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Lebensmittelwissenschaften und Biotechnologie - ein Studium mit vielen Möglichkeiten

Ein Studium im Bereich der Lebenswissenschaften ist vielfältig und umfasst nicht nur die Biologie, sondern stellt Anforderungen im Bereich der gesamten Naturwissenschaften. Über den Verlauf des Bachelor in Lebensmittelwissenschaft und Biotechnologie an der Universität Hohenheim berichtet Michaela Häupler (Bachelor of Science). Im Gespräch mit Dr. Ariane Pott von der BIOPRO Baden-Württemberg erzählt sie außerdem, dass man sich im Studium nicht vor Mathe und Physik fürchten muss.

Warum haben Sie sich für ein Studium der Lebensmittelwissenschaften und Biotechnologie an der Universität Hohenheim entschieden?

Michaela Häupler studiert an der Universität Hohenheim. © Pott/BIOPRO

Ich habe in der Schule Biologie-Leistungskurs gehabt und auch Chemie belegt. Der Bio-Lehrer war früher bei BASF und hat daher sehr viel im Bereich Gentechnik und Biotechnologie gemacht, und so bin ich eigentlich auf Biotechnologie gekommen. Ich habe mich dann an verschiedenen Universitäten beworben und mich mit Hohenheim für die am nächsten liegende entschieden. Im Bachelor-Studium hat sich dann herausgestellt, dass das Studium den Schwerpunkt auf Lebensmittelwissenschaften legt, und so habe ich mich für Lebensmittelwissenschaften, also Food Science and Engineering als Master entschieden. Zum einen, weil es mir Spaß gemacht hat, und zum anderen, weil das Spektrum an Fächern, die man auswählen konnte, einfach größer war. Im Master kann man sich auch auf Food Microbiology and Biotechnology spezialisieren, aber im Bachelor liegt der Schwerpunkt definitiv auf den Lebensmittelwissenschaften. Man kann dort ein Wahlpflichtmodul Biotechnologie belegen, muss das aber nicht.

Welche Schwerpunkte haben Sie in Ihrem Bachelor-Studium gesetzt?

In der Fleischtechnologie werden auch erste Versuche zur Wurstherstellung gemacht. © w.r.wagner / pixelio.de

Die ersten drei Semester sind quasi ein Grundstudium, also mit Mathematik, Chemie, Physik und allgemeiner Biologie mit Biologen und Ernährungswissenschaftlern zusammen. Im Anschluss spezialisiert man sich ein wenig. Man muss vier von fünf Wahlpflichtmodulen belegen. Ich habe Verfahrenstechnik ausgelassen, da mir Chemie und Rheologie ein wenig mehr liegen als die reine Auslegung von Anlagen. Ich habe Mikrobiologie, Technologie funktioneller Lebensmittel - darin habe ich auch später meine Bachelor-Arbeit geschrieben - sowie Milchtechnologie und Lebensmittel pflanzlicher Herkunft belegt. Darin habe ich dann auch ein Wahlmodul gemacht, das sich mit der Chemie pflanzlicher Lebensmittel befasst hat. Es ging dabei unter anderem um Anthocyane und andere Farbstoffe sowie um Vitamine. In den meisten Themengebieten hatte man nur Vorlesungen. Ein Praktikum habe ich in Chemie und Physik und später dann in Mikrobiologie gemacht. Im vierten Semester hat man ein Ringpraktikum, in dem sich jedes Fachgebiet mit zwei Versuchen quasi vorstellt. In Fleischtechnologie hat man zum Beispiel Brühwürste hergestellt, bei den funktionellen Lebensmitteln Versuche mit Emulsionen gemacht, in der Getreidetechnologie verschiedene Backverfahren untersucht und in der Gärungstechnologie Schnaps hergestellt. Der Hauptteil der praktischen Arbeit kommt dann allerdings erst wieder in der Bachelor-Arbeit.

Womit haben Sie sich in Ihrer Bachelor-Arbeit befasst?

