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Der HAE Accelerator - ein Programm zur Beschleunigung von Start-ups

Im HAE-Accelerator-Programm der Biomedizin-Cluster Cambridge, Leuven und Heidelberg werden innovative Start-ups identifiziert, trainiert und mit VC-Kapital in Kontakt gebracht. Im Wettbewerb wurden drei Geschäftsideen mit dem HAE Investors‘ Choice Award 2013 ausgezeichnet. Den ersten Preis erhielt das Heidelberger Start-up InoCard, das eine neuartige Gentherapie bei Herzmuskelschwäche entwickelt.

"Forschung macht aus Geld Wissen - Innovationen machen aus Wissen Geld." Dieser eingängige Spruch wird gern verwendet, um Translationsprozesse, die Umsetzung von Forschungsergebnissen in wirtschaftliche Produkte und Dienstleistungen, zu beschreiben. Von zentraler Bedeutung für Translation im Bereich der Biomedizin ist die Gründung innovativer Biotech-Unternehmen. Um aber aus aussichtsreichen Gründungsideen erfolgreiche Unternehmen zu machen und aus Wissen tatsächlich Geld zu generieren, muss zunächst einmal viel Geld eingesetzt werden, das in der Regel nur von Venture-Capital(VC)-Investoren bereitgestellt wird. Im Gegensatz zu den USA mangelt es aber in der deutschen und europäischen Life-Science-Branche seit Jahren am Engagement von VC-Geldgebern, um das vorhandene Potenzial an translationsfähigem Wissen und Gründungsideen in ausreichendem Maße zu nutzen.

Die Health Axis Europe

Dr. Christian Tidona (rechts) mit den Gründern des Start-ups Cogitars beim HAE Summer Camp. © BioRN

Das Grundproblem besteht darin, dass den VC-Geldgebern zu wenige Gründungsideen in hoher Qualität und strukturierter Form präsentiert werden, um ihr Interesse zu wecken, erklärte Dr. Christian Tidona, Geschäftsführer der BioRN Cluster Management GmbH in Heidelberg. Als Erfahrungswert von Start-ups der Life-Science-Branche in den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass aus zehn Gründungsideen bestenfalls eine zum Erfolg führt. Wenn man regional die Effektivität von Biotech-Gründungen erhöhen will, ist daher eine kritische Masse an qualitativ hochwertigen Gründungsideen Voraussetzung.

Um diese kritische Masse zu erreichen, hat der Biotech-Cluster Heidelberg (BioRN) gemeinsam mit seinen Partnerregionen Cambridge, UK, und Leuven, Belgien, in der „Health Axis Europe“ (HAE) das HAE-Accelerator-Programm aufgelegt. Bei dem Accelerator werden in einem Businessplan-Wettbewerb Gründungsteams aus dem Einzugsbereich der drei Regionen ausgewählt und mit einem speziellen Trainingsprogramm in einem Summer Camp auf die Präsentation ihrer Geschäftsidee und ihres Gründungsprojektes vor geeigneten internationalen Investoren vorbereitet. Im Gegensatz zu den USA hat es in Europa derartige standortübergreifende, professionell betreute Accelerator-Programme für die Life-Science-Branche bisher nicht gegeben.

Die Health Axis Europe. © BioRN

Die vom BioRN Cluster Management im Rahmen der Spitzencluster-Förderung des Bundesforschungsministeriums (BMBF) initiierte Allianz der Health Axis Europe (s. Artikel vom 28.06.2011: „Health Axis Europe gegründet“) bietet eine ideale Plattform für ein solches über Ländergrenzen hinausgehendes Accelerator-Programm in der Biomedizin. Die drei Standorte Cambridge, Leuven und Rhein-Neckar gehören zu den Top-Adressen biomedizinischer Forschung in Europa. Durch die Bündelung und professionelle Aufbereitung von Gründungsideen wird ihre Sichtbarkeit gegenüber internationalen VC-Investoren erhöht.

