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Neue Ausstattung für das Kinderherzkatheterlabor am Universitätsklinikum Heidelberg

Im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg steht ab sofort eine neue medizinische Anlage für Herzkatheteruntersuchungen zur Verfügung. Sie ermöglicht kardiologische Untersuchungen und minimalinvasive Eingriffe am Herzen schon bei Frühgeborenen – nach neuestem Stand der Technik, mit geringer Strahlenbelastung und exzellenter Bildqualität. Eine private Spende in Höhe von einer Million Euro finanzierte die Neuanschaffung.

Herzfehler sind die häufigsten angeborenen Fehlbildungen bei Kindern. In Deutschland kommen jedes Jahr etwa 8.700 Kinder mit einem Herzfehler zur Welt. Für die medizinische Versorgung der Betroffenen gibt es in der Klinik für Kinderkardiologie und Angeborene Herzfehler des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) seit vielen Jahren eine Kardangiographieanlage, auch Kinderherzkatheterlabor genannt. Hier werden Früh- und Neugeborene, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit überwiegend angeborenen Herzfehlern mithilfe von Röntgenbildgebung und unter Einsatz eines Katheters untersucht und behandelt.

Nun hat das Team der Medizintechnik am UKHD die bestehende Anlage durch ein neues, hochmodernes Gerät ersetzt. Ermöglicht wurde dies durch die private Spende einer selbst Betroffenen: Dr. Anna Gilster kam mit einem Herzfehler zur Welt und ist seit vielen Jahren Patientin am Heidelberger Universitätsklinikum. Bei ihrer Geburt Anfang der 1980er-Jahre waren die Möglichkeiten der Frühdiagnostik noch eingeschränkt; Herzkatheteruntersuchungen gab es, der Eingriff war aber mit erheblichen Risiken verbunden. Dr. Gilster erhielt eine Diagnose erst im Kindesalter und wurde als Vierjährige unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine operiert. Mit ihrer Spende bringt sie ihre Dankbarkeit für den medizinischen Fortschritt zum Ausdruck und ermöglicht heutigen Patientinnen und Patienten eine frühe und risikoarme Versorgung. „Ich möchte betroffenen Kindern und ihren Eltern Mut machen: Angeborene Herzfehler können heute sehr gut und sicher therapiert werden“, sagt Dr. Anna Gilster. „Ich freue mich, dass die neue Anlage vielen Kindern mit angeborenen Herzfehlern ein unbeschwertes Aufwachsen ermöglicht.“

Bei einer Einweihungsfeier am 24. April wurde im Kinderherzkatheterlabor eine Informationstafel angebracht, die über die persönliche Geschichte der Spenderin informiert. „Ich danke Frau Dr. Gilster im Namen des gesamten Vorstands und der Mitarbeitenden der Klinik für Kinderkardiologie und Angeborene Herzfehler für ihr außerordentliches Engagement“, sagt Professor Dr. Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzender des Verbunds der Universitätsklinika Heidelberg und Mannheim. „Dank Frau Dr. Gilsters großzügiger Spende können wir unsere allerkleinsten Patientinnen und Patienten nach dem neuesten Stand der Technik, effizient, präzise und sicher diagnostizieren und versorgen.“

Reduzierte Strahlendosis, exzellente Aufnahmen: Die Vorteile der neuen Anlage

Die jährlich etwa 500 Patientinnen und Patienten des Heidelberger Kinderherzkatheterlabors profitieren unter anderem von der deutlich reduzierten Strahlendosis des neuen Systems. Professor Dr. Matthias Gorenflo, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinderkardiologie und Angeborene Herzfehler des UKHD, zählt weitere Vorteile auf: „Die Anlage liefert in Echtzeit hochauflösende 3D-Aufnahmen des Herzens und der Herzgefäße, die eine extrem genaue Orientierung während des Eingriffs ermöglichen. Um die Röntgenaufnahmen noch gezielter auswerten zu können, stehen uns verschiedene smarte Filter zur Verfügung. Zusätzlich können wir externe Bilddaten, zum Beispiel aus MRT-Untersuchungen, in die laufende Herzkatheteruntersuchung integrieren.“ Neu ist außerdem, dass die Überwachung der Patientinnen und Patienten während des Eingriffs direkt über die Anlage erfolgt. Werte wie Sauerstoffsättigung und Blutdruck müssen somit nicht mehr separat erfasst werden.

Ablauf und Möglichkeiten einer Herzkatheteruntersuchung

Bei einer Herzkatheteruntersuchung schieben die behandelnden Ärztinnen und Ärzte einen dünnen, flexiblen Kunststoffschlauch – den Katheter – durch ein Blutgefäß bis zum Herzen. In der Regel erfolgt der Zugang über eine kleine Öffnung in der Leiste. Über den Schlauch wird ein Kontrastmittel verabreicht, das Herzgefäße und -strukturen auf Röntgenaufnahmen sichtbar macht. So sehen die Medizinerinnen und Mediziner, ob Fehlbildungen oder -funktionen vorliegen und welche Therapie gegebenenfalls erforderlich ist.

Bei zwei von drei Patientinnen und Patienten findet im Herzkatheterlabor neben der Untersuchung direkt auch eine Behandlung statt. Ein Beispiel ist der minimalinvasive Verschluss des Vorhofseptumdefekts. Bei den betroffenen Neugeborenen ist die Scheidewand zwischen der linken und der rechten Vorkammer des Herzens nicht geschlossen. Bei der Intervention im Herzkatheterlabor wird ein aufklappbares Schirmchen durch den Katheter direkt zum Herzen geschoben, wo es das „Loch“ in der Scheidewand abdeckt. Mit der Zeit wächst Gewebe über dieses Schirmchen, sodass der Herzfehler dauerhaft behoben ist.

Die meisten Patientinnen und Patienten des Kinderherzkatheterlabors am UKHD sind Neugeborene und Kinder, pro Jahr gibt es aber auch bis zu 200 Eingriffe bei Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern und häufig zahlreichen Voroperationen. Eine Untersuchung samt Intervention dauert etwa zwei bis drei Stunden und findet in der Regel in Schlafnarkose und am schlagenden Herzen statt.

Einzug auf Zeit: Geplanter Umzug des Labors ins neue Herzzentrum des UKHD

Die neue Anlage wird ihren Standort im Untergeschoss der Kinderklinik in wenigen Jahren wieder verlassen: Mit Fertigstellung des neuen Herzzentrums des UKHD wird auch die Pädiatrische Kardiologie samt Kinderherzkatheterlabor in den Neubau umziehen. Mit dem Umzug erhält die Anlage vom Hersteller Siemens ein Update und kann dann auf dem aktuellsten Stand der Technik wieder in Betrieb gehen. Die Bauarbeiten für das Herzzentrum laufen seit Oktober 2025, die Fertigstellung ist aktuell für das Jahr 2030 geplant.

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