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Auf neuen Wegen zum Doktor – die International Max Planck Research School for Organismal Biology

Um angehenden Nachwuchsforschern der Biologie einen optimalen Start in ihre wissenschaftliche Karriere zu ermöglichen, hat die Universität Konstanz in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut (MPI) für Ornithologie die International Max Planck Research School for Organismal Biology (IMPRS) gegründet. An der Uni Konstanz und an den beiden Standorten des MPI für Ornithologie in Seewiesen und Radolfzell erhalten die Doktoranden eine sowohl fachspezifische als auch generalistische Ausbildung. Im Unterschied zur klassischen Doktorandenausbildung absolvieren die Doktoranden der IMPRS ein strukturiertes Programm, das auch den Ausbau von Schlüsselqualifikationen wie statistische Analysemethoden betont.

Im Mittelpunkt der Forschung an der IMPRS steht immer ein Organismus © Universität Konstanz

Als Zusammenschluss verschiedener Arbeitsgruppen des Fachbereichs Biologie der Universität Konstanz und des MPI für Ornithologie vereinigt die 2009 gegründete IMPRS rund 30 Wissenschaftler und 40 Studenten. Mehrmals im Jahr treffen sich die Mitglieder zu Workshops und Seminaren in Konstanz, Radolfzell oder Seewiesen. Die Gästehäuser des MPI für Ornithologie stehen dabei für Übernachtungen zur Verfügung und Reisekosten werden von der IMPRS übernommen.

"Man kann sich unsere Bildungseinrichtung also mehr als ein Netzwerk vorstellen“, meint Daniel Piechowski, der die IMPRS als Koordinator aufbaut, ihr eine Struktur verleiht und für ein reibungsloses Funktionieren verantwortlich ist. Jeder der Doktoranden verfolgt sein eigenes Forschungsprojekt. Dieses ist in die Arbeitsgruppe seines jeweiligen Hauptbetreuers eingebunden. Neben der Organisation und Administration ist Daniel Piechowski auch für die Anwerbung neuer Doktoranden aus der ganzen Welt zuständig.

Forschungsprojekte rund um den Organismus

Die Forschung an der IMPRS konzentriert sich vollständig auf den Bereich der organismischen Biologie. Zwar kommen auch molekulare Methoden zur Forschung auf zellulärem und subzellulärem Niveau zum Einsatz, die Fragestellungen drehen sich aber immer um ganze Organismen. Die Bandbreite der Forschung reicht von der Untersuchung der Evolution verschiedener Fischarten in isolierten Kraterseen über das Erlernen des artspezifischen Gesang bei Singvögeln bis hin zur Frage, wie Mückenweibchen das für ihre Eiablage geeignete Habitat finden. Dabei spielen vor allem Verhalten, Evolution und Physiologie von Tieren eine große Rolle. Doch welchen Ansatz verfolgt die IMPRS im Bezug auf die Lehre?

Die Abbruchquote zu reduzieren, ist ein wesentliches Ziel

Daniel Piechowski, Koordinator der IMPRS an der Universität Konstanz © Universität Konstanz

Die strukturierte Ausbildung der Doktoranden an der IMPRS unterscheidet sich stark von der unstrukturierten Ausbildung eines einzelnen Doktoranden bei einem Doktorvater, wobei in beiden Fällen der Dr. rer. nat. am Ende der Ausbildung steht. „Was benötigen unsere Doktoranden, um eine noch bessere Doktorarbeit zu schreiben?“, das sei die zentrale Frage bei der Weiterentwicklung des Doktorandenprogramms, so Daniel Piechowski.

Ein wesentliches Ziel der IMPRS ist es, die Abbruchquote zu reduzieren. Daher hat jeder Doktorand mehrere Betreuer aus unterschiedlichen Fachrichtungen. Dadurch wird es den Doktoranden ermöglicht, ihre individuelle Forschungsfrage aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und so neue Wege in der Forschung zu beschreiten. “Außerdem wird so die Abhängigkeit der Doktoranden von einem einzelnen Doktorvater stark reduziert“, bemerkt Piechowski.

Zur Verringerung der Abbruchquote trägt auch die finanzielle Absicherung der Doktoranden bei: Jeder hat entweder eine Stelle oder aber ein Stipendium. In manchen Fällen kommt es auch zu einer Finanzierung aus Drittmitteln wie z.B. der DFG oder der Volkswagenstiftung.

