Powered by

Deutschlandweites Netzwerk gegen Krankheitserreger

Neue Erkenntnisse über Krankheitserreger gewinnen und daraus neue Strategien gegen sie entwickeln: Das werden die zentralen Aufgaben des „Deutschen Zentrums für Infektionsforschung“ (DZI) sein. Die Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) umfasst mehrere Partner der universitären und außeruniversitären Forschung. Baden-Württemberg ist mit zwei Standorten – einem gemeinsamen Antrag aus Tübingen von Eberhard Karls Universität, Universitätsklinikum und Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie sowie einem gemeinsamen Antrag des Universitätsklinikums Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums – in der „Endrunde“ der DZI-Standorte.

Invasion der SfbI-negativen Streptokokken der Gruppe A (gelb-anheftend, orange-eindringend) wird durch die Ausbildung von Membranrüschen auf menschlichen epithelialen-HEp-2 Zellen (grün) ausgelöst. © HZI

Als Partner des neu gegründeten Netzwerks wurden jetzt Forschungseinrichtungen an sieben Standorten in ganz Deutschland benannt (siehe Liste unten). Die Kandidaten wurden durch ein international besetztes unabhängiges Gutachter-Gremium aus einer Vielzahl von Bewerbern ausgewählt. In den kommenden Monaten sollen die nominierten Standorte gemeinsam konkrete Ziele und Arbeitskonzepte erarbeiten. Nach der endgültigen Festlegung der beteiligten Einrichtungen wird das DZI voraussichtlich Mitte 2011 seine Arbeit aufnehmen. Die Wissenschaftler des deutschlandweiten Netzwerks werden ihre Arbeit dann auf die Erforschung von Krankheitsursachen und -verläufen sowie neuer Ansätze für Diagnostik, Prävention und Therapie konzentrieren.

„Unser Beitrag zur Arbeit des DZI soll vor allem auf dem Sektor der Wirkstoffforschung liegen“, erklärt der kommissarische Wissenschaftliche Geschäftsführer des HZI, Professor Dirk Heinz. „Immer mehr Krankheitserreger werden gegen die herkömmlichen Antibiotika resistent – es ist dringend nötig, neue Substanzen und Strategien zu entwickeln, mit denen man gegen Infektionskrankheiten vorgehen kann.“ Detaillierte Projektbeschreibungen und Aufgabenverteilungen gebe es allerdings noch nicht, fügt Heinz hinzu: Sie würden erst in der jetzt bevorstehenden Phase der Konzeptentwicklung und der finalen Antragsrunde erarbeitet.

Ausgewählte Partnerstandorte in Baden-Württemberg

Zwei der sieben ausgewählten Partnerstandorte liegen in Baden-Württemberg: Tübingen und Heidelberg. Für das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung haben sich die Eberhard Karls Universität, das Universitätsklinikum und das Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie gemeinsam als "Comprehensive Infectious Disease Research Center Tübingen CIDRE" beworben (Sprecher: Prof. Dr. Ingo B. Autenrieth, Institut für Mikrobiologie, Prof. Dr. Peter G. Kremsner, Medizinische Klinik, Abt. Tropenmedizin). Ziel des angestrebten Zentrums CIDRE ist es, die bestehende Tübinger Expertise auf dem Gebiet der Infektiologie auszuschöpfen, um bahnbrechende Diagnose-, Therapie- und Prophylaxestrategien zu entwickeln. So sollen neue Zielmoleküle und Wirkstoffe für Antibiotika oder Impfstoffe identifiziert, neue Strategien für die Mobilisierung der körpereigenen Abwehrmechanismen entwickelt und der individuelle Prophylaxebedarf rechtzeitig erkannt werden.

