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Honorarprofessur für den Gründungsvater des Studiengangs

Die Hochschule Biberach hat Wolfram Carius, Mitglied der Unternehmensleitung von Boehringer Ingelheim, die Würde eines Honorarprofessors verliehen. Der 47-jährige promovierte Pharmazeut gilt als einer der Gründerväter des Studiengangs Pharmazeutische Biotechnologie, der aktuell 160 Studierende zählt.

„Aus einer Vision ist ein Meisterstück wissenschaftlicher und industrieller Zusammenarbeit geworden“, sagte Hochschulrektor Thomas Vogel in seiner Laudatio auf Carius, der seit Jahresbeginn in die Unternehmensleitung beim zweitgrößten deutschen Pharmakonzern aufgestiegen ist und weltweit die Geschäftsfelder Operations und Personal verantwortet.

Großes Engagement für Ausbildung

Seit 19. Januar ist Pharmamanager Dr. Wolfram Carius (links) ein Honorarprofessor. Hochschulrektor Prof. Thomas Vogel überreichte die Urkunde. © Boehringer Ingelheim

Vogel würdigte Carius’ außergewöhnliches Engagement für die Ausbildung und deren Zusammenwirken in Theorie (Ausbildung) und Praxis (Unternehmen). Der frisch ernannte Honorarprofessor ist Mitglied im Hochschulrat der Biberacher Hochschule sowie im Wissenschaftlichen Beirat der Fakultät und eröffnete nach Vogels Worten der jungen Biberacher Fakultät zahlreiche Auslandskontakte und Exkursionen und vermittelte Lehrbeauftragte aus der Praxis. Carius selbst gab als Lehrbeauftragter für 18 Stunden im Semester Erfahrungen an die Studierenden der Pharmazeutischen Biotechnologie weiter.

Die Nähe des Studiengangs zum Unternehmen Boehringer Ingelheim, das unmittelbar an das Fakultätsgebäude grenzt, nannte Gründungsdekan Jürgen Hannemann ein konstitutives Merkmal, „das viele Prozesse beschleunigt und erleichtert“ habe und auch für Studienbewerber ein wichtiges Kriterium darstelle.

Antrittsvorlesung: Die Finanzkrise als Chance

In seiner Antrittsvorlesung, die Wolfram Carius im Rahmen des Neujahresempfangs der Fakultät für Pharmazeutische Biotechnologie am 19. Januar hielt, verknüpfte der Pharma-Manager die Finanzkrise mit dem Motto seines Unternehmens: „Chance Finanzkrise: Innovation sichert die Zukunft“. Die innovationsstarke, vor allem mittelständisch geprägte Industrie könne Deutschland aus der Krise führen, sagte Carius.

Ein optimistisches Bild zeichnete Carius von der roten Biotechnologie. „Biopharmazeutika zur Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten sind schon jetzt unverzichtbar“, vor allem für die Onkologie, Impfstoffe und entzündliche Erkrankungen. In die Branche selbst sei seit 2006 die Vernunft eingezogen, ihre Produktpipeline mittlerweile gereift und sie stehe in Deutschland auf soliden Füßen. Carius plädierte auch dafür, der deutschen Biotech-Industrie, die der US-amerikanischen immer noch 15 Jahre hinterherhinke, Geduld zuzubilligen, bis diese endgültig Fuß gefasst habe.

Biotechnologie schafft immer mehr Innovationen

Der Biotechnologie als Querschnittsdisziplin misst Carius überragende Bedeutung bei. In zehn Jahren werde voraussichtlich die Hälfte aller Innovationen im Bereich der Lebenswissenschaften und auch im Bereich der Umwelt aus der Biotechnologie stammen. Den Anteil der Biotech-Medikamente wird nach Carius’ Worten in den nächsten Jahren auf einen Anteil bis 35 Prozent wachsen.

Gründungsdekan Prof. Jürgen Hannemann. © Hochschule Biberach

Der seit Oktober 2006 angebotene Studiengang Pharmazeutische Biotechnologie stößt nach Angaben des Gründungsdekans Jürgen Hannemann weiterhin auf großes Interesse. Bis zu 500 Abiturienten bewerben sich jedes Semester.

Mittlerweile befinden sich 33 Studierende im fünften Semester, an das sich ein Praxissemester anschließt. Ab März wird die Fakultät seine siebte Professur erhalten, für die achte Professur (für Zellkulturtechnik) laufen gerade Bewerbungen, berichtete Hannemann.

Die Platzprobleme hofft die Hochschule durch den baldigen Ausbau zweier Labore (für Molekularbiologie und Analytik sowie für Fermentation und Downstream) im dritten Obergeschoss des Gebäudes zu beheben.

Glossar

  • Biotechnologie ist die Lehre aller Verfahren, die lebende Zellen oder Enzyme zur Stoffumwandlung und Stoffproduktion nutzen.
  • Biopharmaka sind Arzneimittel, die mit Hilfe von biologischen Systemen hergestellt werden.
  • Fermentiation ist die Bezeichnung für die Umsetzung von biologischen Materialien mit Hilfe von Mikroorganismen oder durch Zusatz von Enzymen (Fermenten). Im eigentlichen Sinn handelt es bei der Fermentation um die anaerobe Oxidation von Zuckern zum Zwecke der Energiegewinnung des metabolisierenden Organismus.
  • Eine Zellkultur ist ein Pool von gleichartigen Zellen, die aus mehrzelligen Organismen isoliert wurden und in künstlichem Nährmedium für Forschungsexperimente im Labor (in vitro) gehalten werden.
  • Onkologie ist die Wissenschaft, die sich mit Krebs befasst. Im engeren Sinne ist Onkologie der Zweig der Medizin, der sich der Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von malignen Erkrankungen widmet.
  • Die Molekularbiologie beschäftigt sich mit der Struktur, Biosynthese und Funktion von DNA und RNA und und deren Interaktion miteinander und mit Proteinen. Mit Hilfe von molekularbiologischen Daten ist es zum Beispiel möglich, die Ursache von Krankheiten besser zu verstehen und die Wirkungsweise von Medikamenten zu optimieren.
  • Molekular bedeutet: auf Ebene der Moleküle.
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