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Bachelor und Master auf dem Prüfstand – hat sich das neue System bewährt?

Mehr Praxisbezug im Studium, kürzere Studienzeiten und die europaweite Vergleichbarkeit der Studiengänge – an die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge in Deutschland vor einigen Jahren knüpften sich hohe Erwartungen und Hoffnungen. Inzwischen sind die Studiengänge fast flächendeckend eingeführt – doch haben sich die Erwartungen erfüllt? An Universitäten und in Unternehmen kann nach einigen Jahren der Erfahrung nun eine Zwischenbilanz gezogen werden.

Studieren mit Ziel Bachelor und Master – für die Studierenden des Masterstudiengangs Biomedical Engineering und anderer Richtungen an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen gehört das schon seit Jahren zur Normalität. © Hochschule Albstadt-Sigmaringen

Bachelor und Master gehören inzwischen zum Alltag in der deutschen Hochschullandschaft: Dreizehn Jahre nach der Unterzeichnung der Bologna-Erklärung führten im Wintersemester 2011/12 bereits 85 Prozent der Studiengänge an Universitäten und Hochschulen zu den neuen Abschlüssen (1). Mit der Umstellung des Studiensystems auf ein dreijähriges Bachelor-Studium, an das sich ein zweijähriges Master-Studium anschließt, sollte ein europaweit einheitliches System geschaffen werden. In Deutschland erhofften sich Vertreter der Wirtschaft außerdem eine Verkürzung der Studienzeiten und eine mehr praxisorientierte Ausrichtung der Studiengänge. Heute zeigt sich, dass sich nicht alle, aber doch einige der Erwartungen erfüllt haben.

Mit der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge sollten nicht lediglich die Inhalte der alten auf die neuen Studiengänge übertragen werden, sondern vor allem auch soft skills und wissenschaftliche Arbeitstechniken stärker in den Blick genommen werden. Ziel war dabei, die Studierenden besser auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten.

Beispiel: Hochschule Albstadt-Sigmaringen

Professor Dr. Markus Lehmann ist Prorektor an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen und war selbst an der Umstellung einiger Studiengänge auf das neue Studiensystem beteiligt, etwa beim Diplomstudiengang Pharmatechnik. Er bestätigt, dass der Kompetenzerwerb in den neuen Studiengängen an Bedeutung zugenommen hat. „Durch die Umstellung lernen die Studenten besser, eigenständig zu arbeiten“, ist er sich sicher. Die Präsenzzeiten in Vorlesungen und Übungen seien im Vergleich zu den Diplomstudiengängen geringer, gleichzeitig falle aber mehr Zeit an für die persönliche Vor- und Nachbereitung der Lehrveranstaltungen. Ein Praxissemester, schon in Diplomzeiten Pflicht, ist auch in den neuen Studiengängen erhalten geblieben. „Dadurch sind unsere Absolventen nach wie vor gut für den Arbeitsmarkt gerüstet“, betont er. Gleichzeitig stünden den Studierenden mit den neuen Studiengängen mehr Optionen zur Zukunftsplanung offen.

Ein Hochschulwechsel sei durch die Gleichstellung von Universitäts- und Fachhochschulabschlüssen erleichtert worden, außerdem könne besser auf die Bedürfnisse von theorie- und praxisorientierten Studierenden eingegangen werden. „Der Bachelor ist für praxisorientierte Studierende ein erster Abschluss, mit dem ein Einstieg in den Arbeitsmarkt möglich ist“, sagt Lehmann. „Wer die wissenschaftlichen Inhalte vertiefen will, kann das im Master tun.“

Margit Jetter, Leiterin des Career Services an der Universität Konstanz, berät Studierende zu den unterschiedlichsten Themen - von der Praktikums- bis zur Stellensuche. © Universität Konstanz

Mehrzahl der Bachelorabsolventen strebt Masterstudium an

Tatsächlich sollte die Einführung des Bachelors als Regelabschluss die allgemeine Studiendauer verkürzen und einen schnelleren Berufseinstieg ermöglichen. Margit Jetter, Leiterin des Career Services an der Universität Konstanz, hat allerdings bisher nur selten Bekanntschaft mit Bachelorstudierenden gemacht, die im Anschluss direkt in den Job einsteigen wollen. „Insgesamt steigt die Zahl der Ratsuchenden beim Career Service seit Jahren kontinuierlich, auch unter Mathematik- und Naturwissenschaftsstudierenden“, berichtet sie. Jedoch seien die Anliegen der Studierenden sehr unterschiedlich: „Bachelorstudierende suchen beim Career Service am häufigsten Hilfe bei der Praktikumsplanung, während die Stellensuche eher Master-, Magister- und Diplomstudierende betrifft.“ Eine Studie an der Universität Konstanz zu Absolventen des Bachelorabschlussjahrgangs 2008/09 bestätigt diese Zahlen: Etwa vier Fünftel der Bachelorabsolventen beabsichtigen demnach, so bald wie möglich ein Masterstudium aufzunehmen, meistens, weil sie mit dem Bachelorabschluss für sich keine Berufsperspektive erkennen (2).

Berufseinstieg mit Bachelor – besser möglich als gedacht

Doch zeigen Unternehmen wirklich kein Interesse an Bachelorabsolventen? Zwei Unternehmensbefragungen aus den Jahren 2009 und 2010 zeichnen ein deutlich positiveres Bild, als es in der Wahrnehmung der Studenten existiert (3).

