Grundlage der Analysen sind unter anderem Daten der HANSE-Studie, einer großen bevölkerungsbasierten Kohorte in Deutschland. Diese erlaubt es, nicht nur Patientinnen und Patienten mit diagnostizierter COPD zu untersuchen, sondern auch bislang unauffällige Personen mit erhöhtem Risiko, etwa durch Rauchen. Dadurch können krankhafte Veränderungen bereits in sehr frühen Stadien erfasst werden.
Im Zentrum der von DZL-Forscher Mustafa Abdo geleiteten Studie steht der CT-basierte Parameter Pi10, ein etablierter Messwert zur Quantifizierung der Atemwegswanddicke. Die Ergebnisse zeigen, dass erhöhte Pi10-Werte mit einer eingeschränkten Lungenfunktion und einer höheren Krankheitslast einhergehen. Gleichzeitig konnte eine Schwelle identifiziert werden, ab der Veränderungen als klinisch relevant gelten und auf aktive Krankheitsprozesse hinweisen.
Besonders hervorzuheben ist, dass sich strukturelle Veränderungen der Atemwege bereits bei Risikopersonen ohne formale COPD-Diagnose nachweisen lassen. Damit liefert die Studie einen wichtigen Hinweis darauf, dass die Erkrankung deutlich früher beginnt als bislang klinisch sichtbar und eröffnet neue Möglichkeiten für Prävention und frühzeitige Intervention.
Die Ergebnisse unterstreichen zudem das Potenzial moderner Bildgebung für die personalisierte Medizin in der Pneumologie. Quantitative CT-Analysen ermöglichen eine objektive Erfassung und Verlaufskontrolle von Krankheitsprozessen und könnten künftig eine noch gezieltere Therapieplanung unterstützen.