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Gastbeitrag

KiTZ: Hopp-Kindertumorzentrum am NCT Heidelberg

Um an Krebs erkrankten Kindern besser helfen zu können, haben das Universitätsklinikum Heidelberg und das DKFZ das „Hopp-Kindertumorzentrum am NCT Heidelberg“ (KiTZ) gegründet. Seite an Seite arbeiten Ärzte, Wissenschaftler, Pflegepersonal und andere Fachkräfte des KiTZ an neuen Diagnose- und Therapiemöglichkeiten.

Die Professoren Stefan Pfister, Olaf Witt und Andreas Kulozik (v.l.), die sich gemeinsam im KiTZ für krebskranke Kinder engagieren. © KiTZ / Philipp Benjamin

Rein statistisch gesehen sind die Heilungschancen von krebskranken Kindern gut: Vier von fünf Patienten werden heute erfolgreich behandelt. „Damit können wir aber nicht zufrieden sein!“, finden die Professoren Stefan Pfister, Olaf Witt und Andreas Kulozik, Direktoren des „Hopp-Kindertumorzentrums am NCT Heidelberg“ (kurz „KiTZ“ genannt). An der gemeinsamen Einrichtung des Universitätsklinikums Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) kämpfen sie zusammen mit fast 200 anderen KiTZ Mitarbeitern für neue Wege in der Kinderonkologie.

Noch immer ist Krebs nach Verkehrsunfällen die Todesursache Nummer 2 bei Kindern in Deutschland. Jährlich erkranken rund 2.000 Kinder neu an Krebs, jedes fünfte Kind stirbt daran. Und an diesen Zahlen hat sich seit vielen Jahren nichts geändert. Der Preis ist auch für die Kinder hoch, die überleben. Neben den Akut-Nebenwirkungen wie Haarausfall, Übelkeit und Schleimhautblutungen sind die Langzeitfolgen gravierend: Bleibende Organschäden, hormonelle und neurologische Störungen, nicht zuletzt gelten die Therapien selbst als Faktoren, die eine spätere Krebserkrankung begünstigen.

Glossar

  • Ein Gen ist ein Teil der Erbinformation, der für die Ausprägung eines Merkmals verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um einen Abschnitt auf der DNA, der die genetische Information zur Synthese eines Proteins oder einer funktionellen RNA (z. B. tRNA) enthält.
  • Ein Hormon ist eine biochemisch aktive Substanz, die als Botenstoff von ihrem Entstehungsort zu ihrem Zielort transportiert wird (häufig über das Blut) und dort eine Reaktion in der Zelle auslöst. Insulin wird z.B. in der Bauchspeicheldrüse produziert, gelangt über das Blut zum Muskel und sorgt dort für eine Senkung des Blutzuckerspiegels.
  • Translation im biologischen Sinn ist der Prozess, bei dem die Basensequenz der mRNA in die Aminosäuresequenz des Proteins übersetzt (translatiert) wird. Dieser Vorgang findet an den Ribosomen statt. Nach der Vorlage eines einzigen mRNA-Moleküls können zahlreiche Proteinmoleküle synthetisiert werde
  • Onkologie ist die Wissenschaft, die sich mit Krebs befasst. Im engeren Sinne ist Onkologie der Zweig der Medizin, der sich der Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge von malignen Erkrankungen widmet.
  • Chemotherapie ist eine Behandlung von Krankheiten, insbesondere Krebs, unter Einsatz von Chemotherapeutika (Medikamente zur Wachstumshemmung von (Krebs)-Zellen).
  • Ein Tumor ist eine Gewebsschwellung durch abnormales Zellwachstum, die gutartig oder bösartig sein kann. Gutartige (benigne) Tumore sind örtlich begrenzt, während Zellen bösartiger (maligner) Tumore abgesiedelt werden können und in andere Gewebe eindringen können, wo sie Tochtergeschwulste (Metastasen) verursachen.
  • Leukämie ist eine bösartige Erkrankung (Krebs) des blutbildenden Systems. Durch die vermehrte Bildung entarteter weißer Blutkörperchen und ihrer Vorstufen wird die Blutbildung im Knochenmark gestört. Andere Blutbestandteile werden verdrängt und es kommt dadurch zu Anämie (Blutarmut), Infektionen und Blutungen, die letztlich zum Tod führen, wenn die Leukämie nicht behandelt wird.
  • Die Neuroonkologie befasst sich mit der Diagnostik und Therapie von Hirntumorerkrankungen.
  • Die Computertomographie (CT) ist ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung von Strukturen im Körperinneren. Dabei werden Röntgenaufnahmen aus verschiedenen Richtungen gemacht und anschließend rechnerbasiert ausgewertet, um ein dreidimensionales Bild zu erhalten.
  • Die Neurologie ist ein Teilgebiet der Medizin und befasst sich mit den Erkrankungen des Nervensystems.