Ich habe meine Bachelor-Arbeit im Fachgebiet Technologie funktioneller Lebensmittel bei Prof. Dr. Jochen Weiss gemacht. Dort habe ich ein interessantes Projekt bekommen, was jedoch in der Bearbeitung recht lange gedauert hat. Aber es war gut, einfach mal längere Zeit am Stück im Labor zu arbeiten. Bisher hatte ich nur mit einem Praktikumsskript gearbeitet, in dem genau drin steht, was zu tun ist. In der Bachelorarbeit muss man doch ein wenig selbstständiger arbeiten und benötigt auch Zeit, sich in das Thema einzuarbeiten. Drei Monate sind schon knapp kalkuliert, aber die Bachelor-Arbeit macht ja auch nur ca. sieben Prozent der Bachelor-Note aus. Bei der Master-Arbeit hat man sechs Monate Zeit, die meisten, die ich kenne, brauchen aber sieben bis acht.

Meine Arbeit habe ich auf Englisch verfasst, der deutsche Titel lautet: "Mehrschichtige Liposomen mit Öl-Wasser-Emulsionen, die durch Pektin stabilisiert wurden." Dabei ging es darum, dass ich eine Emulsion mit verschiedenen Tropfengrößen hergestellt und diese dann in mehrschichtige Liposomen verkapselt habe. Ich habe viel von Hand gemacht, also zum Beispiel Kolben geschwenkt und so, also nichts, was man später in der Industrie so machen würde. Es ging darum zu schauen, ob, wenn man das Ganze mit Pektin geliert, die Emulsion noch in den Liposomen drin ist oder sich außen anlagert. Wenn man in den Liposomen zum Beispiel Vitamine stabilisieren könnte, wäre das eine Alternative zu bekannten Verkapselungstechniken. Den Komplex geprüft habe ich dann mit konvokaler Laser-Mikroskopie und konnte leider nicht sicher sagen, ob die Einkapselung tatsächlich funktioniert hat. Die Arbeit war also noch sehr nah im Bereich der Grundlagenforschung

Während Ihres Studiums haben Sie auch ein Auslandssemester gemacht?

Ich wollte gerne mal an eine andere Uni im englischsprachigen Ausland, um die englische Sprache im Laboralltag kennenzulernen. Ich bin daher zu Professor Weiss und habe ihn gefragt, ob er mir dabei helfen könnte. Da ich nicht in die USA wollte, hat er mir daraufhin Kanada vorgeschlagen und den Kontakt zu Professor Marangoni hergestellt.
An der Universität Hohenheim musste ich ein Urlaubssemester beantragen. Dafür brauchte ich auch die Bestätigung aus Kanada, dass ich dort im Labor arbeiten kann. Das Semester wird nicht als Fachsemester angerechnet. Man schreibt also keine Klausuren in dem Semester. Diese schreibe ich jetzt in meinem vierten Master-Semester, in dem ich sonst die Master-Arbeit anfertigen würde.

Ich bin dann für sechs Monate an die University of Guelph in Ontario gegangen. Es war eine unglaubliche Erfahrung. Professor Marangoni ist sehr relaxt und ich habe einiges dort gelernt, auch eine Menge Selbstständigkeit. Ich hatte das Glück, dass eine Studentin von der Uni Hohenheim, die an der University of Guelph bei einem anderen Professor ihre Diplomarbeit gemacht hat, für mich die Wohnungssuche vor Ort übernommen hat. Sie hatte für mich eine Unterkunft bei einer Mitarbeiterin aus dem Institut von Professor Marangoni organisiert. Und so kam es, dass meine wissenschaftliche Betreuerin auch gleichzeitig meine Vermieterin war. Das war eine richtig coole Zeit, weil ich durch sie auch viel Unterstützung bekommen habe. Begeistert hat mich die kanadische Mentalität, die Leute waren alle super aufgeschlossen.

Woran haben Sie dort gearbeitet?

Damit Schokolade auf der Zunge zergeht, muss das Fett in der richtigen Struktur vorliegen. © Dorothea Jacob / pixelio.de

Professor Marangoni ist ein Spezialist für Fettkristallisation, unter anderem auch für Schokolade und Kakaobutter. Ich habe an der Kristallisation von Kakaobutter gearbeitet und wie man diese mit Ultraschall überwachen kann. Ich sollte herausfinden, wie man die Kakaobutter so temperiert, dass die richtige Kristallform herauskommt. Kakaobutter hat sechs Kristallstrukturen, und man möchte in der Schokolade die fünfte Struktur erreichen. Dafür habe ich mit einem Informatiker zusammengearbeitet, der mir zunächst die Messverfahren und die Software der Ultraschallmessung erklärt hat. Die gewünschte Struktur schmilzt bei Körpertemperatur. Und so ergibt sich, dass die Schokolade auf der Zunge angenehm schmilzt. Um die gewünschte Kristallstruktur zu erreichen, muss man die Kakaobutter temperieren. Wenn man Schokolade zum Beispiel in den Kühlschrank legt, dann wird die Oberfläche rau. Hier liegt dann die falsche Struktur der Kakaobutter vor, hervorgerufen durch falsche Lagerung. Mit dem Ultraschall soll nun das Kristallmuster der Schokolade online im Produktionsprozess geprüft werden. Sollte diese nicht die entsprechende Kristallstruktur haben, so kann man sie zur Temperierung zurückführen. Der Ausschuss bei der Schokoladenproduktion könnte so reduziert werden.