Der klassischen Doktorandenausbildung voraus

Ein weiterer zentraler Unterschied zwischen klassischer Doktorandenausbildung und dem Programm der IMPRS besteht in den Fortbildungsveranstaltungen, in denen die Doktoranden die Fähigkeiten erlernen, die jeder Naturwissenschaftler unabhängig von seiner Fachrichtung beherrschen muss. Dazu zählen unter anderem statistische Analysemethoden für die Auswertung von naturwissenschaftlichen Experimenten. Auch das Verfassen von wissenschaftlichen Texten für Fachzeitschriften auf Englisch steht auf dem Ausbildungsprogramm.

Die Inhalte des Doktorandenprogramms sind dabei nicht starr vorgegeben, sondern werden zusammen mit den Doktoranden und abgestimmt auf ihre Bedürfnisse kontinuierlich weiterentwickelt. „Aktuell haben beispielsweise mehrere Doktoranden nachgefragt, ob nicht ein Kurs angeboten werden könne, in dem Strategien und Methoden im Umgang mit der Öffentlichkeit erarbeitet werden“, beschreibt Daniel Piechowski eines der zahlreichen Beispiele für den Dialog mit den Doktoranden. Die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen und deren Erreichbarkeit auch für eine breite, nichtwissenschaftliche Öffentlichkeit spielt eine immer größer werdende Rolle. Die Anregung wurde dann auch in die Praxis umgesetzt und ein entsprechender Workshop angeboten.

Die Workshops und Seminare mit internationalen Referenten unterstreichen außerdem den Netzwerkcharakter der IMPRS, da sie den disziplinären und interdisziplinären Austausch der Teilnehmer untereinander fördern und den Doktoranden die Möglichkeit zum knüpfen von Kontakten geben. Die Workshops und Seminare mit internationalen Referenten unterstreichen außerdem den Netzwerkcharakter der IMPRS, da sie den disziplinären und interdisziplinären Austausch der Teilnehmer untereinander fördern und den Doktoranden die Möglichkeit zum knüpfen von Kontakten geben.

18 Nationalitäten – ein Ziel

Das Doktorandenprogramm der IMPRS zeichnet sich außerdem durch die besondere Rolle der Internationalität aus. „Wir wollen die weltweit besten Studierenden anwerben“, so Daniel Piechowski. In der Gruppe der Doktoranden sind 18 verschiedene Nationen vertreten, der Ausländeranteil liegt bei ca. 60 Prozent. Während die meisten der Doktoranden aus Europa und dem amerikanischen Kontinent kommen, sind auch Länder wie das Königreich Bhutan oder Ghana vertreten.

Diese Internationalität ist ein Ausdruck für die Tatsache, dass die Wissenschaft im Gegensatz zu anderen Feldern schon eine vollständige Globalisierung erreicht hat. „Auf dem Weg zum Professor ist es nahezu schon Pflicht auch längere Zeit im Ausland gewesen zu sein“, kommentiert Daniel Piechowski. Und so können die Doktoranden aufgrund der internationalen Ausrichtung der IMPRS die dafür benötigte interkulturelle Kompetenz nicht nur in theoretischen Workshops kennen-, sondern auch gleich in der Praxis erlernen und anwenden. Der Austausch mit ausländischen Universitäten läuft auf der Basis persönlicher Kontakte der Wissenschaftler. Darüber hinaus sind auch Partnerschaften mit vergleichbaren Promotionsprogrammen im Ausland geplant. Voraussichtlich wird es schon dieses Jahr den ersten gemeinsamen Kurs mit der Universität Groningen (Niederlande) geben.

Glossar

  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Mit Kompetenz im biologischen Sinn ist die Eigenschaft eines Bakteriums gemeint, DNA von außen aufnehmen zu können.
  • Für den Begriff Organismus gibt es zwei Definitionen: a) Jede biologische Einheit, die fähig ist, sich zu vermehren und selbstständig, d. h. ohne fremde Hilfe, zu existieren (Mikroorganismen, Pilze, Pflanzen, Tiere einschließlich Mensch). b) Legaldefinition aus dem Gentechnikgesetz: „Jede biologische Einheit, die fähig ist, sich zu vermehren oder genetisches Material zu übertragen.“ Diese Definition erfasst auch Viren und Viroide. Folglich fallen gentechnische Arbeiten mit diesen Partikeln unter die Bestimmungen des Gentechnikgesetzes.
  • Physiologie ist die Lehre von den biochemischen und physikalischen Vorgängen in Zellen, Geweben und Organen der Lebewesen.
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/aktuell/auf-neuen-wegen-zum-doktor-die-international-max-planck-research-school-for-organismal-biology/