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Breite Allianz fordert Nachhaltigkeitsstrategie für das Gesundheitswesen

Der BKK Dachverband, die Bundesärztekammer (BÄK), der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) und das Centre for Planetary Health Policy (CPHP) haben heute ihre Forderungen für eine verbindliche Nachhaltigkeitsstrategie im deutschen Gesundheitswesen vorgestellt. Die Initiative wird inzwischen von 33 Organisationen aus der nachhaltigen Wirtschaft und Industrie, dem Krankenkassenbereich sowie der Forschung und Wissenschaft unterstützt.

Mit dem Papier senden die Organisationen ein deutliches Signal an die Politik: Nachhaltigkeit muss in den anstehenden Strukturreformen verbindlich verankert werden, damit das deutsche Gesundheitswesen langfristig finanzierbar bleibt und den internationalen Anschluss nicht verliert. Die Eckpunkte werden in Kürze dem Bundesministerium für Gesundheit sowie den Mitgliedern des Deutschen Bundestags übergeben.

Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes:

„Nachhaltigkeit ist kein Add-on, um das wir uns erst kümmern können, wenn andere Probleme im Gesundheitswesen und in der GKV gelöst sind. Inzwischen ist sie die Grundvoraussetzung und einer der größten Hebel für die langfristige Versorgungssicherheit, die Versorgungsqualität und die Finanzierbarkeit unseres Gesundheitssystems. Und sie ist ein wichtiger Standortfaktor für Deutschland. Kurzfristige Kostendämpfung allein wird die strukturellen Probleme des Gesundheitswesens nicht lösen. Langfristige Stabilität kann nur erreicht werden, wenn die Art und Organisation der Versorgung auch ressourcenschonend weiterentwickelt werden.“

Das Eckpunktepapier beschreibt Handlungsbedarfe in neun Kernbereichen: von Governance, Prävention und Versorgungsplanung über ambulante, pflegerische und stationäre Versorgung bis hin zu Arzneimitteln, Medizinprodukten, Abfallreduktion, Transport und Digitalisierung. Die Initiatoren fordern, diese Eckpunkte unter Federführung des Bundesministeriums für Gesundheit zu einer verbindlichen Strategie weiterzuentwickeln. Ganz wichtig: Dabei geht es nicht um weniger Versorgung, sondern um bessere: wirksam, präventiv, ressourcenschonend und am tatsächlichen Bedarf der Patientinnen und Patienten orientiert.

Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer:

„Nachhaltigkeit ist für Ärztinnen und Ärzte keine abstrakte Klimafrage, sondern eine Frage der Versorgungsqualität. Gute Medizin bedeutet auch, Ressourcen verantwortungsvoll einzusetzen und Prävention zu stärken. Die nachhaltigste Behandlung ist oft die, die durch gute Prävention gar nicht erst notwendig wird.“

Auch Arzneimittel, Medizinprodukte und Lieferketten rücken zunehmend in den Fokus. Sie zählen zu den relevanten Emissions- und Ressourcentreibern im System. Damit Nachhaltigkeit systematisch berücksichtigt werden kann, fordert das Bündnis vergleichbare Standards, Planungssicherheit und einen klaren politischen Rahmen.

Dr. Kai Joachimsen, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie:

„Wir haben ein gemeinsames Ziel und sind froh über die Kooperation und den Dialog. Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, die Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit gleichermaßen ermöglichen, belastbare Daten, vergleichbare Standards und – wie in der EU geplant — gezielte Förderung, um wieder mehr in Europa zu entwickeln und zu produzieren.“

Die politische Signalwirkung des Bündnisses ist besonders stark: Bei vielen gesundheitspolitischen Fragen vertreten die beteiligten Akteure unterschiedliche Positionen. Umso bemerkenswerter ist es, dass sie beim Thema Nachhaltigkeit gemeinsam Handlungsbedarf formulieren. Internationale Erfahrungen aus England, den Niederlanden, Dänemark und Österreich zeigen zudem, dass verbindliche Strategien und Zielsysteme im Gesundheitswesen möglich und wirksam sind.

Dorothea Baltruks, Leiterin des Centre for Planetary Health Policy

„Es gibt bereits viele Initiativen und Aktivitäten für Nachhaltigkeitsbestrebungen im Gesundheitswesen. Doch diese bleiben Einzelbeispiele, die oft von individuellen Bemühungen abhängig sind, solange es an einer Gesamtstrategie fehlt. Unsere Nachbarländer zeigen: Es braucht eine gemeinsame Zielsetzung, koordiniertes Vorgehen und politische Unterstützung – den Anstoß dafür liefern wir mit diesem Eckpunktepapier.“

Das Eckpunktepapier ist kein fertiger Maßnahmenplan, sondern ein strategischer Rahmen – und ein Angebot an die Politik, Nachhaltigkeit als Grundbedingung für ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem zu verankern.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/breite-allianz-fordert-nachhaltigkeitsstrategie-fuer-das-gesundheitswesen