Den Tumor „aushungern“
Der Ansatz der GLORIA-Studie ist so simpel wie effektiv: Tumorzellen sind auf Nährstoffe und Sauerstoff angewiesen. Um diese zu erhalten, schüttet der Tumor Botenstoffe aus, die die Bildung neuer Blutgefäße anregen – er baut sich quasi sein eigenes Versorgungssystem. Die Forscher der Standorte Mannheim, Bonn, Essen, Leipzig, Münster und Tübingen setzten genau hier an. Durch eine Kombination aus Strahlentherapie und einer gezielten medikamentösen Blockade dieser Gefäßneubildung versuchten sie, dem Tumor die Lebensgrundlage zu entziehen.
„Das Besondere ist, dass wir unseren Blick nicht mehr nur auf die Tumorzellen selbst richten, sondern auf deren Umgebung, das sogenannte Tumormikromilieu“, erklärt Professor Giordano, der die klinische Leitung der Studie verantwortete, während die translationale Studienleitung bei Privatdozent Dr. Julian P. Layer (Universitätsklinikum Bonn) lag.
Ermutigende Ergebnisse
Die Ergebnisse der Studie sind ein wichtiges Signal für die Forschung: Bei fünf von sechs Patienten in einer speziellen Erweiterungsgruppe, bei der gleichzeitig zwei Mechanismen der Gefäßneubildung gezielt gehemmt wurden, kam es zu einem deutlichen Rückgang des Tumors. Das mediane Gesamtüberleben betrug in dieser Gruppe 19,9 Monate, während der aktuelle Vergleichswert bei 10 bis 12 Monaten liegt. Zwei Patienten lebten sogar länger als zwei Jahre.
„Natürlich sind die Fallzahlen noch klein, aber es ist ein vielversprechendes Zeichen, das wir nun in einer größeren Folgestudie untersuchen wollen“, so Giordano. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal Nature Communications veröffentlicht*.
Teamleistung als Schlüssel zum Erfolg
Der Preis der Deutschen Hochschulmedizin, der vom Medizinischen Fakultätentag (MFT) und dem Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD) verliehen wird, würdigt die herausragende Zusammenarbeit über Standort- und Fachgrenzen hinweg. „GLORIA zeigt, was die enge Verbindung von Forschung und Krankenversorgung in der Universitätsmedizin ermöglicht“, sagt Professor Dr. Martina Kadmon, Präsidentin des MFT. „Wie aus klinischen Beobachtungen und einem besseren Verständnis der Krankheitsmechanismen ein neuer Therapieansatz entstehen kann“, ergänzt Professor Dr. Jens Scholz, 1. Vorsitzender des VUD.
Die Preisverleihung findet am 24. November 2026 in Berlin statt. Das Preisgeld in Höhe von 25.000 Euro wird an eine gemeinnützige Organisation gespendet, die Krebskranke und ihre Angehörigen unterstützt.