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Deutsche Biotech-Branche: Finanzierung leicht rückläufig – weiterhin keine Börsengänge in Deutschland in Sicht

Trotz einer herausfordernden Marktlage konnten Deutschlands Biotech-Unternehmen im Jahr 2025 insgesamt 1,8 Milliarden Euro an Kapital einsammeln – ein Minus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als diese Summe bei 1,9 Milliarden Euro lag. Die Investitionen in Form von Venture Capital sanken im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls, von knapp 900 Millionen Euro im Jahr 2024 auf 601 Millionen Euro (minus 33 Prozent). Diese Summe konzentrierte sich dabei zusätzlich auf wenige große Unternehmen in späteren Entwicklungsphasen. So sammelten die Top-3-Deals insgesamt 71 Prozent des Risikokapitals. Kleinere Biotechs hatten deutlich mehr Schwierigkeiten, Kapital einzuwerben.

Dies sind Ergebnisse des „German Biotechnology Report 2026“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, erstellt in Kooperation mit dem Branchenverband BIO Deutschland.

Klaus Ort, Senior Partner im Bereich Life Sciences & Health bei EY-Parthenon, sagt: „Trotz wirtschaftlichen Gegenwinds konnte Deutschlands Biotech-Branche sich im Sturm behaupten. Allerdings bleibt der Strukturwandel im Finanzierungsumfeld spürbar: Kapital ist zwar verfügbar, es konzentriert sich jedoch zunehmend auf wenige, bereits weiter entwickelte Unternehmen. Insbesondere in der Wachstumsphase geraten viele Biotechs ins Stocken. Eine nachhaltige Entwicklung der Branche hängt daher maßgeblich davon ab, ob es gelingt, Finanzierungslücken zu schließen und den Übergang von Forschung zu industrieller Wertschöpfung zu beschleunigen.“

Dr. Viola Bronsema, Geschäftsführerin des BIO Deutschland e. V., betont: „Deutschland hat ein Problem mit der Wertschöpfung von biotechnologischen Erfindungen und Entwicklungen: Die wissenschaftliche Exzellenz ist unbestritten, doch sie führt bislang nicht im gleichen Maße zu wirtschaftlicher Stärke. Begrenzter Zugang zu Wachstumskapital und langwierige Prozesse in fragmentierten Strukturen bremsen die Entwicklung. Entscheidend ist jetzt, diese Rahmenbedingungen zügig und gezielt zu verbessern. Umso wichtiger ist ein innovationsfreundliches Zusammenspiel von Politik, Kapitalmarkt und Industrie, das Investitionen erleichtert und Skalierung ermöglicht.“

Branchenumsatz rückläufig

Insgesamt lag der Gesamtumsatz der Biotech-Branche im Jahr 2025 bei zwölf Milliarden Euro – ein Minus von einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sanken um vier Prozent auf 4,5 Milliarden Euro. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stieg um drei Prozent auf 59.607 Angestellte in inzwischen 1.052 Unternehmen (plus drei Prozent). Der deutsche Biotech-Markt hat es im Jahr 2025 darüber hinaus erneut nicht geschafft, das IPO-Fenster zu öffnen und damit einen Börsengang eines deutschen Biotech-Unternehmens auf dem heimischen Parkett zu realisieren. Dies steht in deutlichem Kontrast zu den USA: Selbst in einem insgesamt schwächeren Marktumfeld fanden dort im Jahr 2025 immerhin zwölf Biotech-Börsengänge statt, bei denen rund 2,1 Milliarden Euro eingeworben wurden.

Auch die letzten zehn Börsengänge deutscher Biotech-Unternehmen haben fast alle an der US-Technologiebörse NASDAQ stattgefunden. Der letzte IPO in Deutschland liegt – außer der in 2024 gelisteten Pentixapharm - bereits Jahre zurück (BRAIN Biotech im Jahr 2016; davor Wilex im Jahr 2006). Ort: „Das Ausbleiben heimischer Börsengänge stellt eine erhebliche strukturelle Schwäche dar: Börsennotierungen ermöglichen Unternehmen einen breiteren Zugang zu Kapital und schaffen gleichzeitig liquide Bewertungen für Folgefinanzierungen. Deutschen Biotech-Startups fehlt dieser Weg zur Kapitalbeschaffung am heimischen Markt weitgehend.“ Der deutsche Biotech-M&A-Bereich hat nach einem starken Jahr 2024 im vergangenen Jahr wieder an Dynamik verloren: Zwar prägten weiterhin große Einzeltransaktionen das Marktgeschehen, außerdem stieg die Gesamtzahl der Fusionen und Übernahmen – von zehn im Jahr 2024 auf 13 im vergangenen Jahr. Allerdings sank der M&A-Wert um 1,8 Milliarden Euro auf 2,9 Milliarden, ein Minus von 38 Prozent.