Sie haben sich für das Master-Studium entschlossen. Hätten Sie sich auch vorstellen können, mit dem Bachelor aufzuhören?

Mein Studienjahrgang war der zweite Bachelor-Jahrgang. Hier gab es noch viele Leute mit Diplomabschluss, so dass der Bachelor in der Industrie noch nicht angekommen war. Mittlerweile wird sich das geändert haben. Zudem hätte ich damals noch nicht gewusst, wo ich arbeiten möchte. Da ich jedoch in den Bereich Forschung und Entwicklung möchte, ist der Master auf jeden Fall gut, und ich halte mir so auch die Möglichkeit zur Promotion hin offen.
Da es zu wenige Masterplätze gab, haben manche meiner Kommilitonen auch ein Semester gewartet und Praktikum gemacht, ohne eingeschrieben zu sein.

Wie läuft dann der Masterstudiengang ab?

Der Masterstudiengang heißt Food Science and Engineering. Man hat ein paar Pflichtmodule. Da geht es unter anderem um Anlagenauslegung, Mathematik und Prozessflüsse. Ich habe mich im Master noch nicht spezialisiert und habe mir jetzt noch Getreide- und Gärungstechnologie angehört, da ich im Bachelor nichts zu dem Thema gemacht habe. Im Bereich pflanzliche Lebensmittel wird jedes Semester ein Modul angeboten. Die Module bauen teilweise aufeinander auf. Hier wäre also eine Spezialisierung, erst Vorlesung, dann ein Praktikum und im Anschluss eine Vertiefung möglich. Ich werde im Bereich Technologie funktioneller Lebensmittel und Fleischtechnologie weitermachen. Das neue Fachgebiet zu dem Thema wird nun von Professor Weiss geleitet, der im Bereich funktioneller Lebensmittel forscht. Es gibt aber auch einen Metzgermeister und ein Technikum für Fleischtechnologie. Die Süßwaren, die ich in Kanada gemacht habe, gibt es an der Uni Hohenheim leider nicht. Ich habe auch jetzt schon ein interessantes Thema mit Kollagen bekommen.

Was möchten Sie im Anschluss mit Ihrem Abschluss machen?

Ich würde gerne erst einmal in die Industrie, um einfach etwas anderes zu sehen. Ich habe ja in Kanada ein Praktikum an der Uni gemacht. Und in der Industrie ist es, denke ich, schon anders. Deshalb würde ich gerne für ein paar Jahre in die Industrie. Ich könnte mir vorstellen, in Richtung Fleischtechnologie, Getränke- oder Süßwarenindustrie zu gehen. Sollte sich eine Promotion ergeben, so würde ich aber auch nicht nein sagen.

Was würden Sie jemandem raten, der jetzt Lebensmittelwissenschaften und Biotechnologie studieren möchte?

Ich hatte im dritten Semester, als das Studium sehr physiklastig wurde, einen kleinen Durchhänger. Aber ich habe es durchgezogen und bin da jetzt auch froh drüber. Ich möchte also jedem raten, das Studium trotz kleinerer Probleme durchzuziehen. Der Bachelor dauert drei Jahre, und in dieser recht kurzen Zeit hat man dann ein abgeschlossenes Studium.

Zudem sollte jeder so viel wie möglich ausprobieren. Ich habe zum Beispiel als Wahlpflichtmodul auch mal bei den Chemikern reingeschaut. Im Bachelor kann man sehr gut in alles reinschnuppern, im Master ist das aufgrund des anderen Studiensystems von Blockmodulen nicht mehr so einfach möglich.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/lebensmittelwissenschaften-und-biotechnologie-ein-studium-mit-vielen-moeglichkeiten/