Zwar werden Bachelorabsolventen ihren Kommilitonen mit Master- und Diplomabschluss nicht gleichgestellt, sie arbeiten häufiger in der Sachbearbeitung und dürfen sich selten an eigenständige Projektaufgaben wagen. Auch die Gehälter liegen anfangs unter denen von Master- und Diplomabsolventen. Allerdings gleichen sich die Gehaltsunterschiede nach einigen Jahren der Berufserfahrung deutlich an, und ein Großteil der Unternehmen traut Bachelorabsolventen sogar den Aufstieg zum Projekt-, Bereichs- und Abteilungsleiter zu.

Arbeitsleben: Weniger Verantwortung, anfängliche Gehaltsunterschiede

Wie bei Trenzyme arbeiten heute in verschiedenen Unternehmen Absolventen sowohl mit Diplom-, als auch mit Bachelor- oder Masterabschluss. © Trenzyme GmbH

Die Unternehmen setzten eher auf persönliche Eigenschaften: Identifikation mit den Zielen des Unternehmens, Leistungsmotivation und Kommunikationsfähigkeit sind für sie die wichtigsten Einstellungskriterien. Auch Dr. Sarah Ulmschneider-Renner, Leiterin im Bereich Talent Resourcing beim Chemiekonzern BASF SE, sieht realistische Chancen für Bachelorabsolventen in ihrem Unternehmen. „In den letzten Jahren haben wir sowohl Diplom-, als auch Bachelor- und Masterabsolventen eingestellt, meist im wirtschafts- und ingenieurwissenschaftlichen Bereich“, berichtet sie. Die Zufriedenheit mit den Absolventen sei nach wie vor sehr hoch, Unterschiede zwischen Diplom- und Masterabsolventen ließen sich nicht erkennen. Für die Arbeit in der Forschung und Entwicklung seien allerdings weder Master noch Diplom ausreichend – hier empfehle sich in den meisten Fällen die Promotion.

Auslandsmobilität: Naturwissenschaftler und Ingenieure bilden das Schlusslicht

Bachelor und Master sind europaweit verbreitete Abschlüsse. Mit ihrer Einführung sollte auch die Durchführung eines Auslandssemesters erleichtert werden. Allerdings lässt sich für die Einführungsphase der neuen Studiengänge kein deutlicher Anstieg der Studierendenmobilitätsrate beobachten. Untersuchungen zur Mobilitätsrate von Studierenden in den alten Studiengängen zeigen, dass diese seit dem Jahr 2000 in etwa konstant blieb: Etwa dreißig Prozent der Studierenden im 9. bis 14. Semester gaben demnach an, in ihrem Studium bereits Auslandserfahrung gesammelt zu haben. Mit der Einführung der neuen Studiengänge sank diese Quote leicht auf 25 Prozent, wobei große Unterschiede zwischen Bachelor- und Masterstudenten bestehen: Nur 17 Prozent der Bachelorstudierenden gaben an, bereits Auslandserfahrung gesammelt zu haben, bei den Masterstudierenden hingegen lag die Quote bei 35 Prozent.

Deutlich wird auch: Je nach Studienrichtung ist der Anteil der Studierenden mit Auslandserfahrung sehr unterschiedlich. Während 2011 etwa 30 Prozent der Studierenden aus den Studienrichtungen Sprach- und Kulturwissenschaften sowie Sport Auslandserfahrungen vorweisen konnten, lag die Quote bei Mathematikern, Naturwissenschaftlern und Ingenieuren bei nur 17 Prozent (4). Die Hindernisse bei der Durchführung eines Auslandssemesters sind dabei sehr unterschiedlich. Margit Jetter berichtet beispielhaft für die Konstanzer Universität, dass die meisten Studierenden wegen Finanzierungsschwierigkeiten, aus Angst vor einer Überschreitung der Regelstudienzeit und wegen organisatorischer Hürden auf einen Auslandsaufenthalt verzichten. Dennoch gibt es Ausnahmen vom allgemeinen Trend: 40 Prozent der Konstanzer Absolventen haben einen Teil ihres Studiums im Ausland verbracht. Damit liegt die Universität Konstanz deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 25 Prozent.

Fazit: Probleme angehen, Scheinprobleme überwinden

Bachelor und Master sind in Deutschland fast flächendeckend eingeführt – die mit ihnen verbundenen Ziele sind allerdings noch nicht vollständig erreicht. Gerade am Thema Auslandsmobilität zeigt sich das sehr deutlich. Hier könnte noch nachgebessert werden, beispielsweise durch die Integration von obligatorischen Auslandssemestern in die Studienordnungen oder durch verbesserte Beratungs- und Förderungsmöglichkeiten an den Hochschulen. Gleichzeitig gilt es aber auch, Vorurteile und Fehlinformationen bezüglich der neuen Studiengänge aus dem Weg zu räumen. An dieser Stelle könnten die Unternehmen selbst aktiv werden, indem sie offensiv ihre Akzeptanz der neuen Studiengänge nach außen bringen.

Quellen:

1. HRK Hochschulrektorenkonferenz: Statistische Daten zu Bachelor- und Masterstudiengängen Wintersemester 2011/12

2. https://www.gesundheitsindustrie-bw.dewww.career-service.uni-konstanz.de/arbeitgeber/informationen-rund-um-bachelor-und-master/studienverlauf-und-verbleib-der-absolventinnen/

3. Konegen-Grenier, Christiane: Bachelor und Master auf dem Arbeitsmarkt: Ergebnisse aus zwei Unternehmensbefragungen, in: Wirtschaftsdienst. Zeitschrift für Wirtschaftspolitik, 91. Jahrgang 2011, Sonderheft.

4. https://www.gesundheitsindustrie-bw.dewww.go-out.de/imperia/md/content/go-out/entwicklung_auslandsmobilit__t_171111.pdf

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/dossier/bachelor-und-master-auf-dem-pruefstand-hat-sich-das-neue-system-bewaehrt