Wie lassen sich Interesse an und Begeisterung für die medizinische Forschung wecken? Welche Formate befördern den direkten Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und einer breiten Öffentlichkeit? Und wie können verschiedene Zielgruppen aktiv in wissenschaftliche Projekte eingebunden werden? Zum Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft rief das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) dazu auf, sich mit kreativen Konzepten zur Wissenschaftskommunikation für eine Förderung zu bewerben. Insgesamt vier Projektgruppen der Medizinischen Fakultäten Mannheim und Heidelberg der Universität Heidelberg waren mit ihren eingereichten Ideen erfolgreich. Die praktische Umsetzung dieser vier ganz unterschiedlichen Projekte fördert das BMFTR nun mit insgesamt rund 330.000 Euro.
Die vier geförderten Projekte in Heidelberg und Mannheim im Überblick
Das Projekt „#ABCderPsyche – Psychische Gesundheit. Kurz erklärt.“ vermittelt Jugendlichen und jungen Erwachsenen wissenschaftlich fundiertes Wissen zur psychischen Gesundheit. In einer wöchentlichen Videoserie auf Social Media präsentiert das Projektteam Fakten, klärt zu Mythen auf und bietet alltagsnahe Orientierung. Projektleiter ist Peter Maluche, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Medizinischen Fakultät Heidelberg am Institut für Psychosoziale Prävention und Psychotherapie des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD). Der erste Clip zum Thema ADHS ging Anfang Juni auf YouTube, TikTok und Instagram online.
Im Projekt „HealthScience4All: Gemeinsam Gesundheit machen“ diskutieren Präventionsforscherinnen und -forscher der Medizinischen Fakultät Mannheim gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern anhand von Alltagsgesundheitsthemen, wie sie echte Teilhabe in der Forschung erreichen können. Welche Gesundheitsthemen sind für sie wichtig, welche Hindernisse gibt es, und wie können gemeinsam Lösungen entwickelt werden, um die Menschen stärker einzubeziehen? Ihre Lebensrealitäten, ihre Perspektiven und ihre Ideen stehen dabei im Mittelpunkt. Geleitet wird das Projekt von Professorin Dr. Vera Araújo-Soares, Leiterin der Abteilung „Prävention kardiovaskulärer und metabolischer Erkrankungen“ am Zentrum für Präventivmedizin und Digitale Gesundheit (CPD) der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg.
„Generation Genom: Dein Code. Deine Zukunft.“ informiert junge Menschen über die Chancen, Risiken und Grenzen moderner Genommedizin, zum Beispiel des genomischen Neugeborenen-Screenings. Über Social-Media-Clips, Podcasts und interaktive Formate wird nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch ein kritischer Austausch über genetische Diagnostik angeregt. Die Projektleitung liegt bei Dr. Nicola Dikow, Oberärztin und stellvertretende Leiterin der Genetischen Poliklinik am UKHD.
Datenschutz, Transparenz und Datensouveränität sind zentrale Fragen digitaler Medizin. Das Projekt „MEDILARP – Datensouveränität verstehen und erleben“ macht diese Themen auf ungewöhnliche Weise erfahrbar: In einem innovativen Live-Action-Rollenspiel schlüpfen die Teilnehmenden in unterschiedliche Rollen, treffen Entscheidungen und erleben aus erster Hand, wie unterschiedliche Interessen beim Umgang mit Gesundheitsdaten aufeinandertreffen. Entwickelt wird das Format, das sich an verschiedene Altersgruppen richtet, von einem Team um Privatdozentin Dr. Nadia Primc, Akademische Rätin am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg.
Wissenschaft in die Gesellschaft bringen
„Ich gratuliere den Projektteams ganz herzlich zu ihrem Erfolg“, sagt Professor Dr. Michael Boutros, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg der Universität Heidelberg. „Alle vier ausgewählten Projekte bringen Wissenschaft in den Diskurs mit der Gesellschaft, um zu zeigen, wie Forschung die Medizin von morgen gestalten kann. Durch kreative und innovative Formate schaffen sie Zugang, fördern Verständnis und stärken die Kompetenz, medizinische Entwicklungen selbstbewusst zu bewerten.“
Professor Dr. Sergij Goerdt, Dekan der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg, ergänzt: „Die Projekte zeigen, wie lebendig und zukunftsorientiert unsere Forschungslandschaft ist. Sie schaffen neue Räume für einen offenen Dialog zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit. Damit unterstreichen sie den Anspruch unserer Fakultäten, exzellente Forschung im engen Austausch mit der Gesellschaft zu gestalten.“
Hintergrund: Förderprojekte im Wissenschaftsjahr 2026 – Medizin der Zukunft
Ob analoges Brettspiel, Comic oder Social-Media-Kanal, ob Podcast, Pop-up-Event oder interaktive Ausstellung: Das Bundesforschungsministerium suchte innovative Ansätze, die Medizin der Zukunft für eine breite Öffentlichkeit erleb- und nachvollziehbar machen. Mehr als 400 Bewerberinnen und Bewerber aus ganz Deutschland reichten ihre Projektskizzen ein. Neben den vier Heidelberger und Mannheimer Projekten wählte die Jury 21 weitere Ideen zur Wissenschaftskommunikation als Förderprojekte im aus.