Powered by

Ulmer Aderlass: Lenhard Rudolph wechselt nach Jena

Für den Wissenschaftsbetrieb ist der stete Wechsel das Normale. Dennoch schmerzt es die junge Ulmer Universität mehr als eine große Voll-Universität, dass einer ihrer angesehensten Wissenschaftler, der Stammzellforscher Karl Lenhard Rudolph, an das Leibniz-Institut für Altersforschung (Fritz-Lipmann-Institut, FLI) in Jena wechselt. Dort soll der Leibnizpreisträger Ende 2012 die Stelle des Direktors bekleiden. Mit Rudolphs Weggang fehlt der Ulmer Hochschule damit die Galionsfigur für ihren Schwerpunkt Alternsforschung.

Das FLI gilt als erstes nationales Forschungsinstitut, das sich der biomedizinischen, molekularen Alterungsforschung widmet. Es ging aus dem Institut für molekulare Biotechnologie hervor und wurde nach dem deutsch-amerikanischen Nobelpreisträger Lipmann 2005 im Zuge seiner vom Wissenschaftsrat angemahnten Neuausrichtung benannt. Mit dem Max-Planck-Institut für die Biologie des Alterns in Köln wird ein zweites Forschungscluster zu diesem Thema etabliert, dessen Aufbau 2012 abgeschlossen sein soll.

FLI: Größer und mächtiger

Leibnizpreisträger folgt Ruf eines Leibniz-Instituts, Prof. Lenhard Rudolph. © Uni Ulm

Anders als die nur mit Landesmitteln ausgestattete Universität kann das zur Leibniz-Gemeinschaft zählende FLI auch auf Bundesmittel zurückgreifen. Das Forschungsinstitut FLI zählt rund 300 Mitarbeiter (mehr als die Hälfte davon Wissenschaftler). Es darf als wahrscheinlich gelten, dass mit Lenhard Rudolph auch seine rund 30-köpfige Arbeitsgruppe den Ulmer Campus verlässt.

Rudolphs Hauptmotiv für seinen Wechsel waren „die enormen Gestaltungsmöglichkeiten am Standort Jena". Sein Ziel: „das FLI zu einem international führenden Institut auf dem Gebiet der Alternsforschung weiterzuentwickeln". Der Noch-Ulmer will am FLI die Stammzellalterung und Genomintegrität verstärken. Diese beiden Themenbereiche seien sowohl für das Nachlassen von Organfunktionen als auch das exponentiell ansteigende Krebsrisiko im Alter von grundlegender Bedeutung.   

Präsident beklagt Fehlen außeruniversitärer Institute

Unipräsident Prof. Karl Joachim Ebeling. © Uni Ulm

„Wir verstehen die Entscheidung, die wir gleichwohl sehr bedauern", kommentierte Universitätspräsident Karl Joachim Ebeling die Wechselabsicht Rudolphs, derzeit noch Direktor des Instituts für Molekulare Medizin und Leiter der Max-Planck-Forschungsgruppe für Stammzellalterung. „Mit ihm verlieren wir einen Top-Leistungsträger, der hier in den vergangenen Jahren durch exzellente Arbeit überzeugt und das Forschungsprofil im wichtigen Bereich der Lebenswissenschaften entscheidend geprägt hat." Insofern sei die Universität Ulm Professor Rudolph „zu großem Dank verpflichtet".

Rudolph ist seit September 2007 an der Universität Ulm, hat den Lehrstuhl für Molekulare Medizin inne und leitet die damals neu eingerichtete Max-Planck-Forschungsgruppe Stammzellalterung, die erste außeruniversitäre Einrichtung. Mit Rudolphs Wechsel nach Jena ist auch der Verbleib dieser außeruniversitären Gruppe (nicht zu verwechseln mit einem Institut) höchst fraglich.

Und ewig lockt das Geld: Ungleicher Wettbewerb

Auch deswegen habe die Uni dem umworbenen Wissenschaftler „ein durchaus wettbewerbsfähiges Bleibeangebot unterbreitet“, betonte Ebeling. „Dabei sind wir gemeinsam mit dem Klinikum und der Medizinischen Fakultät bis an die Grenze des Mach- und Vertretbaren gegangen. Letztendlich konnten wir jedoch nicht mit den Möglichkeiten, die das Fritz-Lipmann-Institut als Einrichtung der Leibniz-Gemeinschaft bietet, konkurrieren. Dies bestätigt einmal mehr, dass der Standort Ulm ohne die Ansiedlung großer außeruniversitärer Forschungsinstitute insbesondere auch in der Medizin einen klaren Wettbewerbsnachteil hat.“ Zu den möglichen Folgen für die künftige Ausrichtung der Ulmer Uni auf diesem Gebiet wollte sich der Präsident spontan nicht äußern.

Erst am vergangenen Wochenende hatte der Leibnizpreisträger Lenhard Rudolph den mit 30.000 Euro dotierten Wilhelm-Vaillant-Preis für „seine bahnbrechenden Leistungen in der Erforschung der molekularen Ursachen des Alterns“ in München in Empfang genommen.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/ulmer-aderlass-lenhard-rudolph-wechselt-nach-jena/