Die Suche nach neuen molekularen Schlüsseln für die Kinderonkologie

Daher ist es dringend notwendig, neue Behandlungswege zu etablieren, die zum einen besser verträglich sind und die zum anderen auch den verbleibenden 20 Prozent der erkrankten Kinder, für die es bisher keine geeignete Therapieform gibt, eine Chance bieten. Olaf Witt, Leiter des KiTZ Programms „Translationale Kinderonkologie“ baut dabei auf die modernen Technologien der personalisierten Medizin: „Wir suchen bei Kindern mit Rückfällen im Erbgut der Krebszellen gezielt nach molekularen Schlüsseln, die eine individualisierte Therapie zulassen.“

So wie bei der vierjährigen Emma, die vor zwei Jahren an einem seltenen Hirntumor erkrankte. Emma wurde operiert und anschließend mit einer Chemotherapie behandelt. Doch diese schlug nicht an und der Hirntumor kam zurück. Im Rahmen des INFORM Registers (INFORM: Individualized Treatment For Relapsed Malignancies in Childhood) analysierte ein Heidelberger Team das Erbgut im Hirntumor des Mädchens. Hierbei entdeckten die Wissenschaftler zwei neue mögliche Angriffspunkte für eine Therapie. Auf dieser Grundlage stellten sie eine Kombinationstherapie zusammen, die sich gezielt gegen die gefundenen Veränderungen richtet und deshalb für das Mädchen „maßgeschneidert“ ist. Emma bekommt nun zwei Medikamente, die ursprünglich für die Therapie von Blutkrebs zugelassen waren. Auch wenn es zu früh ist, um von einem Behandlungserfolg zu sprechen – für Emma und ihre Familie ist der individualisierte Behandlungsansatz ein Hoffnungsschimmer.

Im KiTZ wachsen Forschung und Klinik enger zusammen

Spendenscheckübergabe anlässlich der Gründung des KITZ: Prof. Dr. Andreas Kulozik, Prof. Dr. Olaf Witt, Dietmar Hopp, Annika, Prof. Dr. Michael Baumann, Prof. Dr. Stefan Pfister, Prof. Dr. Guido Adler (v.l.n.r.) © Universitätsklinikum Heidelberg

Im November 2016 wurde das KiTZ in Heidelberg gegründet. Inzwischen hat man gemeinsame Tumorboards eingerichtet, veranstaltet gemeinsame Seminare und sorgt mit wissenschaftlichen Symposien wie dem „1st KiTZ Symposium on Pediatric Oncology and Hematology“ für eine gute Vernetzung von Forschung und Klinik. Was derzeit noch fehlt, ist ein eigenes Gebäude, in dem Forschung und Klinik unter einem Dach vereint sind. „Wir brauchen ein eigenes Therapie- und Forschungszentrum, damit wir die ärztliche und wissenschaftliche Expertise auf dem Gebiet von Krebs- und Bluterkrankungen im Kindesalter an einem Ort bündeln können. Im Moment ist diese auf dem ganzen Heidelberger Campus verstreut“, erklärt Stefan Pfister, Direktor des KiTZ Programms „Präklinische Kinderonkologie“.

Ende 2016 hatte die Dietmar Hopp Stiftung verkündet, dass sie die Hälfte der Kosten für den Neubau übernehmen wird, in Höhe von 20 Millionen Euro. Auch andere Spender haben ihre Unterstützung zugesichert, sodass drei Viertel der Baukosten inzwischen abgedeckt werden können. Die Gründer des KiTZ sind zuversichtlich, die Finanzierung bald in „trockenen Tüchern“ zu haben. Sie hoffen, den ersten Spatenstich spätestens Anfang 2018 durchführen zu können. 2021 soll das neue Gebäude fertig sein.

Die Vorteile eines Neubaus für die Kinderonkologie liegen auf der Hand: Durch die räumliche Nähe von Forschung und Klinik und die enge Anbindung an die benachbarte Kinderklinik sowie an andere kooperierende Kliniken des Universitätsklinikums können Experten unterschiedlicher medizinischer Disziplinen besonders eng zusammenarbeiten. Wege werden kürzer, Prozesse effizienter. Von besonderer Bedeutung ist das, wenn es darum geht, wissenschaftliche Erkenntnisse in klinische Anwendungen zu übersetzen – das Spezialgebiet des KiTZ Programms „Translationale Kinderonkologie“.

