Powered by

Bachelor in der Tasche - und dann?

Die Berufsmöglichkeiten im Bereich der Biologie sind facettenreich. Viele Universitäten bieten heutzutage ein großes Spektrum an verschiedenen Studiengängen in diesem Bereich an, von denen manche schon auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert sind. Ein Beispiel für einen solchen Studiengang ist der „Pharmatechnik“-Bachelor an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen. Die Qualität des Studiengangs, der seit nunmehr 25 Jahren existiert, zeigt sich am Erfolg der Absolventen. So erhielten Gülsen Nair und Sarah Losert 2012 für ihre Abschlussarbeiten die jährliche Auszeichnung der International Society for Pharmaceutical Engineering (ISPE). Wie es nach der Bachelorarbeit weitergehen kann, sieht man am Werdegang der beiden Preisträgerinnen.

Gülsen Nair schrieb ihre Bachelorarbeit im Bereich „Forschung und Entwicklung“ bei der Firma Groninger. Nach erfolgreichem Abschluss arbeitet sie seitdem bei der F. Hoffmann-La Roche AG in Kaiseraugst. © Gülsen Nair

Gülsen Nair stand nach ihrem Abitur vor der Frage, welchen beruflichen Weg sie einschlagen soll. Sie entschied sich für das Studium der Pharmatechnik, weil hier Wissenschaft und Technik verbunden sind. Neben den naturwissenschaftlichen Grundlagen lernen Studierende auch, wie Arzneimittel entwickelt, hergestellt und verpackt werden und welche Regularien es dafür gibt. „Durch die differenzierten Aspekte des Studiengangs bekam man einen guten Einblick in die vielen Bereiche der Pharmaindustrie“, erklärt die Bachelorabsolventin.

Auch Sarah Losert gefiel die Ausrichtung des Studiengangs. „Das Studium beinhaltet viele praxisnahe Fächer und bringt eine enge Zusammenarbeit mit der Industrie mit sich“, berichtet sie. Der besondere Aspekt, den die Hochschule Albstadt Sigmaringen bietet, ist laut den beiden ehemaligen Studentinnen die kleine Zahl an Studierenden und somit die Möglichkeit einer engen Zusammenarbeit mit den Professoren. Auch die „Vielfalt an Praktika während der gesamten Studienzeit“ sei eine gute Möglichkeit sich über den weiteren Werdegang Gedanken zu machen.

Die Wahl zwischen den Fachrichtungen Bio-Engineering und Betriebstechnik ermöglicht den Studierenden eine zusätzliche Spezialisierung und erleichtert dadurch die Entscheidung, welche Richtung sie später nehmen möchten.

„An der Hochschule sind die Labore sehr gut und modern ausgestattet, sodass die Laborarbeit sehr angenehm ist“, meint Losert. Zusätzlich veranstaltet die Hochschule jedes Jahr eine Karrierebörse, bei der viele Pharma-, Kosmetikfirmen und Anlagenhersteller vertreten sind. „Bis zum Besuch dieser Börse wusste ich noch nicht, dass ich nach dem Abschluss auch bei einem Anlagenhersteller arbeiten könnte“, erzählt Nair.

Bachelorarbeit in Betrieben als gute Grundlage

Sarah Losert blieb nach ihrer Bachelorarbeit bei Uhlmann Pac-Systeme, die sich mit pharmazeutischen Verpackungen beschäftigt. © Martin Ebert

Beide Studentinnen haben sehr positive Erfahrungen damit gemacht, ihre Bachelorarbeiten in einem Betrieb zu schreiben. Das würden sie auch jedem empfehlen. „Man kann gewisse Kenntnisse für die spätere Berufspraxis sammeln und Kontakte für den Einstieg knüpfen“, berichtet Losert. „Zudem lernt man, wie wichtig Zusammenarbeit, Offenheit und Kommunikation sind. Man kommt nur voran, wenn man Probleme anspricht“, so Nair.

Gülsen Nair hatte schon während ihres Studiums ein Praktikum in einem Pharmaverpackungsbetrieb im Bereich „Qualifizierung und Validierung“ absolviert. Sie wollte jedoch noch einen anderen Bereich der Industrie kennenlernen und schrieb ihre Bachelorarbeit bei der Groninger & Co. GmbH, einem Unternehmen, welches Verarbeitungsanlagen für chemische, kosmetische und pharmazeutische Präparate herstellt. Dort hatte sie die Möglichkeit, im Bereich „Forschung und Entwicklung“ tätig zu sein.  Sarah Losert bekam für ihre Abschlussarbeit eine Stelle bei Uhlmann Pac-Systeme GmbH & Co. KG, die sich ebenfalls mit pharmazeutischen Verpackungen beschäftigt. Der Titel ihrer Abschlussarbeit lautete „Entwicklung einer Bewertungsmatrix zur Waschwirkung an Primärpackmittel mittels WFI“. „Die internationale Ausrichtung und der gute Ruf des familiengeführten Unternehmens waren ausschlaggebend für meine Entscheidung, dort die Bachelorarbeit schreiben zu wollen", erklärt Losert. In ihrer Bachelorarbeit ging es um die Ermittlung von Anforderungen der Pharmaindustrie an das QM-Systems eines Herstellers von pharmazeutischen Maschinen.