Heidelberg bewarb sich mit einem gemeinsamen Antrag des Universitätsklinikums und des Deutschen Krebsforschungszentrums: das „Heidelberg Centre for Infectious Diseases“ ist mit dem Forschungsprogramm „Innovative Interventions against Infectious Diseases“ unter Koordination von Professor Dr. Hans-Georg Kräusslich, Direktor des Departments Infektiologie am Universitätsklinikum Heidelberg, beteiligt. Dieses Zentrum widmet sich schwerpunktmäßig der Entwicklung von Interventionsstrategien gegen Infektionen mit Viren, z.B. Hepatitis- und Papillom-Viren und HIV, sowie Parasiten, z.B. dem Erreger der Malaria; hierbei werden neue Ansatzpunkte für Impfung und Therapie etabliert und klinisch erprobt

Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZI)

Das geplante DZI ist Teil des Konzeptes der „Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung“, mit denen das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Erforschung und Bekämpfung der bedeutendsten Volkskrankheiten vorantreiben will. Neben dem DZI wurden auf der Basis von Gutachter-Empfehlungen auch potenzielle Partner für Forschungs-Netzwerke zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrankheiten und Krebs ausgewählt. Bereits im Jahr 2009 wurden ein Deutsches Zentrum für Diabetesforschung sowie ein Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen gegründet.

Glossar

  • Ein Antibiotikum ist ein Stoffwechselprodukt von Mikroorganismen (Bakterien, Pilze), das in geringen Konzentrationen andere Mikroorganismen in ihrem Wachstum hemmt.
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) wird durch einen Mangel an Insulin hervorgerufen. Man unterscheidet zwei Typen. Bei Typ 1 (Jugenddiabetes) handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit, bei der körpereigene Immunzellen die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren, zerstören. Typ 2 (Altersdiabetes) ist dagegen durch eine Insulinrestistenz (verminderte Insulinempfindlichkeit der Zielzellen) und eine verzögerte Insulinausschüttung gekennzeichnet.
  • Ein Virus ist ein infektiöses Partikel (keine Zelle!), das aus einer Proteinhülle und aus einem Genom (DNA oder RNA) besteht. Um sich vermehren zu können, ist es vollständig auf die Stoffwechsel der lebenden Zellen des Wirtsorganismus angewiesen (z.B. Bakterien bei Phagen, Leberzellen beim Hepatitis-A-Virus).
  • HIV ist die Abkürzung für Humaner Immundefizienz Virus, dem Auslöser von AIDS. Dabei handelt es sich um einen Retrovirus, dessen genetisches Material aus RNA besteht.
  • Unter Degeneration verstehet man in einem medizinisch-biologischen Sinn die Rückbildung und den Verfall von Zellen, Geweben oder Organen.
  • Neurodegenerative Erkrankungen sind Erkrankungen des Nervensystems, die auf dem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen beruhen. Oft sind diese Krankheiten erblich bedingt oder haben zumindest eine erbliche Komponente. Beispiele sind: Alzheimer, Parkinson, Chorea Huntington oder Amyotrophe Lateralsklerose (ALS).
  • Eine Hepatitis ist eine Entzündung des Lebergewebes mit nachfolgender Zellschädigung. Sie macht sich zunächst durch grippale Erscheinungen bemerkbar, wie Glieder- und Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Druck in der Magen- und Lebergegend und Fieber, später gehört die Gelbsucht zur Symptomatik. Verantwortlich dafür können Viren, Bakterien oder Parasiten sein, ebenso wie Autoimmunerkrankungen, Medikamente, Alkohol oder Chemikalien. Häufigste Ursache sind jedoch Viren, wobei man fünf Virustypen unterscheidet, die mit den Buchstaben A, B, C, D und E bezeichnet werden.
  • Als Target (engl.:Ziel) werden Biomoleküle bezeichnet, an die Wirkstoffe binden können. Targets können Rezeptoren, Enzyme oder Ionenkanäle sein. Die Interaktion zwischen Wirkstoff und Target löst eine Wirkstoff-Target-spezifische Reaktion aus. Die Identifikation eines Targets ist für die biomedizinische und pharmazeutische Forschung von großer Bedeutung. Erkenntnisse über spezifische Wechselwirkungen helfen grundlegende molekularbiologische Vorgänge zu verstehen und neue Angriffpunkte für Arzneimittel zu identifizieren.
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/pm/deutschlandweites-netzwerk-gegen-krankheitserreger/