Auch ganz allgemein wir der Informationsfluss durch den KiTZ Neubau erleichtert. „Ich bin überzeugt, dass es gerade die „Tür- und Angelgespräche“ sind, die aus guten Ideen mitunter brillante Forschungsansätze machen können“, so Pfister, der am DKFZ die Abteilung „Pädiatrische Neuroonkologie“ leitet. Er plant, den präklinischen wissenschaftlichen Bereich des KiTZ in den nächsten Jahren weiter auszubauen.

Ein Konzept, das den Bedürfnissen krebskranker Kinder gerecht wird

Sobald das KiTZ Gebäude steht, wird auch die Klinik für Onkologie und Hämatologie der Universitätskinderklinik dort ein neues Zuhause finden. „Schon heute erhalten Kinder und Jugendliche mit onkologischen und hämatologischen Erkrankungen bei uns eine ambulante, tagesklinische und stationäre Versorgung auf höchstem Qualitätsniveau“, sagt Andreas Kulozik, Ärztlicher Direktor der Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie am Universitätsklinikum Heidelberg und Leiter des Programms „Klinische Kinderonkologie“ am KiTZ. „Im Neubau können wir unsere Angebote unter einem Dach bündeln und dabei auch besonders auf die Bedürfnisse der jungen Patienten nach Bewegung und Freizeitangeboten besser eingehen.“ Dafür planen die Architekten auch räumliche Möglichkeiten für ein Bewegungsangebot und die Musiktherapie zur Ablenkung und Erholung innerhalb und außerhalb des Hauses ein. „Wir feilen momentan an einem ganzheitlichen Konzept, das den Bedürfnissen von krebskranken Kindern gerecht wird“, fasst Kulozik zusammen.

Die drei Programme des KiTZ

Im Programm 1 „Klinische Pädiatrische Onkologie“ (Leitung: Prof. Dr. Andreas Kulozik) erfolgt die ambulante, tagesklinische und stationäre klinische Versorgung der Patienten mit Krebs- und schweren Blutkrankheiten, oft im Rahmen von klinischen Studien.

Im Programm 2 „Translationale Pädiatrische Onkologie“ (Leitung: Prof. Dr. Olaf Witt) werden innovative individualisierte Behandlungsformen zur Verbesserung der Heilungschancen für Kinder mit malignen Erkrankungen zusammengefasst. Im Fokus des Programmes steht die Übertragung (Translation) von neuen Forschungsergebnissen in frühe klinische Studien. Dies soll insbesondere den Patienten helfen, bei denen etablierte Therapien ausgeschöpft sind.

Im Programm 3 „Präklinische Pädiatrische Onkologie“ (Leitung: Prof. Dr. Stefan Pfister) arbeiten verschiedene experimentelle pädiatrisch-onkologische Gruppen des Universitätsklinikums und des DKFZ zusammen. Ziel ist es, neue diagnostische Verfahren für die Klassifizierung von Tumorerkrankungen zu entwickeln, neue Mechanismen der Tumorentstehung zu entdecken und diese in neue Therapieansätze zu überführen.

Das Hopp-Kindertumorzentrum am NCT Heidelberg (KiTZ)

Das Hopp-Kindertumorzentrum am NCT Heidelberg (KiTZ) ist eine gemeinsame Einrichtung des Universitätsklinikums Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Als Therapie und Forschungszentrum für Onkologie und Hämatologie im Kindes- und Jugendalter verfolgt das KiTZ das Ziel, vielversprechende Forschungsansätze eng mit der Patientenversorgung zu verknüpfen – von der Diagnose über die Behandlung bis hin zur Nachsorge. An Krebs erkrankte Kinder, gerade auch diejenigen, für die keine etablierten Therapieoptionen mehr zur Verfügung stehen, erhalten im KiTZ einen individuellen Therapieplan, den interdisziplinäre Expertenrunden in Tumorboards erstellen. Die Teilnahme der jungen Patienten an klinischen Studien stellt den Zugang zu neuen Therapieoptionen sicher. Damit ist das KiTZ eine richtungsweisende Plattform zur Übertragung von Forschungserkenntnissen aus dem Labor in die Klinik.

Das NCT ist eine Kooperation des Deutschen Krebsforschungszentrums und der Universitätsklinik Heidelberg. Als eines der führenden Comprehensive Cancer Center in Deutschland und onkologisches Zentrum der Deutschen Krebshilfe vereint das NCT interdisziplinäre Patientenversorgung und exzellente Krebsforschung unter einem Dach.

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