Ausschlaggebend für eine erfolgreiche Umsetzung des Programms sind die Orientierung an Erfolgsmodellen aus den USA, der Zugang zu internationalen Entrepreneurship-Netzwerken und der Zugang zu internationalen VC-Fonds, die sich auf die Finanzierung biomedizinischer Gründungsprojekte spezialisiert haben. Diese Voraussetzungen sind durch die Aktivitäten des BioRN Network und des BioRN Cluster Management seit dem Gewinn des Spitzencluster-Wettbewerbs 2008 in hervorragender Weise gegeben. Der HAE Accelerator wird vom BMBF und vom Land Baden-Württemberg unterstützt.

Das dreistufige HAE-Accelerator-Programm

Prof. Dr. Patrick Most, Heidelberg, stellt das Geschäftsmodell von InoCard bei der HAE Expo vor. © BioRN

Den Auftakt des HAE-Accelerator-Programms bildeten im Frühjahr 2013 lokale Businessplan-Wettbewerbe der drei Partnerregionen. Beteiligen konnten sich Gründerteams mit Aktivitäten in den Bereichen Neue Arzneimittel, Diagnostika, Medizinprodukte, Digital-Health-Lösungen und Plattformtechnologien. Die neun Gewinner-Teams kamen im September 2013 zu einem viertägigen Trainingsprogramm im HAE Summer Camp in Heidelberg zusammen, wo sie mit Unterstützung durch Mentoren und Experten auf den Investorentag vorbereitet wurden. Präsentationen und Geschäftspläne wurden in gemeinsamen Workshops und individuellen Sitzungen weiter ausgearbeitet und rhetorische und technische Darstellungen verbessert.

Erfolgreiche Unternehmerpersönlichkeiten wie Dr. Claus Kremoser von Phenex Pharmaceuticals und Dr. Gitte Neubauer von Cellzome teilten in ihren Vorträgen Erfahrungen mit und gaben Ratschläge zu Unternehmensgründungen und Finanzierungsrunden. Im Anschluss an das Summer Camp wurde als Höhepunkt des HAE-Accelerator-Programms die HAE Expo veranstaltet, bei der die Gründungsprojekte in Kurzpräsentationen vor einer Jury von Vertretern internationaler Venture-Capital-Fonds vorgestellt und individuelle Partnering-Meetings zwischen VC-Investoren und den Gründungsteams durchgeführt wurden.

Drei Geschäftsideen wurden mit dem HAE Investors‘ Choice Award 2013 ausgezeichnet, darunter das englische Start-up Novolytics, das eine neuartige Therapie gegen antibiotikaresistente Bakterien entwickelt, und die deutsch-schweizerische Cogitars, die umfassende neue statistische Verfahren für klinische Studien biopharmazeutischer Medikamentenentwicklungen anbietet.

InoCards Gentherapie bei Herzmuskelschwäche

Sieger im Wettbewerb war das Start-up InoCard, eine Ausgründung des Universitätsklinikums Heidelberg unter der Leitung von Prof. Dr. Patrick Most und Prof. Dr. Hugo Katus, dem Ärztlichen Direktor der Abteilung Kardiologie, Angiologie und Pneumologie der Medizinischen Universitätsklinik. InoCard entwickelt eine neuartige Gentherapie zur Behandlung chronischer Herzmuskelschwäche. Bislang steht keine Therapie zur Verfügung, die den Verlauf dieser Erkrankung, die eine enorme Einschränkung der Lebensqualität der Betroffenen bedeutet und eine der häufigsten Todesursachen älterer Menschen ist, stoppen oder gar umkehren könnte. Professor Most und seine Mitarbeiter haben nachgewiesen, dass bei Herzmuskelschwäche ein Mangel an einem für die Pumpleistung des Herzens kritischen Protein besteht. Die Heidelberger Kardiologen haben jetzt ein Verfahren entwickelt, um das entsprechende Gen mit Hilfe einer Genfähre in den geschwächten Herzmuskel einzuschleusen und es dort zu aktivieren. Im Großtiermodell hat sich diese Behandlung bereits als sehr erfolgreich erwiesen: Es kam zu einer langfristigen Erholung der Herzfunktion und zur Umkehr des Krankheitsprozesses. InoCard wird diesen gentherapeutischen Ansatz weiterentwickeln mit dem Ziel, ihn bei Patienten einzusetzen. Mit dem Geschäftsmodell, das Professor Most bei der HAE Expo vorstellte, konnte er die Investoren-Jury überzeugen.

