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Bakteriophagen – Wissenschaftler gründen Netzwerk für Forschung und Anwendung

Sie gelten als mögliche Alternative zu Antibiotika: Bakteriophagen genannte Viren, die in Bakterien eindringen und die Erreger abtöten. In Deutschland wurde die Forschung zu den Bakterienkillern lange vernachlässigt. Ein neues bundesweites Netzwerk soll dies ändern: Das beschlossen Wissenschaftler und Vertreter von Pharma-Unternehmen aus ganz Deutschland im Rahmen einer internationalen Konferenz zur Bakteriophagenforschung an der Universität Hohenheim in Stuttgart.

Über 100 Teilnehmer des 1. Deutschen Bakteriophagen-Symposiums beschlossen die Gründung des neuen Forums am gestrigen Mittwochvormittag. Kontaktstelle für das neue Forum ist das Forschungszentrum für Gesundheitswissenschaften der Universität Hohenheim.

Glossar

  • Ein Antibiotikum ist ein Stoffwechselprodukt von Mikroorganismen (Bakterien, Pilze), das in geringen Konzentrationen andere Mikroorganismen in ihrem Wachstum hemmt.
  • Bakterien sind mikroskopisch kleine, einzellige Lebewesen, die zu den Prokaryoten gehören.
  • Ein Bakteriophage ist ein Phage Virus, das ausschließlich Bakterien infiziert. Phagen werden in der Gentechnik häufig als Vektoren benutzt.
  • Immunologie ist eine Wissenschaft, die sich u. a. mit den Abwehrreaktionen von Mensch und Tier gegen Organismen wie Bakterien, Pilze und Viren, aber auch mit Abwehrreaktionen gegen fremde Zellen und Gewebe bzw. gegen eigene Zellen und Gewebe (Autoimmunreaktionen) beschäftigt.
  • Phage ist die Kurzbezeichnung für Bakteriophage – ein Virus, das sich in Bakterien vermehrt.
  • Ein Virus ist ein infektiöses Partikel (keine Zelle!), das aus einer Proteinhülle und aus einem Genom (DNA oder RNA) besteht. Um sich vermehren zu können, ist es vollständig auf die Stoffwechsel der lebenden Zellen des Wirtsorganismus angewiesen (z.B. Bakterien bei Phagen, Leberzellen beim Hepatitis-A-Virus).

Inhalte und Aufgaben sollen sein:

  • Verschiedene Disziplinen in Natur- und Umweltwissenschaften, Gesundheitswesen, Medizin, Pharmazie, Landwirtschaft, Ernährungs- und Wirtschaftswissenschaften vernetzen
  • Bedarfsträger, Forschung, Wirtschaft, Zulassungsbehörden, Fördermittelgeber und gesellschaftliche Akteure miteinander ins Gespräch bringen, um mithilfe von Bakteriophagen neue Lösungen zu entwickeln für human- und veterinärmedizinische Therapien, Lebensmittelhygiene und Umweltsanierung. Auch die Anwendung in kosmetischen Produkten und in möglichen weiteren Anwendungsfeldern soll gefördert werden.
  • Deutsche Phagenforschung in bereits bestehende internationale Netzwerke einbinden und produktive Partnerschaften fördern
  • Eine Übersicht aller relevanten Akteure in Deutschland mit Kontaktdetails anbieten
  • Wissenschaftlichen Nachwuchs fördern
  • Forschungsaktivitäten anbahnen

Interessierte Wissenschaftler und Fachleute auf dem Gebiet der Phagenforschung und -anwendung können sich ab sofort mit dem Forschungszentrum für Gesundheitswissenschaften in Verbindung setzen.

Hintergrund: Phagenforschung & Forschungszentrum für Gesundheitswissenschaften

Organisiert wurde das erste Deutsche Phagen-Symposium durch das Forschungszentrum für Gesundheitswissenschaften (FZG) der Universität Hohenheim. Das FZG bietet eine dynamische Plattform für alle Akteure, die an Themen und gemeinsamen Projekten im Bereich Lebenswissenschaften und Gesundheitsforschung interessiert sind. Es fördert interdisziplinäre Spitzenforschung und ihre Anwendung im Sinne des "One Health"-Konzeptes, verlinkt institutsübergreifend Expertise in verschiedenen Themenfeldern, z. B. Biologie, Immunologie, Gesundheitswesen, Medizin, Landwirtschaft, Ernährungs-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und stärkt die Brücken zwischen Forschung und Anwendung, z. B. zwischen Labor, Klinik, Wirtschaft und gesellschaftlichen Akteuren. Im Bereich der Phagenforschung bietet das FZG an, als die nationale Kontaktstelle für Phagenforschung und deren Anwendung zu fungieren.

Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/bakteriophagen-wissenschaftler-gruenden-netzwerk-fuer-forschung-und-anwendung/