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BioTeSys: isolieren, charakterisieren, analysieren

Bioaktive Substanzen sind das Metier der BioTeSys GmbH. Die Produkte, die das Esslinger Biotech-Unternehmen untersucht und auf Wirkung prüft, reichen von Kosmetika über Pflanzen- und Beerenextrakte bis zu niedrig dosierten, nicht verschreibungspflichtigen Supplementen. Neben den Inhaltstoffen nimmt BioTeSys auch die Rohstoffe der Produkte unter die Lupe.

Seit zehn Jahren behauptet sich BioTeSys als Biotech-Dienstleister mit der Identifizierung und Analyse von Wirkkomponenten aus Tier- und Pflanzenmaterialien am Markt. Stark gewachsen ist die Firma in dieser Zeit nicht: Vier Gründer, alles Wissenschaftler der Uni Hohenheim, gingen 1999 an den Start, heute bilden 14 Mitarbeiter das Team um den Geschäftsführer und Hauptanteilseigner Dr. Jürgen Bernhardt. Aber während so manches stark expandierende Biotech-Unternehmen die schwierigen Jahre um die Jahrtausendwende nicht überlebte, hat BioTeSys auf Vernetzung gesetzt und sich damit erfolgreich etabliert.

Dr. Jürgen Bernhardt, Geschäftsführer der BioTeSys GmbH © BioTeSys

„Ich glaube, es ist eher schädlich, alles können zu wollen, erst recht in der kapitalintensiven Biotech-Branche. Wir haben stattdessen ein großes Netzwerk mit guten akkreditierten und zertifizierten Dienstleistern aufgebaut, mit denen wir langfristig zusammenarbeiten", erklärt Bernhardt die BioTeSys-Strategie.

Die Rechnung scheint aufzugehen: „Wir können keine Standard-Analytik zu den Preisen eines darauf spezialisierten Labors anbieten. Aber überall, wo es nicht nach Schema F geht, kommen wir zum Zug", so Bernhardt. Sein Team besteht aus Biologen, Chemikern, Ernährungswissenschaftlern und Experten für klinische Untersuchungen.

Eine umfassende Angebotspalette - weit über die reine Analyse hinaus

BioTeSys-Kunden sind durchweg andere Unternehmen, vorwiegend aus der Nahrungsmittel- und der Kosmetikindustrie sowie aus dem Bereich Consumer Health Care. Darunter fallen Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln (Supplementen) und von Pflanzenextrakten, aber auch Firmen, die verschreibungsfreie Produkte, etwa im Bereich der ergänzenden bilanzierenden Diät (EBD) herstellen. Das gemeinsame Anliegen des Kundenkreises: Die Firmen lassen Inhaltsstoffe auf Kriterien wie Reinheit, Haltbarkeit und Bioverfügbarkeit prüfen sowie Dosis-Wirkungsprofile erstellen. Und wenn eine neue Rezeptur oder neue Zutaten verwendet werden sollen, müssen die Materialien auf Wirkstoffgehalt und Qualität geprüft werden.

Mit einem motivierten Team aus jungen und qualifizierten Mitarbeitern und mit der hochmodernen Ausstattung,ist BioTeSys heute in der Lage , den Dingen auf den Grund zu gehen. © BioTeSys

Vor der eigentlichen Analyse stehen je nach Ausgangsmaterial (Körperflüssigkeiten, Zellmaterial, diverse Endprodukte) Aufschlüsse und Isolierungsschritte an. Das BioTeSys-Team hat sich darauf spezialisiert, selbst schwierige Materialien so zu knacken, dass ihre Inhaltsstoffe in einwandfreiem Zustand zur Analyse antreten können. Ein Beispiel sind empfindliche Vitamine. Sie oxidieren leicht, wenn sie zum Beispiel rabiaten Zellaufschlüssen ausgesetzt sind. Hier hat BioTeSys Spezialverfahren entwickelt, die den Inhaltsstoff quantitativ und qualitativ erhalten.

Analysen wie die Bestimmung einzelner chemischer Komponenten mittels HPLC oder Fluoreszenz-Spektroskopie macht das BioTeSys-Team direkt im Haus, ebenso Wirkstofftests mithilfe von Zellkulturen, Pharmakokinetik-Studien, Statuserhebungen und einfache Verlaufsstudien. Bei komplexen klinischen Studien mit darüber hinausgehenden ärztlichen Leistungen kommt das Partnernetzwerk zum Tragen: „Wir arbeiten mit klinischen Partnern zusammen, die über ganz Deutschland verstreut sind, wobei ich mich ganz bewusst nicht an große Namen halte. Wichtige Kriterien zur Partnerauswahl sind für mich, ob sie sich Mühe geben bei der Rekrutierung der Probanden und gleichzeitig in der Lage sind, die geforderte Anzahl an Probanden in der gegebenen Zeit zu rekrutieren", sagt Bernhardt.