Berufseinstieg - Kinderspiel dank guter Vorbereitung

Die praxisnahe Ausrichtung des Studiengangs machte sich für die beiden Absolventinnen beim Berufseinstieg bezahlt. Das Engagement bei Praktika und einer Unternehmenstätigkeit lohnt sich, wie die Erfolge der beiden Studierenden zeigen. Beiden fiel der Einstieg nicht schwer, und sie fanden jeweils einen Job, der ihren Vorstellungen entsprach. Nach erfolgreicher Bachelorarbeit entschied sich Sarah Losert aufgrund wachsender Begeisterung für pharmazeutische Maschinen, bei Uhlmann-Pac Systeme zu bleiben. „Durch die praxisnahe Abschlussarbeit konnte man sich gegenseitig kennenlernen. Außerdem herrscht bei der Firma ein sehr gutes Arbeitsklima, was einem die Arbeit sehr angenehm macht", berichtet Losert.

Anders als Sarah Losert entschied sich Gülsen Nair nach ihrem Abschluss für einen Firmenwechsel. Sie arbeitet seit ihrem Abschluss bei der F. Hoffmann–La Roche AG in Kaiseraugst in der Schweiz im Verpackungsbetrieb. Die F. Hoffmann-La Roche AG ist ein forschungsorientiertes Pharmaunternehmen mit Schwerpunkt auf Entwicklung neuartiger Diagnostika und Medikamente. Dort hatte Nair schon ihr Praxissemester absolviert und sie wusste seit geraumer Zeit, dass sie gerne in der Pharmaindustrie arbeiten möchte. „Da ich die Abteilung und die Arbeitskollegen schon kannte und wusste, was mich erwartet, hatte ich einen recht einfachen Einstieg und war schnell eingelernt", erzählt Gülsen Nair.

Unterschiede zwischen Hochschule und Beruf

„In der Hochschule hat man mehr Druck und ist nicht so flexibel wie in der Industrie“, meint Nair. Ihrer Ansicht nach bedeutet Forschen in der Hochschule auch gleichzeitig die Herausforderung, Vorstellungen der Professoren zu treffen, und man ist zudem meistens auf sich alleine gestellt. „Dadurch lernt man sehr viel, aber in der Industrie bekommt man mehr Hilfestellung bei der Arbeit“, so Nair. Dort hingegen ist es wichtig, Arbeitswege, Meinungen und Entscheidungen begründen zu können, da man oftmals die alleinige Verantwortung trägt.

Sarah Losert meint jedoch, dass man im Studium freier mit der zeitlichen Gestaltung ist, während man in der Industrie vorgegebene Arbeitszeiten hat. „Man hat seine festen Vorlesungs- und Laborzeiten, ist jedoch sich selbst überlassen, wie man seine zusätzliche Arbeitszeit einteilt. In der Industrie hat man geregelte Vorgaben", meint sie.

An ihrem Studium und Werdegang haben beide Absolventinnen nichts auszusetzen, da sie viele positive Erfahrungen sammeln konnten. „Nachkommenden Studenten würde ich raten, sowohl ihr Praxissemester als auch die Bachelorarbeit in einer Firma zu absolvieren", empfiehlt Gülsen Nair. Sie selbst hätte sich gerne zusätzlich um ein Auslandssemester bemüht und versucht, mehr aus den Vorlesungen mitzunehmen. „Man sollte so viel wie möglich an praktischen Erfahrungen sammeln, denn umso leichter fällt einem später die richtige Berufswahl“, ergänzt Losert. „Trotzdem waren die Wahl des Ortes und der Inhalt des Studiums genau richtig“, sind sich beide einig.

Glossar

  • Validierung oder Validation ist der Prozess der Prüfung einer These oder eines Lösungsansatzes in Bezug auf das zu lösende Problem.
  • Die Zelldifferenzierung bezeichnet die Spezialisierung von Zellen in Bezug auf ihre Funktion und ihre Struktur. So entstehen aus undifferenzierte Stammzellen verschiedene Zelltypen wie Herzmuskel-, Nerven- oder Leberzellen, die ganz unterschiedlich ausssehen und verschiedene Aufgaben erfüllen.
  • Polyethylen (Abkürzung: PE) ist das Polymer des Ethylens. Es gehört zu den thermoplastischen Kunststoffen.
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/aktuell/bachelor-in-der-tasche-und-dann/