Nach Erholung im Jahr 2024: Frühphasenfinanzierung bricht ein

Im Jahr 2025 hat sich die Situation der Frühphasenfinanzierung im Vergleich zum Vorjahr deutlich verschlechtert: Nachdem sich der Wert vom Jahr 2023 (207 Millionen Euro) im Vergleich zum Jahr 2024 (419 Millionen Euro) mehr als verdoppelt hatte, liegt er im aktuellen Analysezeitraum bei 160 Millionen Euro. Besonders dramatisch dabei: Der Einbruch in der so genannten Series-B-Finanzierung, wo die Summe von 169 Millionen Euro auf sieben Millionen Euro sank – ein historischer Tiefstand der vergangenen acht Jahre. Bronsema: „Dieser starke Rückgang bei der Anschlussfinanzierung deutet darauf hin, dass größere Venture‑Capital‑Folgerunden zwischen 2022 und 2025 aufgrund wachsender Investorenunsicherheit kaum noch zustande kamen.“ Demgegenüber blieb die Series‑A‑Finanzierung mit 75 Millionen Euro im Jahr 2025 relativ stabil. Auch die Seed‑Finanzierung ging nach dem Rekordniveau im Jahr 2024 zwar auf 78 Millionen Euro zurück, lag damit aber weiterhin deutlich über dem historischen Durchschnitt.

Diese Entwicklung weist auf ein anhaltendes „Flaschenhalsproblem“ der Branche hin, so Bronsema: „Während in Deutschland viele neue Biotech-Startups gegründet werden und die erste Finanzierungsrunde solide funktioniert, besteht beim Übergang in die Wachstumsphase ein erheblicher Engpass. Ohne ausreichendes Kapital für die zweite Finanzierungsrunde haben viele junge Unternehmen Schwierigkeiten, ihre Technologien bis zur klinischen Reife zu entwickeln oder zu skalieren.“ In der Folge seien sie oft gezwungen, sich frühzeitig an internationale Investoren zu verkaufen oder ihre Aktivitäten ins Ausland zu verlagern, sagt Bronsema weiter. Experten warnten deshalb, dass ein Mangel an Wachstumskapital dazu führen könne, dass Deutschland Talente und geistiges Eigentum verliere – mit der Folge, dass eigene Innovationen später aus dem Ausland zurückgekauft werden müssten.

Volle Pipelines machen Hoffnung

In der deutschen Biotech-Branche dominieren weiterhin Anwendungen in Therapie und Diagnostik („rote Biotechnologie“). Der Fortschritt zeigt sich vor allem in der erneut gestiegenen Zahl klinischer Studien: Besonders Phase‑2‑Projekte haben seit 2012 deutlich zugenommen, im vergangenen Jahr stieg die Zahl von 100 auf 118. Die Zahl der Wirkstoffe in Phase 1 ging dagegen leicht zurück, unter anderem durch Projektabbrüche oder Fortschritte in spätere Phasen. Gleichzeitig konnten mehrere Unternehmen ihre Entwicklungen erfolgreich weiterführen. Phase‑3‑Studien blieben stabil, wobei einzelne Wirkstoffe in diese entscheidende Phase aufrückten. Insgesamt zeigt sich eine reifere Pipeline mit zunehmendem Fokus auf fortgeschrittene klinische Entwicklung.

Auch deshalb blickt EY-Parthenon-Partner Ort primär positiv in die Zukunft der Branche: „Die Perspektiven für die deutsche Biotechnologie sind herausfordernd – aber grundsätzlich positiv. Wissenschaftliche Exzellenz, technologische Kompetenz und eine wachsende Innovationsdynamik bilden eine starke Ausgangsbasis. Entscheidend wird jedoch sein, diese Stärken konsequenter in industrielle Skalierung und wirtschaftliche Wertschöpfung zu überführen. Die globalen Wettbewerbsbedingungen verschärfen sich, während Kapital, Regulierung und Geschwindigkeit zu zentralen Erfolgsfaktoren werden. Gleichzeitig eröffnen Entwicklungen etwa in Künstlicher Intelligenz und datengetriebener Forschung neue Chancen.

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