Auch wenn die Studien beim Partner laufen, betreut BioTeSys den Kunden in der Regel weiter, macht zum Beispiel das Monitoring und die weitere Koordination auf dem Weg zum Produkt. Auch rechtliche Fragen kann der Kunde mithilfe von BioTeSys klären - Kanzleien und Patentanwälte gehören zum Netzwerk.
Natürlich steht auch die firmeneigenen Forschung steht unter der Maxime, Gewinn zu machen. Trotzdem findet Grundlagenforschung statt. Öffentlich geförderte Projekte geben Bernhardt den dafür nötigen Spielraum: „Normalerweise kann eine kleine Firma unter Beachtung betriebswirtschaftlicher Kriterien nur sehr begrenzt Grundlagenforschung betreiben, EU- oder BMBF-Projekte geben uns aber die Möglichkeit, da mehr zu machen“, erklärt der Firmenchef. So forscht BioTeSys an intelligenten Transportmitteln wie Nanopartikeln, mit denen Wirkstoffe sicher durch die Gewebe des Körpers an ihren Zielort gelangen sollen. Die Vorarbeiten im Rahmen eines vom BMBF geförderten BioProfile-Projekts sind inzwischen so weit gediehen, dass BioTeSys jetzt komplett mit eigenen finanziellen Mitteln daran weiterentwickelt.

Ein anderes großes Thema für die Firmenforschung sind Biomarker für das Altern. BioTeSys ist als einer von 26 Partnern an einem EU-Projekt beteiligt, bei dem nach geeigneten Substanzen als Biomarkern gefahndet wird, die erstens eindeutig an Alterungsprozessen beteiligt sind und zweitens zuverlässig und möglichst einfach im Körper nachgewiesen werden können. „Die Beteiligung an diesem Projekt kommt für uns einer Art Approbation durch die Scientific Community gleich“, freut sich Bernhardt über den Imagegewinn als Nebeneffekt. BioTeSys untersucht in seinen Laboren einen Parameter für alle Partner, fungiert aber auch als deutsches Rekrutierungszentrum. Keine leichte Aufgabe, denn um die Ergebnisse vernünftig statistisch abzusichern, müssen große Personengruppen untersucht werden.
Apropos Image: Der gute Ruf aufgrund von Seriosität und Zuverlässigkeit sowie hohe, zertifizierte Qualitätsstandards sind die Pfunde, mit denen BioTeSys wuchert. Aber kann das reichen, um auch Zeiten der Wirtschaftskrise unbeschadet zu überstehen? „Bis jetzt ist die Krise bei uns nicht zu merken. Allerdings haben unsere Projekte auch lange Vorlaufzeiten, so dass es uns noch verzögert treffen könnte. Andererseits birgt auch die Krise Chancen. Wenn etwa aufgrund der Krise Bereiche in einem Unternehmen wegsaniert werden, können wir hier als Dienstleister in die Bresche springen“, übt sich Bernhardt in positivem Denken - muss er auch, sonst wäre er kein Unternehmer und schon gar kein erfolgreicher.

Glossar

  • Nanopartikel sind Teilchen von einer Größe unter 100 Nanometer.
  • Eine Zellkultur ist ein Pool von gleichartigen Zellen, die aus mehrzelligen Organismen isoliert wurden und in künstlichem Nährmedium für Forschungsexperimente im Labor (in vitro) gehalten werden.
  • Biomarker sind messbare Produkte von Organismen (z.B. Proteine, Stoffwechselprodukte oder Hormone), die als Indikatoren beispielsweise für Umweltbelastungen oder Krankheiten herangezogen werden.
  • Als Fluoreszenz wird die spontane Emission von Licht bestimmter Wellenlänge nach Anregung eines Moleküls mit Licht einer anderen Wellenlänge bezeichnet.
  • HPLC ist die Abkürzung für High Pressure Liquid Chromatography, übersetzt bedeutet dies: Hochdruck-Flüssigkeitschromatografie. HPLC ist ein hochanalytisches Auftrennverfahren für Gemische.
  • Vitamine sind lebenswichtige organische Verbindungen, die mit der Nahrung aufgenommen werden müssen, da sie der Körper nicht selbst synthetisieren kann. Sie sind für die Regulation des Stoffwechsels verantwortlich, indem sie die Verwertung von Kohlenhydrate, Proteine und Mineralstoffe ermöglichen. Man unterscheidet zwischen fettlöslichen und wasserlöslichen Vitaminen. Vitamin C ist zum Beispiel für die Stärkung des Immunsystems zuständig. Ausnahme: Vitamin D kann vom Körper produziert werden, solange genug Sonnenlicht vorhanden ist.
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung
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