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Forschung und Facharztweiterbildung besser verbinden

Ärztinnen und Ärzte in strukturierten Clinician Scientist Programmen der Medizinischen Fakultät Tübingen können künftig bis zu zwölf Monate patientennahe Forschung auf ihre fachärztliche Weiterbildungszeit anrechnen lassen. Die Vereinbarung mit der Bezirksärztekammer Südwürttemberg stärkt die Verbindung von Forschung und klinischer Weiterbildung und schafft neue Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Nach mehr als einjähriger Vorbereitung haben die Medizinische Fakultät der Universität Tübingen und die Bezirksärztekammer Südwürttemberg am 6. Mai 2026 eine Vereinbarung zur Anerkennung patientennaher Forschung auf die fachärztliche Weiterbildungszeit unterzeichnet. Clinician Scientists sind Ärzte, die mit einem Bein in der Klinik und mit dem anderen im Labor stehen und somit Patientenversorgung mit Forschung verknüpfen. Ärztinnen und Ärzte in strukturierten Clinician Scientist Programmen mit Fokus auf patientennaher Forschung, können damit künftig bis zu zwölf Monate Forschungszeit auf die Mindestweiterbildungszeit anrechnen lassen.

Grundlage ist die Teilnahme an einem strukturierten Clinician Scientist Programm der Medizinischen Fakultät mit Fokus auf patientennaher Forschung mit einer Laufzeit von 36 Monaten und einer 50-prozentigen Freistellung für Forschung. Ziel ist es, wissenschaftliche Tätigkeit und klinische Weiterbildung besser miteinander zu verzahnen - ohne fachlichen Kompetenzverlust.

Mehr Planungssicherheit für den wissenschaftlichen Nachwuchs

Bereits bei der Bewerbung wird geprüft, ob die Voraussetzungen der Vereinbarung erfüllt sind. Im weiteren Verfahren bewerten Gutachtende der Fakultät und der Weiterbildungsausschuss der Bezirksärztekammer gemeinsam, ob das Forschungsvorhaben mit den Anforderungen der fachärztlichen Weiterbildung vereinbar ist. Für Ärztinnen und Ärzte bedeutet die Vereinbarung vor allem mehr Planungssicherheit und bessere Karriereperspektiven in Klinik und Forschung. Gleichzeitig stärkt sie die Attraktivität des Standorts Tübingen für wissenschaftlich interessierte Nachwuchsmedizinerinnen und -mediziner. „Wissenschaftliche Erkenntnisse sind kein Sprint, sondern ein Marathon, auf dem uns die Vereinbarung nun mehr Rückenwind verschafft“, sagte Prof. Dr. Stephan Zipfel, Prodekan der Medizinischen Fakultät, bei der Unterzeichnung.

Forschung und Versorgung enger zusammenführen

Die Vereinbarung unterstreicht zugleich die Offenheit der Bezirksärztekammer Südwürttemberg gegenüber modernen, wissenschaftsnahen Weiterbildungsmodellen. Sie schafft zusätzliche Anreize, ärztlichen Nachwuchs in der Region zu gewinnen und langfristig zu halten.

„Die Forschung, insbesondere die patientennahe Forschung, ist eine der Grundlagen des Informationsgewinns und damit unserer evidenzbasierten Medizin sowie unserer Weiterbildung“, betont Benjamin Breckwoldt, Vizepräsident der Bezirksärztekammer Südwürttemberg.

Auch die Präsidentin der Kammer sieht darin ein wichtiges Signal: „Wir freuen uns, beginnend mit Tübingen, den medizinischen Fakultäten unseres Kammerbezirks und damit dem akademischen Nachwuchs die Möglichkeit zu eröffnen, alternative Modelle der anrechenbaren Kompetenzvermittlung in der Weiterbildung zu etablieren“, so Dr. Sophia Blankenhorn, Präsidentin der Bezirksärztekammer Südwürttemberg.

An der Erstellung der Vereinbarung waren federführend neben Benjamin Breckwoldt Frau Prof. Dr Claudia Lengerke, Vorsitzende der übergeordneten Talent Academy Kommission und Clinician Scientist Subkommission und Frau Prof. Dr. Ulrike Ernemann, stellvertretende Leitende Ärztliche Direktorin des Universitätsklinikums Tübingen beteiligt. Die Vereinbarung gilt zunächst bis Ende 2029 und kann anschließend verlängert werden.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/pm/forschung-und-facharztweiterbildung-besser-verbinden