Rauchen und Vapen in der Schwangerschaft gezielt vorbeugen
Rauchen während der Schwangerschaft ist mit erheblichen gesundheitlichen Risiken für Mutter und Kind verbunden. Neben herkömmlichen Zigaretten gewinnen auch E-Zigaretten („Vapes“) zunehmend an Bedeutung. Eine aktuelle Studie unter Beteiligung des Universitätsklinikums Tübingen untersucht, wie Rauchen und Vapen in der Schwangerschaft von Fachpersonen aus Gynäkologie. Sozialarbeit und Hebammenkunde wahrgenommen werden und welche Faktoren eine wirksame Prävention unterstützen können. Die Ergebnisse sind kürzlich in der internationalen Fachzeitschrift Nicotine & Tobacco Research veröffentlicht worden.
Tabakkonsum in der Schwangerschaft bleibt ein relevantes Gesundheitsthema, auch wenn die Prävalenz weltweit stark variiert. Für Deutschland liegen zwar keine bundesweiten Daten vor, regionale Erhebungen zeigen jedoch, dass rund 16 Prozent der Schwangeren weiterhin rauchen; der Konsum von E-Zigaretten wird je nach Studie bei etwa 2 bis 5 Prozent der Schwangeren beobachtet. Beratungs- und Unterstützungsangebote für Schwangere durch Fachpersonen gelten als entscheidender Faktor für das Erreichen und Umsetzen der Abstinenz. In der Tübinger Studie wurden Wahrnehmung und Beratungsverhalten dieser Fachgruppen untersucht.
E-Zigaretten werden häufig unterschätzt
Die Tübinger Studie zeigt, dass E-Zigaretten von vielen Fachpersonen aus der Gynäkologie und Sozialarbeit sowie Hebammen aus Schwangerenberatungsstellen als etwas weniger schädlich eingeschätzt werden als klassische Zigaretten. Ebenfalls deutlich wurde, dass seltener nach dem Konsum von E-Zigaretten gefragt oder beraten wird. Medizinisch ist diese Unterscheidung jedoch nicht gerechtfertigt, wie andere Studien vielfach belegen: Auch beim Vapen wird Nikotin aufgenommen, das die Entwicklung des ungeborenen Kindes beeinträchtigen kann. Internationale Studien weisen zudem darauf hin, dass E-Zigaretten in der Schwangerschaft häufig nicht als vollständiger Ersatz, sondern ergänzend zum Rauchen genutzt werden.
„Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass es weiterhin einen hohen Informationsbedarf gibt und Fachpersonal besser geschult werden muss – insbesondere im Hinblick auf E-Zigaretten“, sagt Dr. Annette Binder, Ärztin in Weiterbildung und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Allgemeinen Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Tübingen. „Viele Schwangere wünschen sich Orientierung und eine klare Einordnung der Risiken.“
Schwangerschaft als Chance für Prävention
Die Autorinnen und Autoren ordnen ihre Ergebnisse im Konzept des sogenannten „teachable moment“ ein: Schwangerschaft kann ein Zeitpunkt sein, an dem gesundheitliche Informationen besonders wirksam sind, weil sich die Wahrnehmung von Verantwortung und Risiko verändert. Voraussetzung dafür ist jedoch eine sensible und unterstützende Ansprache.
Eine wichtige Rolle kommt dabei Gesundheitsfachkräften wie Ärztinnen, Ärzten und Hebammen zu. Sie stehen in engem Kontakt mit Schwangeren und können durch regelmäßige, nicht stigmatisierende Gespräche zur Prävention beitragen. Die Studie zeigt zugleich, dass Wissen, Risikowahrnehmung und Beratungspraxis je nach Berufsgruppe variieren – ein Hinweis darauf, dass gezielte Fort- und Weiterbildungsangebote sinnvoll sein können.
Impulse für Praxis und Gesundheitskommunikation
Die Studienergebnisse liefern wichtige Anhaltspunkte für die Weiterentwicklung von Präventionsstrategien. Neben klarer, evidenzbasierter Aufklärung über Risiken sollten Präventionsangebote die individuellen Lebenslagen Schwangerer berücksichtigen und sowohl Rauchen als auch Vapen systematisch einbeziehen.