoffwechsels verantwortlich, indem sie die Verwertung von Kohlenhydrate, Proteine und Mineralstoffe ermöglichen. Man unterscheidet zwischen fettlöslichen und wasserlöslichen Vitaminen. Vitamin C ist zum Beispiel für die Stärkung des Immunsystems zuständig. Ausnahme: Vitamin D kann vom Körper produziert werden, solange genug Sonnenlicht vorhanden ist.
  • Osteoporose (Knochenschwund) ist die Abnahme der Knochenmasse, -struktur und -funktion im zunehmenden Alter. Durch den Schwund verliert der Knochen Stabilität wodurch Folgeerscheinungen wie verschiedene Arten von Knochenbrüchen auftreten können. Ursachen können Bewegungsmangel, falsche Ernährung, lange Kortisionbehandlungen oder genetische Vorbelastungen sein. Eine Behandlung kann zum Beispiel mit Bisphosphonaten erfolgen, die eine Apoptose der Osteoklasten (knochenabbauende Zellen) induzieren.
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