Hauptorganisatoren dieser ersten HAE-Accelerator-Runde sind der BioRN Network e.V. und die BioRN Cluster Management GmbH. Mit seinem Trainingsprogramm im HAE Summer Camp und den Kontakten zu internationalen VC-Investoren in der Finalrunde ist der HAE Accelerator für alle teilnehmenden Start-up-Teams aus den drei Regionen Cambridge, Leuven und Heidelberg ein Gewinn.

Glossar

  • Antibiotika-Resistenz ist die Fähigkeit von Mikroorganismen, durch Synthese von bestimmten Stoffen die Wirkung von Antibiotika aufzuheben (z. B. das Enzym Penicillinase spaltet Penicillin und macht es damit unwirksam).
  • Bakterien sind mikroskopisch kleine, einzellige Lebewesen, die zu den Prokaryoten gehören.
  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Proteine (oder auch Eiweiße) sind hochmolekulare Verbindung aus Aminosäuren. Sie übernehmen vielfältige Funktionen in der Zelle und stellen mehr als 50 % der organischen Masse.
  • Die somatischen Gentherapie dient der Kompensation von Gendefekten. Dabei wird die korrekte Form des defekten Gen in Körperzellen eingeschleust.
  • Translation im biologischen Sinn ist der Prozess, bei dem die Basensequenz der mRNA in die Aminosäuresequenz des Proteins übersetzt (translatiert) wird. Dieser Vorgang findet an den Ribosomen statt. Nach der Vorlage eines einzigen mRNA-Moleküls können zahlreiche Proteinmoleküle synthetisiert werde
  • In einem Cluster arbeiten Unternehmen – die auch miteinander in Wettbewerb stehen können – mit weiteren Partnern aus Forschung, Wissenschaft und Verbänden in einem Wirtschaftsraum zielbezogen zusammen, um gemeinsam einen höheren Gesamtnutzen zu erzielen. Die Kombination von inhaltlicher und räumlicher Nähe der verschiedenen Akteure entlang der Wertschöpfungskette eröffnet die Möglichkeit, Innovationsprozesse zu implementieren.
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung

Glossar

  • Antibiotika-Resistenz ist die Fähigkeit von Mikroorganismen, durch Synthese von bestimmten Stoffen die Wirkung von Antibiotika aufzuheben (z. B. das Enzym Penicillinase spaltet Penicillin und macht es damit unwirksam).
  • Bakterien sind mikroskopisch kleine, einzellige Lebewesen, die zu den Prokaryoten gehören.
  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Proteine (oder auch Eiweiße) sind hochmolekulare Verbindung aus Aminosäuren. Sie übernehmen vielfältige Funktionen in der Zelle und stellen mehr als 50 % der organischen Masse.
  • Die somatischen Gentherapie dient der Kompensation von Gendefekten. Dabei wird die korrekte Form des defekten Gen in Körperzellen eingeschleust.
  • Translation im biologischen Sinn ist der Prozess, bei dem die Basensequenz der mRNA in die Aminosäuresequenz des Proteins übersetzt (translatiert) wird. Dieser Vorgang findet an den Ribosomen statt. Nach der Vorlage eines einzigen mRNA-Moleküls können zahlreiche Proteinmoleküle synthetisiert werde
  • In einem Cluster arbeiten Unternehmen – die auch miteinander in Wettbewerb stehen können – mit weiteren Partnern aus Forschung, Wissenschaft und Verbänden in einem Wirtschaftsraum zielbezogen zusammen, um gemeinsam einen höheren Gesamtnutzen zu erzielen. Die Kombination von inhaltlicher und räumlicher Nähe der verschiedenen Akteure entlang der Wertschöpfungskette eröffnet die Möglichkeit, Innovationsprozesse zu implementieren.
  • Bundesministerium für Bildung und Forschung
Seiten-Adresse: https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/de/fachbeitrag/aktuell/der-hae-accelerator-ein-programm-zur-beschleunigung-von-start-ups/